Zeit 23.01.2026
08:18 Uhr

Ganztagsbetreuung: Jede vierte Grundschule kann Ganztagsbetreuung nicht umsetzen


Ab Herbst haben Erstklässler Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Laut einer Forsa-Umfrage kann ein Viertel der Schulen dies jedoch aus Platz- und Geldmangel nicht anbieten.

Ganztagsbetreuung: Jede vierte Grundschule kann Ganztagsbetreuung nicht umsetzen
Jede vierte Grundschule befürchtet nach eigenen Angaben, das neue Recht auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler in ihrer Kommune nicht vollständig umsetzen zu können. Dies geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung hervor, für die im September und Oktober insgesamt 1.312 Schulleitungen in Deutschland befragt wurden. Zwei Drittel der befragten Schulen (67 Prozent) gehen demnach davon aus, dass für alle im Schuljahr 2026/27 eingeschulten Jungen und Mädchen Ganztagsbetreuung angeboten werden kann. Dagegen erwarten 25 Prozent der Schulen, dieses Angebot nicht bereitstellen zu können. Gründe für das fehlende Angebot seien fehlende Räume (74 Prozent), fehlendes Personal (67 Prozent) und Geldmangel (47 Prozent). 2029/30 alle Kinder in Grundschulen Anspruch auf Ganztagsbetreuung Bund und Länder hatten sich auf eine schrittweise Einführung des Rechts auf Ganztagsbetreuung geeinigt. Der Rechtsanspruch soll ab dem 1. August zunächst für Kinder in den ersten Klassen gelten, danach soll er jährlich ausgeweitet werden. Ab dem Schuljahr 2029/30 haben dann alle Kinder in den Klassenstufen eins bis vier Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung. Bis Ende des Jahrzehnts soll für jedes Kind ein Platz mit einer Förderung von 40 Wochenstunden vorhanden sein. Anfang Dezember zeigte der Ausbaubericht der Bundesregierung, dass bei konstant bleibendem Bedarf allein in der ersten Klasse bundesweit im kommenden Schuljahr bis zu 30.000 zusätzliche Ganztagsplätze benötigt würden. Insgesamt würden mit der Ausweitung des Rechtsanspruchs in den kommenden Jahren unter dieser Bedarfsannahme noch 166.000 Plätze fehlen. Die Lage sei dabei in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. In den ostdeutschen Flächenländern sinkt der Bedarf voraussichtlich, in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg bleibt er in etwa gleich. In den westdeutschen Flächenländern fehlen Zehntausende Plätze. Gewerkschaft befürchtet Qualitätsprobleme Neben dem ab Herbst drohenden fehlenden Angebot kritisiert der Verband Bildung und Erziehung, der Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte vertritt, auch die Qualität der Betreuung . "Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung suggeriert pädagogische Angebote, aber am Ende wird nur die Verwahrung von Kindern zugesichert", warnte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Tomi Neckov. Bei der Qualität des Angebots drohen "daher herbe Probleme". Wodurch zugleich auch im Bereich der Bildungsgerechtigkeit eine große Chance verpasst werden könnte. In der Forsa-Umfrage verneinten 53 Prozent der Schulen die Frage, ob es bei ihnen eine pädagogische Mindestanforderung für angehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ganztagsbetreuung gebe. 40 Prozent bestätigten hingegen eine solche Mindestanforderung.