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13.01.2026
13:51 Uhr
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Nach dem Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse sieht ein Anwalt eine Pflichtverletzung der Bank. Die Täter nutzten nach Angaben der Ermittler eine manipulierte Tür.

Im Namen von Geschädigten des Einbruchs in eine Gelsenkirchener Sparkassenfiliale will der Anwalt Daniel Kuhlmann eine Klage gegen die Bank einreichen. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm lägen Mandantenvollmachten von etwa 150 Geschädigten vor. Zudem gebe es in etwa noch mal so viele Interessierte. Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung der Bank, sagte Kuhlmann. So habe es anscheinend keinen Erschütterungsmelder im Tresorraum gegeben. Die Einbrecher hätten sich möglicherweise ungestört 48 Stunden in der Bank aufhalten können. Offensichtlich sei das Sicherheitskonzept der Bank unzureichend oder zumindest nicht ordnungsgemäß umgesetzt worden. Zum Nachweis werde er, wenn nötig, auch Sachverständige beauftragen. Der Bank drohe "eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes". Er halte es nicht für abwegig, dass am Ende etwa 1.000 Kläger gegen die Bank zusammenkämen. Täter nutzten eine manipulierte Tür Ende Dezember hatten sich bislang unbekannte Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank verschafft und ein 40 Zentimenter großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Nach Angaben der Ermittler begann der Aufbruch der Bankschließfächer bereits am 27. Dezember um 10.45 Uhr. Die Ermittler haben zudem einen weiteren Hinweis gefunden: Die Täter gelangten offensichtlich durch eine manipulierte Fluchttür ins Gebäude. Nach Angaben der Polizei kann diese Tür normalerweise nicht von außen geöffnet werden. Durch die Manipulation habe sie aber nicht mehr richtig geschlossen und den Tätern sei "ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude möglich" gewesen. Anschließend wurden fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer aufgebrochen. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem Schaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch . Anfang Januar veröffentlichten die Ermittler Fotos der mutmaßlichen Täter . "Man denkt, man ist in einem Kinofilm, was Professionalität und Kaltschnäuzigkeit angeht" Wer die Tür vom Parkhaus in die Filiale manipuliert hat, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte eine Polizeisprecherin. Zuletzt war bereits darüber spekuliert worden, ob die Täter Hilfe von einem Insider hatten. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, dieser Frage müsse man nachgehen – es gebe aber noch keinen konkreten Verdacht. Auf jeden Fall sei die Bande extrem zielgerichtet vorgegangen, sagte Reul weiter. "Man denkt, man ist in einem Kinofilm, was Professionalität und Kaltschnäuzigkeit angeht." Sparkassenchef weist Kritik an Sicherheitstechnik zurück Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zuvor zurückgewiesen. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte Klotz zuletzt gesagt. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden. Die Zukunft der Sparkasse Gelsenkirchen sieht der Vorstandschef durch die Schäden bei dem Einbruch nicht bedroht. "Die Verträge sehen eine Absicherung pro Schließfach von bis zu 10.300 Euro vor. Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Sparkasse ins Wanken geraten könnte", sagte er der WAZ . Der Millioneneinbruch ist auch Thema im nordrhein-westfälischen Landtag. Bei einer Sondersitzung des Innenausschusses will Innenminister Herbert Reul (CDU) über den Stand der Ermittlungen informieren. Die oppositionelle SPD hatte das beantragt. Es solle auch um Fragen "hinsichtlich der sicherheitsrelevanten Schwachstellen der Bank" gehen, heißt es im Antrag der SPD.