Zeit 10.12.2025
10:14 Uhr

Frankreich: Brigitte Macron beleidigt Aktivistinnen nach Störaktion


Aktivistinnen störten einen Auftritt des Schauspielers Ary Abittan, die Première Dame bezeichnete sie daraufhin als "dreckige Idiotinnen". Viele zeigten sich schockiert.

Frankreich: Brigitte Macron beleidigt Aktivistinnen nach Störaktion
Frankreichs Präsidentengattin Brigitte Macron hat mit unsachlicher Kritik an einer Störaktion von Aktivistinnen für Irritation gesorgt. Mehrere Aktivistinnen hatten am Samstag eine Vorstellung des Schauspielers Ary Abittan gestört und ihm vorgeworfen, ein Vergewaltiger zu sein. Macron verteidigte ihn darauf und beleidigte die an der Aktion beteiligten Frauen. Gegen Abittan hatte es 2021 Vergewaltigungsvorwürfe gegeben. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dazu aber aus Mangel an Beweisen ein, ein Gericht bestätigte das. Aktivistinnen sehen darin aber keinen Beweis von Abittans Unschuld und forderten weitere Aufklärung. Während seiner Show am Samstag unterbrachen maskierte Menschen Abittan und riefen: "Abittan, Vergewaltiger!" Macron verteidigte den Schauspieler danach auf undiplomatische Art: Sie wurde am Sonntag in der Garderobe des Theaters Folies Bergère gefilmt, wo Abittan sich auf seinen nächsten Auftritt vorbereitete. Sie fragte ihn, wie es ihm nach der Störaktion der Aktivistinnen gehe, und er antwortete, er habe Angst. Macron bezeichnete die Aktivistinnen danach als "dreckige Idiotinnen" und sagte: "Wenn da dreckige Idiotinnen im Saal sind, dann werden wir sie hinauswerfen, vor allem die maskierten Banditen." Feministinnen kritisieren Theater Die feministische Kampagnengruppe NousToutes (Wir alle) schrieb: "Wir sind zutiefst schockiert und empört. Die verwendeten Worte sagen viel über ihre Sichtweise aus, die politische Botschaft ist äußerst schockierend." Sie glaubten den Opfern und wollten Vergewaltigern nicht verzeihen. Sie hätten Abittans Auftritt gestört, um gegen die "Kultur der Straflosigkeit" bei sexualisierter Gewalt in Frankreich zu protestieren. "Wir prangern Veranstaltungsorte an, die einen roten Teppich für Männer ausrollen, die der Vergewaltigung beschuldigt werden, und damit sexistische und sexuelle Gewalt normalisieren." Das sei eine öffentliche Beleidigung für die Opfer. Macrons Büro teilte mit, sie habe Abittan nur beruhigen wollen. Sie greife nicht die Sache an sich an, kritisiere aber die "radikalen Methoden" zur Verhinderung eines Auftritts. Der frühere Präsident François Hollande lehnte gegenüber dem Sender RTL die Äußerungen der Präsidentengattin als vulgär ab. "Diese Äußerungen sind äußerst schwerwiegend", sagte auch die Vorsitzende der Grünen, Marine Tondelier, im Fernsehsender BFMTV, "eine First Lady sollte so etwas nicht sagen." Unterstützung erhielt Macron lediglich vom Parlamentsabgeordneten Jean-Philippe Tanguy des rechtsnationalen Rassemblement National – es handele sich um einen perfiden Mitschnitt, der nicht hätte veröffentlicht werden dürfen.