Zeit 30.05.2026
14:07 Uhr

Frankreich: Französischer Philosoph Edgar Morin gestorben


Edgar Morin ist tot. Der französische Soziologe und Philosoph war ein Vertreter des Humanismus. Emmanuel Macron würdigte ihn als einen »Denker des Jahrhunderts«.

Frankreich: Französischer Philosoph Edgar Morin gestorben
Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 104 Jahren, wie seine Ehefrau Sabah Abouessalam Morin der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Morin auf der Onlineplattform X als Widerstandskämpfer gegen Nazideutschland, Schriftsteller und »Denker des Jahrhunderts«. Morin sei »die Verkörperung des Humanismus« gewesen. Wegbereiter des Konstruktivismus und der interdisziplinären Forschung Bekannt wurde Morin vor allem mit seinem Konzept des »komplexen Denkens«. Damit war er Vordenker der Komplexitätstheorie und des Konstruktivismus. Der politisch links geprägte Autor wandte sich gegen eine harte Abgrenzung der wissenschaftlichen Disziplinen. Er forderte den einseitigen wissenschaftlichen Blick zugunsten eines differenzierten Ansatzes, der »vielfach gekreuzten Perspektiven und des komplexen Denkens« zu erweitern. Als Gegenentwurf zu statischem Denken und binären Vereinfachungen von richtig und falsch sprach er sich aus für ein dynamisches Denken in »gegenläufigen Bewegungen«, das Wissenschaft, Gesellschaft und Politik miteinander verbindet. In seinem sechsbändigen Hauptwerk La méthode (1977–2004) gab er wesentliche Impulse zur Analyse komplexer Krisenlagen wie der ökologischen oder der Klimakrise in einer globalisierten Welt und schuf Grundlagen für die Ökologie als eine interdisziplinäre Wissenschaft . Morin war Kommunist und Résistancekämpfer Morin wurde am 8. Juli 1921 als Edgar Nahoum in Paris in eine jüdische Familie mit Wurzeln in Griechenland geboren. Aus dem jungen Pariser Studenten wurde ein Kämpfer der Résistance, des französischen Widerstands gegen die Nazis und später ein Kommunist. Unter dem Decknamen Morin schloss er sich der Résistance gegen die deutsche Besatzung an. 1941 trat er der Kommunistischen Partei bei. Für sein späteres Denken blieb die Erfahrung von Krieg, Illegalität und existenzieller Bedrohung prägend. In Deutschland wurde der Philosoph und Soziologe mit seinem ersten Buch Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland bekannt. Darin beschreibt er die Nachkriegszeit und den Neubeginn der deutschen Gesellschaft unmittelbar nach 1945. 1959 reflektierte er in Autocritique seine Blindheit gegenüber dem Stalinismus und seinen Ausschluss aus der Kommunistischen Partei, womit er erneut Aufmerksamkeit erregte. Morin war Ehrendoktor von 38 ausländischen Universitäten. Er verfasste rund vierzig Werke, die vielfach übersetzt wurden. Bis ins hohe Alter blieb Morin eine Stimme im intellektuellen Streit um die Gegenwart: Globalisierung, ökologische Krise, Konflikte und Kriege.