Zeit 20.11.2025
07:29 Uhr

Extremismus: Prozess wegen Messerattentat am Holocaustmahnmal beginnt


Im Februar soll ein 19-Jähriger einen Touristen am Holocaustmahnmal in Berlin lebensgefährlich verletzt haben. Heute beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Extremismus: Prozess wegen Messerattentat am Holocaustmahnmal beginnt
Nach einem mutmaßlich radikalislamistisch und antisemitisch motivierten Messerangriff auf einen spanischen Touristen am Holocaustmahnmal in Berlin beginnt heute der Prozess. Der Angeklagte ist ein 19 Jahre alter anerkannter syrischer Flüchtling. Am 21. Februar soll er von Leipzig nach Berlin gefahren sein, um dort im Namen des "Islamischen Staats" (IS) den Angriff zu verüben. Ihm wird vorgeworfen, einen spanischen Touristen dabei lebensgefährlich verletzt zu haben. Ab heute steht Wassim Al M. in Berlin wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und der versuchten Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus , dass der Mann "angetrieben durch die Eskalation des Nahostkonflikts" im Namen des IS versuchte, "einen Repräsentanten der von ihm abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft zu töten". Kurz vor der Tat habe Al M. über einen Messengerdienst ein Foto von sich an Mitglieder des IS übersandt und sich als Mitglied angedient. Attentäter wollte angeblich Menschen jüdischen Glaubens treffen Das Steinefeld des Holocaustmahnmals erinnert an die Ermordung von sechs Millionen Juden unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Laut Anklage wählte der 19-Jährige diesen Ort für sein Verbrechen, weil er davon ausging, dort "mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Menschen jüdischen Glaubens" zu treffen. Al M. soll sein zum Tatzeitpunkt 30-jähriges Opfer lebensgefährlich verletzt haben. Nur durch das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte und eine Notoperation konnte der Mann laut Polizeiangaben gerettet werden. Er wurde für einige Zeit in ein künstliches Koma versetzt, teilten die Behörden mit. Die Bundesanwaltschaft sieht die Mordmerkmale niedrige Beweggründe und Heimtücke als erfüllt an. Der mutmaßliche Täter wurde wenige Stunden nach der Attacke mit blutverschmierten Händen in der Nähe des Mahnmals festgenommen. Nach Behördenangaben kam Al M. 2023 als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling – also ohne seine Eltern – nach Deutschland. Er erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung und wohnte in Leipzig in einer Gemeinschaftsunterkunft.