Zeit 05.12.2025
13:07 Uhr

Eurovision Song Contest: Bundesregierung begrüßt Teilnahme Israels am ESC 2026


"Israel gehört zum ESC": So hat die Bundesregierung die ESC-Entscheidung zu Israel kommentiert. Außenminister Wadephul bedauerte die Boykottankündigung mancher Staaten.

Eurovision Song Contest: Bundesregierung begrüßt Teilnahme Israels am ESC 2026
Außenminister Johann Wadephul (CDU) befürwortet die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) im kommenden Jahr. "Wir begrüßen die Entscheidung, dass Israel teilnehmen kann", sagte er bei einer Pressekonferenz. Israel gehöre beim ESC "traditionell dazu". Auch ein Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Teilnahme Israels. Wadephul appellierte an die Länder, die wegen der Entscheidung zu Israel einen Boykott der Musikveranstaltung angekündigt haben, dies zu überdenken. "Kultur sollte immer etwas Verbindendes haben, und deswegen sollte auch dieses Forum genutzt werden und nicht Austragungsort politischer Differenzen sein", fügte der CDU-Politiker hinzu. Auch der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte in Berlin: "Israel gehört zum Eurovision Song Contest, das ist überhaupt keine Frage." Die Bundesregierung bedauere, "dass es nun Entscheidungen gibt, dass andere Länder sich zurückziehen ". Antisemitismusbeauftragter kritisiert Boykottankündigungen Bei einer Sitzung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) am Donnerstag in Genf war Israels Teilnahme nicht zur Abstimmung gestellt worden, sodass der Weg für Israel frei ist. Die ARD stellte sich hinter die Entscheidung – die Rundfunkanstalten von Spanien, Irland, Slowenien und den Niederlanden kündigten dagegen umgehend einen ESC-Boykott an . Belgien, Island, Schweden und Finnland erwägen einen solchen Schritt. Die spanische Rundfunkanstalt RTVE hatte erklärt, die Lage in Gaza und "die Nutzung des Wettbewerbs für politische Zwecke durch Israel" machten es immer schwieriger, den ESC als neutrales kulturelles Ereignis aufrechtzuerhalten. Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, nannte die Boykottankündigungen fatal. "Es ist der falsche Reflex, Israel als Ganzes zu boykottieren, statt seine Kritik differenziert zu äußern", sagte Klein der Funke Mediengruppe. Kultur werde so unzulässig politisiert und instrumentalisiert. "Durch die undifferenzierte Inhaftungnahme eines ganzen Landes werden ja gerade jene Stimmen beim Publikum und in der Kulturszene getroffen, die für Frieden, Aussöhnung und Verständigung stehen." Ähnlich äußerte sich der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck: "Diese Art der Politisierung von Musik- und Sportwettbewerben ist kaum zu ertragen. Das wirkt so, als wollten sich die Boykotteure nach dem Waffenstillstand mit der Hamas noch mal richtig in Szene setzen gegenüber Israel." Noch schlimmer wäre aber aus seiner Sicht eine Entscheidung der EBU für einen Ausschluss Israels gewesen. "Solche Ausschlüsse sind immer symbolische Ausschlüsse des Jüdischen." ESC 2026 in Wien trotz Boykott nicht gefährdet Die Spanier gehören wie Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich zu den fünf wichtigsten Geldgebern der Veranstaltung. Trotzdem wirke sich das nicht auf die Finanzierung aus, teilte die Europäische Rundfunkunion der Nachrichtenagentur dpa mit. "Die endgültige Anzahl der teilnehmenden Sender hat keinen Einfluss auf das geplante Produktionsbudget und den finanziellen Beitrag der EBU an den ORF." Auch der für den ESC innerhalb der ARD zuständige Südwestrundfunk ist überzeugt, dass es wegen des Boykotts nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung für die anderen Sender kommt. Intendant Kai Gniffke bezeichnete das Votum der Europäischen Rundfunkunion als gute Nachricht. Dass die Rundfunkanstalten mehrerer Staaten, darunter mit Spanien auch einer der Hauptgeldgeber des Festivals, ihren Rückzug erklärt haben, sei bedauerlich. "Das ist deren gutes Recht", sagte Gniffke. "Es wird ja niemand zur Teilnahme gezwungen, aber es wird uns nicht aus der Bahn werfen." Neue Regeln scheinen Mitgliedsstaaten zu reichen Anlass für die kontrovers geführte Debatte rund um Israels Teilnahme ist das militärische Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen . Mehrere Rundfunkanstalten hatten deshalb bereits vor Monaten mit einem Boykott des ESC im Mai 2026 in Wien im Falle einer Teilnahme Israels gedroht . Es gab jedoch auch Länder, die eine Teilnahme Israels zur Bedingung für ihre eigene Beteiligung machten. Um den Konflikt zu entschärfen, hatte die EBU im November neue Regeln für den Wettbewerb angekündigt . So sollen unter anderem schon in den Halbfinals professionelle Jurys mit abstimmen und die Regeln für Werbekampagnen verschärft werden. Die in der EBU zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten stimmten bei ihrer Versammlung hinter verschlossenen Türen am Donnerstag offenbar mehrheitlich dafür, diese neuen Regeln als ausreichend einzustufen und nicht konkret über eine Teilnahme Israels abzustimmen. Der Streit um Israel ist die wohl größte Zerreißprobe in der Geschichte des weltweit beachteten Musikwettbewerbs, der im kommenden Jahr zum 70. Mal stattfindet. Der ESC soll neutral und unpolitisch sein. Allerdings hat sich die Weltpolitik immer wieder auf den Wettbewerb ausgewirkt. So darf Russland wegen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht mehr teilnehmen.