|
26.02.2026
10:19 Uhr
|
Nach Kritik an der Berlinale hat im Kanzleramt ein Krisengespräch über die Zukunft des Filmfestivals stattgefunden. Eine Entscheidung wurde noch nicht gefällt.

Bei einer Krisensitzung zur Berlinale ist nach Angaben der Bundesregierung keine Entscheidung über die Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle getroffen worden. "Heute Morgen fand eine Aufsichtsratssitzung der KBB GmbH im Kanzleramt statt. Thema war die Berlinale", sagte ein Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU). "Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale werden in den kommenden Tagen zwischen der Intendantin, Tricia Tuttle, und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt", fügte er hinzu. Berichten mehrerer Medien zufolge könnte Tuttles Amtszeit vorzeitig enden. Weimers Sprecher und die Berlinale äußerten sich dazu bislang nicht. Während der diesjährigen Berlinale hatte es mehrfach Debatten zum Nahostkonflikt gegeben. Mehrere internationale Filmschaffende, darunter Tilda Swinton und Javier Bardem, warfen der Berlinale in einem offenen Brief vor, sich im Gazakrieg nicht an die Seite der Palästinenser zu stellen. Indes sorgte die Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib in Deutschland für Aufsehen. Dieser hatte während der Preisverleihung der Bundesregierung vorgeworfen, sie sei Partner "des Völkermords im Gazastreifen". Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal. Israels Regierung weist Vorwürfe zurück, im Gazastreifen einen Völkermord begangen zu haben. Das ist auch die Position der deutschen Regierung. Deutsche und Europäische Filmakademie stellen sich hinter Tuttle Die Deutsche Filmakademie hatte sich in einer Stellungnahme hinter Tuttle gestellt. Darin hieß es, man sei erschrocken über den Versuch "der politischen Einflussnahme in Bezug auf die Leitung eines der bekanntesten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt". Die Akademie stehe für den Schutz der Kunstfreiheit und die Autonomie kultureller Institutionen, schrieben die Akademiechefs Vicky Krieps und Florian Gallenberger. Unterzeichnet wurde die Erklärung zum Beispiel von Schauspielerin Iris Berben und Regisseur İlker Çatak, dessen Film Gelbe Briefe bei der diesjährigen Festivalausgabe den Goldenen Bären gewonnen hatte. "Wir appellieren daher an die politisch Verantwortlichen, die Unabhängigkeit der Berlinale zu garantieren und zu respektieren und die Debatte mit Augenmaß zu führen. Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden," schrieb die Filmakademie weiter. "Dieser Versuch der Einmischung ist ein gefährliches Signal, das weit über das Festival hinausreicht." Auch die Europäische Filmakademie in Berlin hatte ihre Unterstützung für Tuttle ausgesprochen. Unter ihrer Leitung habe die Berlinale ihre Rolle als wichtiges internationales Festival und Marktplatz für den europäischen Film gestärkt, hieß es in einer Mitteilung. "Wir glauben, dass ihre Führung ein starkes Fundament für die Berlinale und das europäische Kino bietet, um selbstbewusst in die Zukunft zu gehen." Hunderte Filmschaffende unterzeichneten einen offenen Brief , in dem sie sich gegen die Abberufung von Intendantin Tuttle aussprachen.