Zeit 29.05.2026
08:10 Uhr

Freie Demokraten: Wolfgang Kubicki knüpft FDP-Vorsitz an Umfragewerte


Die FDP will bei einem Parteitag am Wochenende die Basis für ihr Erstarken legen. Der designierte Vorsitzende Wolfgang Kubicki setzt auf einen personellen Neuanfang.

Freie Demokraten: Wolfgang Kubicki knüpft FDP-Vorsitz an Umfragewerte
Der designierte FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki will seinen künftigen Posten an den Zustimmungswerten seiner Partei in der Bevölkerung knüpfen. Sollten die Freien Demokraten in einem Jahr in den Umfragen weiterhin unter der Fünf-Prozent-Marke liegen, würde er seine Aufgabe als verfehlt ansehen, sagte Kubicki im Focus -Podcast Machtmenschen . Auf die Frage, ob er in diesem Fall persönliche Konsequenzen ziehen würde, antwortete er: »Ja. Dann kann ich meiner Partei auch nicht mehr weiterhelfen.« Nach Ansicht Kubickis muss die FDP wieder dauerhaft als relevante politische Kraft in Deutschland wahrgenommen werden. Dieses Ziel könne jedoch nicht von ihm allein erreicht werden, sondern nur gemeinsam mit einem schlagkräftigen Team, das er aufbauen wolle. Zugleich stellte der 74-Jährige klar, dass er sich nicht selbst als Zukunft der Partei verstehe, wohl aber dazu beitragen wolle, der FDP wieder eine Perspektive zu geben. Reformprogramm und neue Aufgaben des Bundesvorstandes Zudem kündigte Kubicki in dem Podcast an, nach seiner Wahl an die FDP-Spitze bis spätestens September ein konkretes Reformprogramm vorzulegen. Dieses dürfe sich nicht »in allgemeinen Phrasen erschöpfen«, sondern brauche »ganz konkrete Vorstellungen, über die man dann auch streiten kann«, sagte Kubicki. Auch für den Bundesvorstand, der auf dem Parteitag neu gewählt werden soll, hat Kubicki konkrete Vorstellungen. Nach seiner Auffassung sollte das Gremium künftig deutlich aktiver arbeiten als bisher. Es dürfe nicht nur gelegentlich »wie ein Aufsichtsrat« zusammenkommen. Stattdessen solle jedes Vorstandsmitglied eigene politische Zuständigkeitsbereiche übernehmen und so dazu beitragen, das Profil der Partei zu schärfen. Ähnlich sieht es auch der designierte Generalsekretär Martin Hagen. Er will die Partei offensiver aufstellen, konservative Wähler ansprechen und auch Stimmen von der AfD zurückholen. »Gerade in der außerparlamentarischen Opposition muss man zuspitzen und manchmal auch ein Stück weit provozieren können«, sagte der studierte Politologe und frühere Unternehmensberater. Eine inhaltliche Verschiebung nach rechts weist Hagen jedoch zurück. Zugleich greift er ein Argument auf, das auch von der AfD häufig verwendet wird: den Vorwurf, in Deutschland könne man seine Meinung nicht mehr frei äußern. Nach Hagens Ansicht ist der öffentliche Debattenraum in den vergangenen zehn Jahren enger geworden, etwa bei den Themen Migration, Klima und Corona. Diese Kritik, so sein Anspruch, wolle er nicht der AfD überlassen. FDP-Bundesparteitag am Samstag Der erste Schritt für den Neustart der Freien Demokraten ist die personelle Neuausrichtung der FDP auf ihrem Bundesparteitag am Samstag in Berlin. Kubicki tritt dort für den Parteivorsitz an und will Christian Dürr beerben, der erst vor einem Jahr an die Spitze der Partei gewählt worden war. Nach den Niederlagen der FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zieht sich Dürr vorzeitig zurück. Kubicki verweist zur Begründung seiner Kandidatur auch auf seinen hohen Bekanntheitsgrad, mit dem er der Partei wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen will.