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15.12.2025
12:27 Uhr
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Die Reallöhne für Tarifbeschäftigte sind im Jahr 2025 womöglich um weniger als ein Prozent gestiegen. Die Tarifentwicklung habe sich "normalisiert", sagen Experten.

Experten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung haben sehr geringe Erwartungen für die diesjährige Reallohnentwicklung bei Tarifbeschäftigten geäußert. Berechnungen des Tarifarchivs des WSI zufolge sind die Löhne preisbereinigt nur um 0,4 Prozent gestiegen. Nominal, das heißt ohne Berücksichtigung der Preissteigerungen, liegt die Tariflohnerhöhung bei 2,6 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren sei das ein deutlicher Rückgang, sagte das WSI. 2023 lag die Steigerung der Nominallöhne bei 5,5 Prozent. Im vergangenen Jahr lag sie bei 5,4 Prozent. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, sagte, dass "sich die Tarifentwicklung in diesem Jahr wieder weitgehend normalisiert" habe. Die zwei Jahre zuvor bezeichnete er als "außergewöhnliche Tarifrunden zur Hochinflationsphase". Verluste aus Vorjahren nicht aufgeholt Grund für den großen Unterschied in diesem Jahr sei unter anderem, dass die Inflationsausgleichsprämie entfallen ist. Dabei handelte es sich um steuerfreie Einmalzahlungen. Ohne die Prämie wären die Tariflöhne in den vergangenen Jahren nur um 4,2 Prozent gestiegen, teilte das WSI mit. "Auch wenn die Inflationsausgleichsprämien in der Krisenzeit vielen Beschäftigten sehr geholfen haben, zeigt sich nun ihre Kehrseite", sagte Schulten. Trotz dieser Prämie sei der reale Verlust aus den Inflationsjahren 2021 bis 2023 noch nicht wieder aufgeholt worden, sagte das WSI. Von den tariflichen Lohnerhöhungen profitieren dem WSI zufolge rund 20 Millionen Arbeitnehmer. Die Tarifrunde 2025 betraf circa 6,3 Millionen Beschäftigte und gilt damit dem Institut zufolge als relativ klein. Als Grund führte das WSI an, dass große Branchen wie die Metallindustrie oder der Einzelhandel in diesem Jahr nicht verhandelten. In diesem Jahr hätten stattdessen die Deutsche Post, die Deutsche Bahn sowie der öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden im Fokus gestanden. Ein Abschluss im öffentlichen Dienst wird dem WSI zufolge im kommenden Jahr erwartet. Dann stünde mit den Verhandlungen der DGB-Gewerkschaften außerdem wieder eine größere Tarifrunde an.