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20.02.2026
04:34 Uhr
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Sie wollte nicht als Kunde angesprochen werden, sondern als Kundin – und zog dafür bis vor das Bundesverfassungsgericht. Nun ist Marlies Krämer mit 88 Jahren gestorben.

Die saarländische Feministin, Autorin und Kommunalpolitikerin Marlies Krämer ist tot. Die 88-Jährige starb bereits am 4. Februar, wie die saarländische Staatskanzlei mitteilte. Krämer habe ihr ganzes Leben lang "mit Mut, Beharrlichkeit und großer persönlicher Überzeugung für die Gleichberechtigung gekämpft", sagte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Krämer wurde vor allem durch ihren Einsatz für Gleichberechtigung in sprachlicher Hinsicht überregional bekannt. Dafür zog sie vielfach auch vor Gericht . Sie weigerte sich beispielsweise, als "Inhaber" einen Personalausweis zu unterschreiben – und blieb deshalb in den 1990er-Jahren ohne Dokument. Erst nachdem der Bundesrat 1996 beschloss, dass die Formulierung "Unterschrift der Inhaberin/des Inhabers" in allen Ausweisen verwendet werden muss, unterzeichnete Marlies Krämer ihren Ausweis. Die Frauenzeitschrift Emma kürte sie 1997 zur "Heldin des Alltags". Ende der 1990er-Jahre engagierte sich Krämer erfolgreich gegen die Praxis in der Meteorologie, Hochdruckgebieten stets männliche und Tiefdruckgebieten weibliche Vornamen zu geben. Seitdem werden Hochs und Tiefs abwechselnd männlich und weiblich benannt. Das generische Maskulinum sei diskriminierend, sagte Krämer. Es verstoße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Mit diesen Argumenten zog die Saarländerin auch vor Gericht. Mit ihrem Ansinnen, dass Sparkassen in ihren Formularen die Bezeichnungen Kunde oder Kontoinhaber um eine weibliche Form ergänzen , scheiterte Krämer allerdings – zunächst am Bundesgerichtshof und 2020 letztlich auch vor dem Bundesverfassungsgericht.