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19.12.2025
16:28 Uhr
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Mehrere Hundert Millionen Euro kostet die Flugbereitschaft jährlich. Trotzdem gibt es immer wieder technische Defekte an den Maschinen. Was läuft da schief?

Es war eine lange Reise, die Außenminister Johann Wadephul Anfang November vor sich hatte: Rund elf Stunden dauert normalerweise ein Direktflug von Deutschland nach Kolumbien, von Hamburg aus wollte der Minister nach Santa Marta fliegen. Doch aus der geplanten Anreise mit dem Regierungsflieger wurde nichts : Laut Auswärtigem Amt gab es an der Maschine einen technischen Defekt. Der Minister musste mit Linienflügen erst nach Bogotá und von dort weiter an die Küste fliegen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Flieger der Flugbereitschaft defekt sind und deshalb Ministerinnen und Minister stranden – oder mit privaten Airlines weiterfliegen müssen: etwa Landwirtschaftsminister Alois Reiner, dessen Flugzeug jüngst technische Probleme hatte und umdrehen musste . Er verpasste dadurch Termine in Nebraska. Vor einem Jahr steckte der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck in Portugal fest, 2023 musste Außenministerin Annalena Baerbock eine Reise nach Asien in Abu Dhabi abbrechen . Die Zwischenfälle mögen amüsiertes Kopfschütteln auslösen. Doch als Staatsvertreter nicht an einem internationalen Gipfeltreffen teilnehmen zu können, kann Nachteile für die Interessen des eigenen Landes bedeuten – im schlechtesten Fall kommt der Gipfel nicht zustande. Zudem kostet die Flugbereitschaft nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler rund 200 Millionen Euro im Jahr . Wie bereit ist die deutsche Flugbereitschaft also wirklich? Ausfälle im "sehr niedrigen, einstelligen Prozentbereich" Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums ist für den Transport von militärischem Personal, vor allem aber von führenden deutschen Politikern zuständig. Die 15 Flugzeuge und drei Hubschrauber gehören zur Luftwaffe der Bundeswehr. Genaue Zahlen, wie viele Flüge der Flugbereitschaft wegen technischer Probleme in den vergangenen Jahren ausgefallen sind, will sie nicht nennen. Ein Sprecher der Luftwaffe beschwichtigt aber: Die Ausfallraten lägen im sehr niedrigen, einstelligen Prozentbereich. "Und sind damit vergleichbar zu renommierten, zivilen Fluggesellschaften." Nur: Wenn ein Minister strandet, sorgt das für mehr Schlagzeilen, als wenn Touristen auf andere Maschinen umgebucht werden. Zudem wäre ein Vergleich mit anderen Luftwaffen wohl aussagekräftiger: Dass der US-Präsident auf einen Linienflug umsteigen musste, weil seine Air Force One gestreikt hat, darüber gibt es keine Berichte. Und ohnehin scheinen Defekte am US-Präsidentenflieger nur alle paar Jahre vorzukommen, zumindest in Zeitungsberichten. Ersatzteile müssen erst eingeflogen werden Die größte Herausforderung für die Flugbereitschaft sei gerade ihr Unterschied zu einer kommerziellen Fluglinie, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt: Normale Airlines folgten einem klaren Flugplan und hätten überall auf der Welt Wartungspersonal oder Unternehmen unter Vertrag, die im Notfall reparieren könnten. "Das Kennzeichen von der Flugbereitschaft ist: Die fliegen ohne dieses Netz, denn die fliegen überallhin." Das mache den Betrieb ungleich komplizierter. Wenn ein Defekt an einem Flieger auftrete, müsse man Ersatzteile manchmal erst einfliegen – egal ob das in Kolumbien, China oder Nigeria ist. "Und deshalb fallen diese Flugzeuge von außen betrachtet viel häufiger aus", sagt Großbongardt. Wie zum Beispiel 2023 im Niger: Die Cockpitscheibe einer vergleichsweise kleinen Global 6000 der Flugbereitschaft riss – die Verteidigungsstaatssekretärin Siemtje Möller musste per Linienflug zurückreisen . Hinzu kommt, dass die Flotte der Flugbereitschaft klein ist und bei Ausfällen möglicherweise kein Ersatzflugzeug parat steht. Auf ihrer Website listet die Luftwaffe 18 Maschinen: einige betagte Hubschrauber, die in den kommenden Jahren ersetzt werden sollen , kleine Business-Flieger von Bombardier, aber auch ein paar große Airbus A319 und A321, für Reisen größerer Delegationen innerhalb Europas. Das Aushängeschild der Flugbereitschaft sind drei fabrikneue A350, die das Verteidigungsministerium in den vergangenen Jahren bei Airbus gekauft hat. Die Bundeswehr nennt sie in Anlehnung an das US-Regierungsflugzeug auch "deutsche Air Force One".