|
19.11.2025
19:51 Uhr
|
In den vergangenen 25 Jahren hat Gewalt gegen Frauen kaum abgenommen. Jede Dritte unter 50 Jahren ist laut WHO weltweit betroffen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Jede dritte Frau unter 50 Jahren ist weltweit von Gewalt betroffen. Das ist das Ergebnis einer statistischen Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) , welche die Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren umfasst und sich auf das Jahr 2023 bezieht. Demzufolge wurden rund 840 Millionen Frauen dieser Altersgruppe in ihrem Leben bereits Opfer von partnerschaftlicher oder sexueller Gewalt. Damit sei diese Zahl seit 2000 kaum zurückgegangen, teilte die WHO aus Anlass des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit, der am 25. November begangen wird. Es müsse zudem davon ausgegangen werden, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen, weil viele Betroffene aus Angst und anderen Gründen nicht über ihre Erfahrungen sprechen würden. Die Schätzungen (PDF) umfassen sowohl sexuelle und physische Gewalt durch ehemalige und aktuelle Partner als auch durch Nicht-Partner. Analysiert werden in dem Bericht Daten aus 168 Ländern aus den Jahren 2000 bis 2023. WHO-Chef beklagt fehlende Präventionsmaßnahmen Allein 2023 waren laut WHO 316 Millionen Frauen (elf Prozent) körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner ausgesetzt – davon waren 12,5 Millionen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren alt. Insgesamt gehe die Zahl der Gewalttaten durch Intimpartner "quälend langsam" zurück, hieß es. WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete Gewalt gegen Frauen als "eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Ungerechtigkeiten der Menschheit", gegen die immer noch viel zu wenig getan werde. Die Finanzierung entsprechender Hilfs- und Präventionsprogramme nehme ab: Nur 0,2 Prozent der weltweiten Entwicklungshilfe seien 2022 für diesen Zweck bereitgestellt worden; bis 2025 seien die Mittel weiter zurückgegangen. Fast jeden Tag ein Femizid in Deutschland Während Gewalt an Frauen überall auf der Welt auftritt, leben Frauen laut dem Bericht in den pazifischen Inselstaaten Ozeaniens besonders gefährlich: Auf den kleineren Inselstaaten rund um Australien und Neuseeland seien etwa 38 Prozent aller Frauen in einer Partnerschaft von Gewalt betroffen. Es folgen Zentral- und Südasien (18 Prozent), Afrika südlich der Sahara (17 Prozent) und Nordafrika (16 Prozent). Sexuelle Gewalt durch Nicht-Partner ist hingegen in Zentralamerika am häufigsten, gefolgt von Ozeanien und Westeuropa. In Deutschland sind laut der Schätzung 16 Prozent aller Frauen von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen. Zwölf Prozent erlebten sexuelle Gewalt durch Nicht-Partner. Im Jahr 2023 fand laut UN Women fast jeden Tag ein Femizid in Deutschland statt.