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24.01.2026
10:56 Uhr
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Rechte Parolen, Hitlergrüße und antisemitische Gästebucheinträge: Gedenkstätten erleben häufiger strafbare Vorfälle. Zugleich steigt vielerorts die Besucherzahl.

Das Interesse an Gedenkstätten, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern, hält an: Viele Gedenkstätten für NS-Opfer verzeichneten im vergangenen Jahr steigende oder konstante Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur epd. In einigen Gedenkstätten gingen die Zahlen jedoch zurück. Zugleich berichteten viele Gedenkorte von mehr politisch motivierten Vorfällen. Die KZ-Gedenkstätte Dachau erfasste ihre Besuchszahlen mithilfe eines anonymisierten und automatischen Zählsystems erstmals genau. Mehr als eine Million Menschen besuchten die Gedenkstätte demnach 2025, nach mehr als 900.000 im vorherigen Jahr. Auch die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme und die Gedenkstätte für das ehemalige KZ Osthofen bei Worms meldeten steigende Besucherzahlen. In Brandenburg blieben die Besuchszahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500.000 gleich. Auch die Gedenkstätte Hadamar in Hessen und die beiden großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichneten konstante Besuchszahlen. Ebenfalls nahezu konstant blieben die Zahlen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen verzeichnete für 2025 einen geringfügigen Rückgang, der aber möglicherweise auf eine bestehende Baustelle zurückzuführen sei. Der Bereich für Sonderausstellungen sei derzeit geschlossen. Die meisten Berliner Gedenkstätten zählten hingegen weniger Besucher als im Vorjahr. So waren es im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors mit rund 1,575 Millionen Besuchern etwa drei Prozent weniger. Auch die Einrichtungen der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand wurden weniger besucht als im Vorjahr. Eine Anzeige pro Woche In Flossenbürg wurde nach Angaben des Sprechers der Gedenkstätte bei Einträgen in den Gästebüchern sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Zunahme an Beiträgen festgestellt, "die sich im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten befinden". Dazu gehörten etwa Vergleiche zwischen der Situation der Bevölkerung in Gaza und der Situation der KZ-Häftlinge. Auch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichnete eine Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Inzwischen wird laut eines Stiftungssprechers nahezu wöchentlich ein Vorfall bei der Polizei angezeigt. Bis etwa 2020 war demnach im Durchschnitt alle vier Wochen eine Anzeige erforderlich. Das Spektrum der Vorfälle reichte von E-Mails mit Todesdrohungen oder Hitlergrüßen über das widerrechtliche Befahren des Buchenwalder Mahnmals mit Motocross-Motorrädern bis zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilte mit, sie nehme "deutliche atmosphärische Veränderungen" in der Gruppenbetreuung wahr: "Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigen deutlicher, dass sie den Gedenkstättenbesuch als Zumutung begreifen". Mitunter würden rechte Parolen geäußert. Im Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster sind laut dessen Leiter Stefan Querl Schmierereien im Gästebuch an der Tagesordnung. Während der NS-Zeit war die Villa Sitz der Ordnungspolizei.