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28.01.2026
11:21 Uhr
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Europa dürfe sein Überleben nicht länger "auslagern", mahnt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Die Nachkriegsordnung sei Geschichte, sagt Außenminister Johann Wadephul.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die europäischen Staaten dazu aufgerufen, ihre Verteidigungsbemühungen zu verstärken. Die "grundlegende Neuorientierung" der US-Außenpolitik habe die transatlantischen Beziehungen "in ihren Grundfesten erschüttert", sagte Kallas bei der Jahreskonferenz der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) in Brüssel. Europa müsse sich "den neuen Realitäten anpassen". Die Europäische Union wolle nach wie vor "starke transatlantische Beziehungen", sagte Kallas. Europa sei jedoch nicht länger "bevorzugter Schwerpunkt" der USA . Diese Veränderung sei bereits seit einiger Zeit im Gange und "strukturell, nicht vorübergehend". Europa könne sein Überleben nicht länger "auslagern". Außenminister Johann Wadephul schlug bei der lettischen Botschafterkonferenz in Riga ähnliche Töne an. "Die uns über Jahrzehnte hindurch so vertraute Nachkriegsordnung gibt es nicht mehr", sagte der CDU-Politiker. Man lebe in einer Zeit der "globalen Neustrukturierung", in der Europa seine Stärke beweisen und sich auf der Weltbühne behaupten müsse. Wadephul hält transatlantisches Bündnis für unverzichtbar Dennoch bleibe das transatlantische Bündnis für die Sicherheit Europas unverzichtbar: "Wir brauchen die Unterstützung der USA, um die Ukraine zu verteidigen", sagte Wadephul. Die jüngsten diplomatischen Bemühungen der USA begrüßte der CDU-Politiker: "Es ist gut, dass es jetzt neuerliche Bemühungen der Vereinigten Staaten gibt, einen dauerhaften Frieden in der Ukraine herbeizuführen, und dass sie am vergangenen Wochenende die ersten trilateralen Gespräche initiiert haben." Zugleich habe die vergangene Woche gezeigt, dass die EU geschlossen auftreten könne. Die Reaktion von US-Präsident Donald Trump in Davos sei klar gewesen: Es werde mit Blick auf Grönland keinen Einsatz militärischer Gewalt geben. Die EU habe deutlich gemacht, dass "niemand uns unter Druck setzen kann, wenn wir unser ganzes europäisches Gewicht in die Waagschale werfen", sagte der Außenminister. Annexionsdrohungen gegen Grönland Trump hatte die europäischen Verbündeten Anfang des Jahres mit Drohungen irritiert, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen. Mitte Januar kündigte er Zölle von zehn Prozent auf Importe aus acht europäischen Staaten an, darunter Deutschland, Dänemark und Frankreich. Die Zölle sollten ab dem 1. Februar gelten und später auf 25 Prozent steigen, bis die USA Grönland kaufen könnten. Die EU bereitete Gegenmaßnahmen vor und erwog Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro. Erst nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Davos nahm Trump die Zolldrohung zurück und schloss militärische Gewalt aus.