Zeit 25.02.2026
13:24 Uhr

Gebäudeenergiegesetz: Mieterbund kritisiert geplantes neues Heizungsgesetz als ungerecht


Die Pläne für das neue Heizungsgesetz sorgen für viel Kritik. Der Mieterbund warnt vor einer Belastung für Arme. Auch andere Verbände sprechen von Klientelpolitik.

Gebäudeenergiegesetz: Mieterbund kritisiert geplantes neues Heizungsgesetz als ungerecht
Der Deutsche Mieterbund hat die Einigung der schwarz-roten Regierungskoalition auf weniger strenge Vorgaben zum Heizungstausch für Hausbesitzer als ungerecht kritisiert. Die Regierung wälze die Kosten für die Wärmewende zu einem großen Teil auf die Mieterinnen und Mieter ab, schrieb der Mieterbund. Gerade Haushalte mit schwachen Einkommen seien besonders betroffen, da sie häufiger in schlecht sanierten Gebäuden wohnten. "Vermieter entscheiden über Heizung, Energieträger und Gebäudezustand – die daraus resultierenden Heiz- und Investitionskosten werden aber von den Mietern getragen", sagte Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. Mit den gelockerten Vorgaben entfielen für Vermieter Anreize für den Einbau klimafreundlicher Heizungen. Für Mieter entstehe zugleich ein hohes Kostenrisiko. "Besonders hart treffen hohe Energiepreise Mieterinnen und Mieter, die in Gebäuden mit hohen Energieverbräuchen wohnen", sagte Weber-Moritz. "Das betrifft in erster Linie einkommensschwache Mieterhaushalte." Kritik auch vom Gewerkschaftsbund Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die geplanten Änderungen am Gebäudeenergiegesetz. "Diese Einigung ist das Ergebnis maximaler Orientierungslosigkeit und leider keine sinnvolle Weiterentwicklung", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. "Statt endlich langfristige Planungssicherheit für die Gebäudesanierung zu schaffen, verliert sich die Koalition in schwer erfüllbaren Träumen von 'grünen Brennstoffen'." Letztere würden in der Industrie dringender gebraucht und drohten im Heizungsbereich Eigentümer und Mieter in die Kostenfalle zu treiben. Union und SPD hatten sich darauf geeinigt, nicht mehr auf mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung zu pochen . Für den Klimaschutz ist eine Grüngasquote vorgesehen: Öl- und Gasheizungen müssen zu steigenden Anteilen mit nachhaltigen Brennstoffen betrieben werden. Der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen ist damit jedoch langfristig möglich – und aus Kostengründen insbesondere für Vermieter interessant. Zugleich steigen aber die Kosten für die Brennstoffe wegen der CO₂-Bepreisung, der Netzgebühren und der Öko-Beimischquoten – welche in Mietshäusern die Mieter tragen müssen. Industrie sieht Brennstoffquote kritisch Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fürchtet derweil um die Auswirkungen auf die Industrie. "Es ist sehr wichtig, dass die Grüngasquote auf die Beheizung von Gebäuden begrenzt wird und den notwendigen Wasserstoffhochlauf in der Industrie nicht beeinträchtigt", sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) kritisierte ebenfalls, "grüne Gase" seien knapp und würden in anderen Sektoren wie der Industrie dringender benötigt . Das neue Gesetz sei "Klientelpolitik vom Feinsten". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte, das Gesetz schwäche den Verbraucherschutz und beerdige den Klimaschutz im Gebäudesektor. Ähnliche Sorgen teilte auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Verbraucherschutz fürchtet Kosten Die Verbraucherzentrale sprach von einer "Mogelpackung". ⁠Entgegen wissenschaftlicher Evidenz stelle die Regierung vage Hoffnungen auf einen ​wachsenden Markt mit grünen Gasen in Aussicht. "Wer jetzt über die Anschaffung einer neuen Heizung nachdenkt, sollte zunächst eine gute und unabhängige Beratung in Anspruch nehmen und keine übereilten ‌Entscheidungen treffen." Bosch verwies darauf, dass die Nachfrage nach Wärmepumpen in Deutschland 2025 insgesamt um 47 Prozent gestiegen ist. "Dies führte dazu, dass erstmals mehr ‌Wärmepumpen als Gasheizungen im deutschen Markt verkauft wurden. Die Wärmepumpe bleibt die dezentrale Heizungsform der Wahl für den Neubau", schrieb das Unternehmen.