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16.01.2026
13:55 Uhr
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Der syrische Präsident wird in der kommenden Woche in Deutschland erwartet. Der Bundeskanzler will mit ihm auch die Rückkehr von geflüchteten Syrern besprechen.

Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa soll in der kommenden Woche zu Gesprächen nach Deutschland reisen. Für den Dienstagnachmittag sei ein Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz geplant, teilte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille mit. Ein Thema bei dem Treffen soll demnach die mögliche Rückkehr in Deutschland lebender Flüchtlinge nach Syrien sein. Das syrische Staatsoberhaupt trifft auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Al-Scharaa führt Syrien seit dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad. Nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg hatte eine Rebellenkoalition unter Führung der islamistischen Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) Ende 2024 dessen Regime beendet. Al-Scharaa war Anführer des HTS. Bundesregierung verspricht Wiederaufbauhilfe Die Bundesregierung hat Syrien wiederholt Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes versprochen. Vor allem aus der Union wird aber auch gefordert, dass die während der Assad-Zeit auch nach Deutschland geflohenen Menschen wieder nach Syrien zurückkehren sollen. Mehr als 700.000 Schutz suchende Syrerinnen und Syrer leben in Deutschland, meist mit einem befristeten Bleiberecht. Knapp 6.000 Syrer stellten laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis Ende vergangenen Jahres einen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Rückkehr. Rund 3.700 der Menschen seien bereits ausgereist. Das Bundesamt fördert solche Ausreisen seit dem Sturz Assads wieder. Geld gibt es dabei für Reisekosten, eine Starthilfe und gegebenenfalls Kosten für medizinische Behandlungen. Wer ohne diese Unterstützung zurückkehrt, wird in der Statistik nicht erfasst. Abschiebungen nach Syrien sind seit Kurzem auch wieder möglich, beschränkt auf Straftäter und Gefährder. Kurz vor Weihnachten hatte es eine erste Abschiebung gegeben. Pro Asyl kritisiert Zurückweisung von Syrern Die Geflüchtetenorganisation Pro Asyl hat scharf kritisiert, dass Menschen aus Afghanistan, dem Iran und Syrien immer seltener Asyl in Deutschland bekommen. "In Syrien setzen auch die neuen Machthaber auf Gewalt und Unterdrückung, im Iran und in Afghanistan tun das die herrschenden Terrorregimes nach wie vor", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp. Deshalb sei es "beunruhigend, dass Deutschland immer mehr Menschen, die vor der katastrophalen Menschenrechtslage in ihren Ländern fliehen, den Schutz verweigert". "Dahinter stehen in erster Linie politische Motive in Deutschland, keine Verbesserungen der Lage im Herkunftsland", kritisierte Kopp. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge droht, eine Ablehnungsmaschine zu werden." Die Zahl der Asylerstanträge von Syrern ist seit dem Machtwechsel in Syrien von fast 77.000 im Jahr 2024 auf rund 23.000 zurückgegangen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte deren Bearbeitung zunächst auch komplett ausgesetzt, sie aber für bestimmte Personengruppen inzwischen wieder aufgenommen. Nach Angaben des Bundesamts wurde im vergangenen Jahr über rund 25.300 Fälle entschieden, rund 9.600 endeten mit einer Ablehnung. Auch Anhörungen Asylsuchender finden den Angaben zufolge wieder statt, mit Ausnahme ethnischer und religiöser Minderheiten, deren Sicherheit unter den neuen Machthabenden infrage steht.