Zeit 28.01.2026
14:13 Uhr

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus: Zeitzeugin Tova Friedman beklagt im Bundestag aktuellen Antisemitismus


Tova Friedman hat in einer eindringlichen Rede zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus vor aktuellem Judenhass gewarnt. "Ich bin ihre Zeugin", sagte sie.

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus: Zeitzeugin Tova Friedman beklagt im Bundestag aktuellen Antisemitismus
Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat eindringlich vor aktuellem Antisemitismus gewarnt. Alle bisherigen Bemühungen, ihn zu bekämpfen, reichten nicht aus, sagte sie bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag. Antisemitismus sei nie verschwunden, er habe sich stattdessen angepasst. "Lassen sie es nicht zu, dass der Antisemitismus wieder wächst", rief Friedman den versammelten Politikerinnen und Politikern zu. Die Geschichte lehre, dass Hass niemals auf ein einziges Volk beschränkt bleibe. "Wenn Antisemitismus geduldet wird, werden die demokratischen Werte an sich geschwächt." Sie sei das Kind, "vor dem Hitler Angst hatte", sagte Friedman. Dessen Devise sei es gewesen, keine Zeugen der Verbrechen zu haben. Sie spreche nun für die sechs Millionen Menschen, deren Stimmen zum Schweigen gebracht worden seien, sagte sie. "Ich bin ihre Zeugin", sagte Friedman vor den Spitzen der Verfassungsorgane, Abgeordneten und vielen Besuchern auf der Tribüne des Parlaments. Sie wolle eine Wahrheit teilen, "die schmerzlich, aber wesentlich ist". Die Gesellschaft müsse den Zeitzeugen des Nationalsozialismus zuhören, solange es noch möglich ist. Sie gehöre zu der schwindenden Zahl von Überlebenden, die Zeugnis ablegen könnten , sagte sie. Sie mache dies nicht, um Wunden aufzureißen, sondern um zu verhindern, dass es zu einem Verlust der Erinnerung komme, sagte die 87-Jährige. Friedman überlebte als Kind Auschwitz Friedman überlebte mit ihrer Mutter das NS-Konzentrationslager Auschwitz, in das sie als Fünfjährige deportiert wurde. "Als wir Auschwitz verließen, Hand in Hand gehend, flüsterte sie mir zu: 'Erinnere dich.' Seither habe ich mich jeden Tag erinnert", sagte Friedman, die heute in den USA lebt. 150 Mitglieder der Familie ihrer Mutter seien ermordet worden. Gemeinsam mit ihrem 20-jährigen Enkel betreibt Friedman seit 2021 einen TikTok-Kanal , auf dem sie über die Verfolgung der Juden durch die Nazis und heutigen Antisemitismus aufklärt. Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. Es ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945. Allein dort wurden 1,1 Millionen Menschen ermordet. Vor Friedman hatte bereits Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU) vor einem wieder "gesellschaftsfähig" werdenden Antisemitismus gewarnt. "Als Deutsche tragen wir alle eine besondere Verantwortung, dem wieder aufgekommenen Hass auf Juden entgegenzutreten ", sagte Klöckner und stellte dabei mehrmals Bezüge zum Thema Migration her.