Zeit 03.03.2026
11:23 Uhr

"Europe Press Freedom Report": Journalistenverbände registrieren deutlichen Anstieg von Bedrohungen


Einschüchterungen, Belästigung und körperliche Angriffe: Gewalt gegenüber Journalisten steigt. Die meisten Meldungen betreffen Russland und die Türkei.


In Europa bleibt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die größte Bedrohung für Journalistinnen und Journalisten. Das geht aus dem Europe Press Freedom Report hervor, den mehrere europäische Journalistenverbände und Organisationen für Pressefreiheit in Brüssel vorstellten. Demnach wurden im vergangenen Jahr vier Journalisten durch russische Drohnenangriffe getötet, zahlreiche weitere verletzt oder in besetzten Gebieten festgehalten. Die Partnerorganisationen registrierten im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg von schwerwiegenden Bedrohungen der Medienfreiheit : Europaweit wurden 344 solcher Fälle bekannt, 29 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die meisten Meldungen betrafen Russland – dort wurden 50 Fälle registriert –, die Türkei mit 49 Fällen, Georgien und Serbien mit jeweils 35 und die Ukraine mit 27 Fällen, wobei sich die Hinweise zur Ukraine überwiegend auf die von Russland besetzten Gebiete beziehen oder russischen Kräften zugeschrieben werden. In den meisten Fällen wurden Journalisten eingeschüchtert und belästigt, am zweithäufigsten meldeten die Organisationen körperliche Angriffe auf Journalisten. Angriffe bei Protesten Zu solchen körperlichen Angriffen kam es laut dem Bericht in rund einem Viertel aller europäischen Staaten bei Protesten. Diese gingen demnach etwa von Polizeikräften, politischen Akteuren oder Demonstrierenden aus. Besonders hohe Zahlen wurden aus Georgien, Serbien und der Türkei gemeldet. Die Autoren des Berichts warnen vor dem systematischen Einsatz von Freiheitsentzug als Mittel der Medienkontrolle. Zum Jahresende 2025 waren demnach europaweit 148 Journalistinnen und Journalisten in Haft, darunter 58 in Russland oder den russisch besetzten Gebieten der Ukraine, 36 in Aserbaidschan, 27 in Belarus und 24 in der Türkei . Die Organisationen der Plattform appellierten an den Europarat, die EU-Kommission und die europäischen Staaten, bestehende Standards zum Schutz der Pressefreiheit einzuhalten. Zu der Plattform gehören beispielsweise Reporter ohne Grenzen, PEN International, die Europäische Rundfunkunion (EBU) sowie die Europäische Journalisten-Föderation.