Zeit 15.12.2025
13:30 Uhr

Freie Meinungsäußerung: Meinungsfreiheit hat sich laut Unesco weltweit deutlich verschlechtert


Die Unesco warnt vor einer beispiellosen Verschlechterung der Presse- und Meinungsfreiheit. Besonders stark habe sich die Lage ab dem Jahr 2020 verschlechtert.

Freie Meinungsäußerung: Meinungsfreiheit hat sich laut Unesco weltweit deutlich verschlechtert
Die Presse- und Meinungsfreiheit hat sich in den vergangenen Jahren nach Angaben der UN-Kulturorganisation Unesco weltweit deutlich verschlechtert. Dem Bericht zu Trends der Presse- und Meinungsfreiheit nach fiel der Wert im Freedom of Expression Index zwischen den Jahren 2012 und 2024 um zehn Prozent. Ein solch starker Verlust sei bisher nur in außergewöhnlichen Zeiten beobachtet worden, etwa im Ersten Weltkrieg, der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von 1963 bis 1973, teilte die UN-Kulturorganisation mit. Die Unesco spricht in ihrem Bericht von einer "historisch bedeutenden und beispiellosen Veränderung". Besonders stark habe sich die Lage ab dem Jahr 2020 verschlechtert. Die Unesco macht politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck auf Medien für den Trend verantwortlich. Seit zwei Jahren sieht die Organisation aber auch eine zunehmende Konkurrenz für unabhängigen Journalismus durch künstliche Intelligenz. Einschränkungen der Medien durch Regierungen, etwa in Form von digitaler Überwachung , hätten ebenfalls zugenommen. Zudem würden Rechtsmittel missbräuchlich genutzt, um Pressevertreter einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen. Gesetze zu Verleumdung, Hassrede oder Missinformation würden teilweise gegen Reporterinnen und Reporter eingesetzt. Demokratien sind weltweit in der Minderheit Die Selbstzensur habe dadurch enorm zugenommen und werde zur neuen Norm, teilte die Organisation mit. Medienschaffende würden zudem zunehmend heikle Themen wie Korruption, Umweltverbrechen und Menschenrechte vermeiden. Die Folgen der Verschlechterung spiegeln sich der Unesco zufolge bereits in breiteren gesellschaftlichen Trends wider. So seien beispielsweise Parlamente und die Justiz geschwächt worden. Zudem verstärkt sich die Polarisierung, während das öffentliche Vertrauen in Informationen abnimmt. Der Bericht verweist auch auf das schwindende Vertrauen in Institutionen in einflussreichen Ländern. Dies gehe einher mit Versuchen, demokratische Einrichtungen wegen des Versagens bei sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu diskreditieren. Erstmals seit 20 Jahren seien Demokratien weltweit in der Minderzahl. 72 Prozent der Weltbevölkerung lebten unter autoritären Regierungen, so viele wie seit 1978 nicht mehr. Medienbildung soll gefördert werden Westeuropa und Nordamerika blieben laut dem Bericht die Regionen, in denen die Lage weltweit am besten sei, sagte Ana Cristina Ruelas von der Unesco. Dennoch gebe es auch dort Einschränkungen. Am stärksten seien dort die Wissenschaftsfreiheit und die Freiheit im Kulturbereich gesunken. Um die Meinungsäußerungsfreiheit und die Pressefreiheit zu bewahren, sollten Staaten Journalisten schützen – ebenso Rechtsstaatlichkeit und pluralistische Parlamente, sagte Ruelas. Während das Überleben etlicher Medien in Gefahr sei, sei es zudem wichtig, Medienbildung und Medienentwicklung zu fördern.