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10.12.2025
21:05 Uhr
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Der DFB ließ unerfahrene Leute verhandeln, noch dazu ausschließlich Männer. Nun haben die Klubs alleine einen Ligaverband gegründet. Den Schaden trägt der Frauenfußball.

Der Verlierer war auch im Hause, als der deutsche Frauenfußball seinen historischen Tag beging. Doch zu melden hatte Bernd Neuendorf nichts. Der neue Ligaverband Frauen-Bundesliga FBL e.V. gründete sich ohne den DFB und seinen Präsidenten. Und so saßen auf dem Podium in den Presseräumen von Eintracht Frankfurt nur die drei Vertreterinnen aus den Vereinen. Ursprünglich sollte der Termin nicht weit entfernt stattfinden, am DFB-Campus. Denn die vierzehn Vereine der Frauen-Bundesliga wollten mit dem Verband eine gemeinsame Gesellschaft gründen. Eine gute Idee, um den deutschen Frauenfußball für die Zukunft zu rüsten. Doch beide Seiten haben es nicht geschafft, zu kooperieren. Vorige Woche eskalierte der Konflikt, als die Vereine den DFB scharf kritisierten und ankündigten, den neuen FBL e. V. ohne den DFB ins Leben zu rufen. Am Mittwoch zogen sie ihr Ding durch. Bezeichnend, dass die neue Präsidentin des Ligaverbands, Katharina Kiel, nicht vom Deutschen Fußball-Bund, sondern vom "Deutschen Fußball-Verband" sprach. So hieß der Verband der DDR. Durch den Verzicht auf den DFB vergibt der Frauenfußball in Deutschland eine Chance auf eine größere Schlagkraft. Er macht den gleichen Fehler wie die Männer: Die Spitze löst sich von der Basis, die Elite macht ihr eigenes Ding. Gut möglich, dass das, was am 10. Dezember beschlossen und als wichtiges Ereignis gefeiert wurde, auf Dauer eher Schaden anrichtet. Der DFB schickte nicht seine besten Leute In den Verhandlungen, die sich über Jahre zogen, wurden am Ende beide Seiten ihrer Aufgabe nicht gerecht. Auf der einen Seite der DFB, der fürs Ganze steht, die Größe der Fußballnation verkörpert und eine gesellschaftlich bedeutende Institution sein soll. Tatsächlich wollte Bernd Neuendorf es so aussehen lassen, dass das Thema Chefsache ist. Also seine. Im Oktober kündigte er 100 Millionen Euro Investitionen in den Frauenfußball an. Doch verhandelte er nicht selbst mit den Vereinen. Er schickte nicht mal die strategisch gesehen besten Leute ins Rennen, zum Beispiel die Ex-Nationalspielerinnen Nia Künzer, Sportdirektorin, und Célia Šašić, Vizepräsidentin. Den DFB vertraten Holger Blask, ein Marketing-Mann, der gerade erst zum Generalsekretär aufgestiegen ist, und der Schatzmeister Stephan Grunwald. Beide sind keine Experten in der Sache. Beide sind Männer. Beide haben keinen bekannten Namen. Sie waren auch viel leichter angreifbar als es Rudi Völler oder Andreas Rettig gewesen wären, die über Renommee verfügen. Die Vereine nutzten das aus. Sie sind der professionelle, kapitalistische Sektor des Fußballs. Sie betonten immer wieder, dass sie die tägliche Arbeit leisten. Sie fühlten sich vom DFB von oben herab behandelt und fürchteten, er wolle zu viel Macht, ohne selbst das Risiko zu tragen. Und ließen alles scheitern. Sie hinterließen aber auch den Eindruck, auf einen willkommenen Anlass für den Bruch gewartet zu haben. Nun haben sie eine kleine Super League errichtet. Eine wilde Liga ohne Anbindung an internationale Verbände. Wie diese Abspaltung sportrechtlich geklärt ist, ließen die Beteiligten völlig offen. Gemäß den Statuten der Fifa und der Uefa ist nämlich der DFB der Ansprechpartner für die internationalen Wettbewerbe. Drohen, schimpfen, taktieren Aus den Aussagen der Vereine am Mittwoch wurde deutlich: Sie übersehen, dass sie auch Nutznießer der Basisarbeit und der Infrastruktur sind, die der DFB zumindest repräsentiert. Die Profite hingegen wollen sie alleine. Die stehen den Frauen vermutlich bald ins Haus, der Sport gilt als Wachstumsmarkt. In England kann man das seit fast einem Jahrzehnt beobachten, inzwischen auch in Spanien. Das sind die beiden europäischen Länder, die Deutschland sportlich und wirtschaftlich überholt haben. Um den Rückstand aufzuholen, wären gebündelte Kräfte wichtig. Zwar schließen weder der neue Ligaverband noch der DFB aus, künftig noch zusammenzufinden. Doch der DFB müsste das nun aus der Rolle des Bittstellers tun. In der Gesprächsrunde vorab soll Neuendorf seiner Empörung Ausdruck verliehen haben. Nach Informationen der ZEIT drohte der DFB zudem den Vereinen, sie von europäischen Wettbewerben auszuschließen. Alleine die Drohung könnte rechtswidrig sein. Der DFB ließ zwei Anfragen dazu unbeantwortet. Drohen, schimpfen, taktieren – das sind zurzeit die Töne der Verantwortlichen, wenn es um den Frauenfußball geht. Über Ausbildung, Wettbewerb, geschweige denn das im Fußball unabkömmliche Ehrenamt verliert niemand ein Wort. Wie etwa Neuendorf den Sport vorantreiben will, darüber ist nichts bekannt. Auch die FBL-Präsidiumsmitglieder Katharina Kiel, Veronica Saß und Florian Zeutschler sprachen bei ihrer Vorstellung in Frankfurt fast gar nicht über Inhalte. Und diejenigen, die zuletzt für die Vereine das Wort führten, den DFB mit Kritik überzogen und die Entscheidungen trafen, hielten sich zurück und blieben im Hintergrund: Axel Hellmann, Jan-Christian Dreesen, Fernando Carro. Das sind die CEOs von Eintracht Frankfurt, Bayern München und Bayer Leverkusen. Ihre Verdienste im Frauenfußball halten sich bisher in Grenzen. Alle drei sind Männer.