Zeit 17.02.2026
08:56 Uhr

Fahrzeugmarke aus Ostdeutschland: Nachfahren der Simson-Gründer kritisieren AfD-Vereinnahmung der Marke


Björn Höcke und andere AfD-Politiker nutzen die ostdeutsche Marke Simson als politisches Symbol. Dagegen wehren sich die Nachfahren der jüdischen Familie.

Fahrzeugmarke aus Ostdeutschland: Nachfahren der Simson-Gründer kritisieren AfD-Vereinnahmung der Marke
Die Nachfahren der jüdischen Familie Simson wehren sich gegen eine Vereinnahmung der gleichnamigen Mopedmarke durch die AfD. "Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens", teilte der Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum, der Nachrichtenagentur dpa mit. "Meine Familie und ich lehnen extremistische Ideologien entschieden ab und wollen die Inbesitznahme unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen." Der Name Simson dürfe unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden. Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult . AfD-Politiker wie der thüringische Landeschef Björn Höcke nutzen sie als politisches Symbol . Manche Ortsverbände veranstalten Simson-Moped-Touren . In mehreren ostdeutschen Landtagen drang die AfD darauf, die Simson als immaterielles Kulturerbe schützen zu lassen. Sie stehe "für Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität", hieß es etwa in einem Antrag der AfD in Brandenburg. "Verhöhnung unserer Geschichte" Die jüdische Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen . Man habe eine große Tragödie erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen Bevölkerung geprägt gewesen sei, sagte Baum. "Deshalb betrachten wir die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte." Das Werk in Thüringen war von den Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet worden und hatte sich zunächst als Waffenhersteller etabliert. Zugleich widmete sich das Unternehmen dem Fahrzeugbau und entwickelte unter anderem den Rennwagen Simson Supra. In der NS-Zeit wurde die Familie zum Verkauf gezwungen. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik dann zum Volkseigenen Betrieb und produzierte Mopeds zunächst im Auftrag der sowjetischen Militäradministration.