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18.12.2025
13:44 Uhr
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Mit Traktoren haben Tausende Landwirte vor dem EU-Gipfel in Brüssel gegen das geplante Handelsabkommen demonstriert. Auch aus den EU-Ländern kommt Kritik.

Tausende Landwirtinnen und Landwirte haben in Brüssel gegen die Unterzeichnung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten protestiert. Die Demonstration am Rande des EU-Gipfels soll vor das EU-Ratsgebäude ziehen. Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder wollen auch darüber beraten, ob Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) das Abkommen am Samstag unterzeichnen soll. Von der Leyen traf vor Beginn des Gipfels mit Vertretern des europäischen Bauernverbands Copa Cogeca zusammen. Für den Tagesverlauf waren weitere Gespräche der Bauernvertreter mit Agrarkommissar Christophe Hansen geplant. Die Landwirte sehen sich unzureichend vor billigeren Importen aus Südamerika geschützt. Bauernverbände in mehreren EU-Staaten haben bereits gegen das Abkommen protestiert. Die mehreren Tausend Teilnehmer blockierten den Zugang zum EU-Viertel. Hundert weitere Traktoren sollen sich auf dem Weg in die belgische Hauptstadt befinden, die meisten von ihnen aus Frankreich. Die Proteste richten sich neben dem Abkommen auch gegen geplante Kürzungen der EU-Fördergelder für die europäische Landwirtschaft sowie gegen Vorschriften der EU. Der Handelskonflikt mit den USA und China ist ein Grund, warum das umstrittene Mercosur-Abkommen noch mehr politisches Gewicht erhält. Das Abkommen wird seit 1999 verhandelt. Es soll mit über 700 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay erheben derzeit noch vergleichsweise hohe Zölle, die auf rund 91 Prozent der zwischen den EU- und den Mercosur-Staaten gehandelten Waren wegfallen könnten. Das würde die Exportchancen der EU erhöhen und für günstigere Einkaufspreise sorgen. Widerstand auch in der Politik Nicht nur Bauern sind gegen das Abkommen. "Ungarn ist eines der Länder, die Mercosur nicht unterstützen", sagte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Auch Polen ist dagegen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, es gebe trotz erster Kompromisse immer noch nicht genügend Sicherheiten, dass die Agrarmärkte seines Landes ausreichend geschützt seien . Die Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten hatten sich im Streit über Agrarimporte aus den Mercosur-Ländern auf einen Kompromiss verständigt . Demnach soll eine Untersuchung eingeleitet werden, wenn die Einfuhrmengen um mehr als acht Prozent pro Jahr steigen. Zudem einigten sie sich auf eine Erklärung, die EU-Maßnahmen zur Kontrolle auch in den Mercosur-Ländern festlegt, sowie zur Unterstützung der Landwirte und zur Einhaltung von Standards bei Pestiziden und Tiergesundheit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) drang dagegen darauf, das Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien zu unterschreiben. "Darüber wird jetzt seit 25 Jahren verhandelt. Jetzt ist es Zeit, zu einer Entscheidung zu kommen", sagte er. Als Schlüsselland, um die nötige Zweidrittelmehrheit zu erreichen, gilt Italien – die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ließ ihre Zustimmung bisher offen und sprach vom Verschieben . Brasilien stellte den EU-Ländern ein Ultimatum: Sollte das seit 1999 verhandelte Abkommen nicht rechtzeitig vor der geplanten Unterzeichnung am Samstag von den EU-Ländern gebilligt werden, werde Brasilien es nicht mehr unterstützen , sagte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.