Zeit 19.02.2026
16:36 Uhr

"Friedensrat" von Donald Trump: Was ist Donald Trumps "Friedensrat", und warum ist er so umstritten?


Donald Trump ist in seinem neuen "Friedensrat" fast allmächtig. Deutschland lehnt ihn ab, nimmt aber am ersten Treffen teil. Das Wichtigste zum Trump-Gremium im Überblick


In Washington kommt erstmals der sogenannte Friedensrat zusammen, den US-Präsident Donald Trump gegründet hat. Dabei soll es in erster Linie um die Situation im Gazastreifen gehen. In Zukunft will der Rat aber auch weltweit wirken. Warum ist das Gremium so umstritten? Wer ist Mitglied, und welche Macht hat der Rat? Die wichtigsten Antworten im Überblick Was ist der sogenannte Friedensrat? Der selbst ernannte Friedensrat ist ein von US-Präsident Donald Trump initiiertes internationales Gremium. Laut der von mehreren Medien veröffentlichten Gründungscharta hat der Rat das Ziel, "dauerhaften Frieden in Gebieten zu sichern, die von Konflikten betroffen oder bedroht sind". Kritiker sehen darin jedoch vor allem ein Konkurrenzgremium zu den Vereinten Nationen, die sich eigentlich seit Jahrzehnten genau die gleiche Aufgabe auf die Agenda gesetzt haben. Trump kritisiert die Vereinten Nationen immer wieder, deshalb haben sich die USA auch bereits aus zahlreichen UN-Organisationen zurückgezogen . Ursprünglich war der Friedensrat Teil von Trumps Plan zum Ende des Gazakriegs und sollte den Wiederaufbau dort überwachen. Später erweiterte Trump den Geltungsanspruch seines Gremiums auf die ganze Welt . Im Januar wurde die Organisation beim Weltwirtschaftsforum in Davos schließlich offiziell gegründet. Welche Macht hat das Gremium? Im November 2025 erteilte der UN-Sicherheitsrat dem damals noch nur für den Gazastreifen vorgesehenen Gremium ein Mandat als vorübergehende Verwaltung, die den Wiederaufbau der zerstörten Region koordiniert. Demnach darf der Friedensrat eine temporäre internationale Stabilisierungstruppe nach Gaza entsenden. Das Mandat ist bis 2027 begrenzt. Welche Befugnisse der Friedensrat über Gaza hinaus hat oder in Anspruch nimmt, ist unklar. Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte zuletzt betont, dass das Mandat für den Friedensrat streng auf Gaza begrenzt sei. Man müsse abwarten, was aus dem Gremium werde, sobald es tatsächlich eingerichtet sei. Erst dann könne sich abzeichnen, welche Art von Beziehung die Vereinten Nationen zu ihm haben werden. Welche Kritik gibt es? Der Friedensrat ist hochumstritten, besonders wegen Donald Trumps Allmacht darin. Das sehen auch viele Experten so. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) schrieb in einer Stellungnahme, dass mit der Gründung des Friedensrats die internationale Friedenssicherung den außen- und sicherheitspolitischen Interessen Trumps unterstellt würde. Die DGVN ist ein Verein, der sich für internationale Zusammenarbeit einsetzt und teilweise durch Projektmittel der Bundesregierung gefördert wird. Der Friedensrat sei ein Angriff auf die UN-geführte internationale Ordnung, heißt es in der Stellungnahme. Die Völkerrechtsprofessorin Anne Peters bezeichnete Trumps mächtige Rolle im Friedensrat im Gespräch mit Legal Tribune Online als "noch nie dagewesen im Völkerrecht des 21. Jahrhunderts." Auch aus Sicht von Agnès Callamard, Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, ist die Gründung des Friedensrats eine "dreiste Missachtung von Völkerrecht und Menschenrechten". Die Organisation stehe "in grundlegender Weise im Widerspruch zum internationalen Rechtssystem". Was ist Donald Trumps Rolle in dem Gremium? Der Friedensrat ist kein demokratisches Gremium: Donald Trump ist in der Charta namentlich als erster Vorsitzender festgeschrieben, was nicht an sein Amt als US-Präsident gebunden ist. Er hat ein Vetorecht bei allen Entscheidungen, die der Rat trifft. Als Vorsitzender abgelöst werden kann Trump nur, wenn er freiwillig zurücktritt oder der Vorstand einstimmig beschließt, dass er amtsunfähig ist. In beiden Fällen könnte er seinen Nachfolger selbst bestimmen. Der Vorstand wird ebenfalls von Trump allein bestimmt. Zum Gründungsvorstand gehören US-Außenminister Marco Rubio, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair ​sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Trump hat auch die alleinige Macht darüber, Staaten dazu einzuladen, Mitglied im Friedensrat zu werden. Wer ist Mitglied – und wer nicht? Nach Angaben des Friedensrats sind bisher 27 Länder beigetreten: Ägypten, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Albanien, Bahrain, Belarus, Bulgarien, El Salvador, Indonesien, Israel, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Katar, Kosovo, Kuwait, Marokko, die Mongolei, Pakistan, Paraguay, Saudi-Arabien, Türkei, Ungarn, Usbekistan, die Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam. Dauerhaftes Mitglied zu werden, ist teuer. Laut Charta sind das nur Länder, die dem Gremium innerhalb des ersten Jahres nach der Gründung eine Milliarde US-Dollar zur Verfügung stellen. Was genau mit dem Geld passiert, ist unklar. Bei Ländern, die weniger Geld geben, kann Trump nach drei Jahren neu darüber entscheiden, ob sie Mitglied bleiben dürfen. Insgesamt sollen bereits 60 Staaten Einladungen erhalten haben, dem Gremium beizutreten. Diese ausgeschlagen haben unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China, Russland, Brasilien, Indien und Mexiko. Italien will nach eigenen Angaben eine Beobachterrolle einnehmen . Wegen der Ablehnung drohte Trump Frankreich sogar damit, Zölle von 200 Prozent auf Wein und Champagner einzuführen . Großbritanniens Außenministerin Yvette Cooper begründete die britischen Bedenken unter anderem damit, dass der russische Präsident Wladimir Putin ebenfalls eine Einladung von Trump erhalten hatte . Die Einladung an Kanada zog Trump zurück , nachdem er sich an einer Rede von Ministerpräsident Mark ‌Carney in Davos gestört hatte. Wie steht Deutschland zum Friedensrat? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lehnt den Friedensrat in seiner derzeitigen Form ab . So wie das Gremium derzeit aufgebaut sei, "können wir seine Führungsstrukturen aus verfassungsrechtlichen Gründen in Deutschland nicht akzeptieren", sagte Merz. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte nach der Gründung, dass die UN die Friedensorganisation auf internationaler Ebene sei, die die Bundesregierung unterstütze. Ganz ignorieren will Deutschland den Trump-Rat aber dennoch nicht. Beim ersten Zusammenkommen des Gremiums, bei dem es hauptsächlich um Gaza gehen soll, ist Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amts "auf hoher Beamtenebene" vertreten . Teilnehmen soll Berichten zufolge der hochrangige Diplomat Christian Buck, der im deutschen Außenministerium die Politische Abteilung 3 leitet. Auch weitere Nichtmitglieder nehmen als Beobachter an dem Treffen teil, darunter etwa Großbritannien und Japan. Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa