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15.01.2026
16:09 Uhr
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Oleg Nefedow gilt als Kopf von ruchlosen Cybererpresser-Banden und war lange ein Unbekannter. Jetzt wird er international gesucht.

Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie gewerbs- und bandenmäßige Erpressung und Computersabotage: So lautet der offizielle Vorwurf gegen die Mitglieder einer Gruppe, die vor allem in den Jahren 2022 bis 2024 weltweit Unternehmen, Organisationen und Behörden terrorisiert hat . Sie erpressten ihre Opfer, indem sie deren Computer verschlüsselten und nur gegen hohe Lösegelder wieder freigaben. Sie selbst nannten sich Black Basta und agierten natürlich anonym. Doch nicht anonym genug. Gegen den Gründer und Chef der Gruppe haben deutsche Behörden nun einen internationalen Haftbefehl erwirkt . Oleg Nefedow wird jetzt weltweit gesucht, mit Namen und Gesicht. Nefedow stammt aus Russland. Es gibt derzeit keine Indizien, dass er das Land verlassen hat. Daher wird er sicher nicht so bald verhaftet und vor ein Gericht gestellt werden können. Trotzdem ist ein solcher Haftbefehl ein Signal. Er zeigt: Wir kennen und sehen dich. Für die Betroffenen bedeutet so etwas erhebliche Einschränkungen. Es gibt damit nur noch sehr wenige Länder auf der Welt, in die Nefedow gefahrlos einreisen könnte. Schon im Juni 2024 war Nefedow in Armenien festgesetzt worden. Laut einem Bericht des Spiegel lag ein entsprechendes Gesuch der USA vor. Doch dann war Nefedow in einer Sitzungspause des Gerichts entkommen und verschwunden. Wie und warum, ist ungeklärt. Doch es wirkt, als sei den lokalen Behörden nicht ganz klar gewesen, welch großen Fisch sie geangelt hatten. Zwei Durchsuchungen in der Ukraine Nefedow ist seit vielen Jahren eine wichtige Figur der kriminellen russischen Hackerszene und mitverantwortlich für zahllose Taten weltweit. Er hat nicht nur Black Basta gegründet, sondern zuvor auch die bislang größte und aktivste Erpressergruppe Conti mitgeleitet. Der zweite Chef und Gründer von Conti, Vitalii Kovalev aka Stern, konnte im Mai 2025 enttarnt werden . Der Schaden, den Nefedow verursacht hat, ist auch deswegen so groß, weil er das Prinzip Ransomware-as-a-Service groß gemacht hat: Er vermietete seine Erpressersoftware an jeden, der ihm dafür einen Teil der Beute abtrat. Nefedow wird schon lange gesucht. Die USA haben eine hohe Belohnung auf ihn ausgesetzt . Aber er war lange nur unter seinem Pseudonym Tramp bekannt; es gab keine Fotos von ihm, kein Gesicht. Das änderte sich erst mit dem Artikel des Spiegel im Jahr 2025, in dem er als Oleg N. beschrieben wurde. Wie die ZEIT anschließend berichtete , waren wahrscheinlich amerikanische Ermittlungsbehörden die Quelle dieser Information. Sie haben wohl interne Kommunikation der Bande geleakt, um ihr ein Gesicht zu geben. So dringend wollen sie Nefedow erwischen, dass sie dabei auch einen Eklat mit europäischen Ermittlern riskierten, die über diese nach europäischen Standards illegale Methode verärgert waren. Der Haftbefehl nun ist nicht der einzige Schritt der Ermittler gegen die Erpresserbande. Zwei ihrer Mitglieder konnte das BKA in der Ukraine identifizieren. In einer gemeinsamen Aktion ukrainischer und deutscher Behörden wurden ihre Wohnungen in Iwano-Frankiwsk und Lwiw durchsucht und Beweise sichergestellt . In der Bande waren beide dafür zuständig, Passwörter zu knacken, damit die Angreifer anschließend über diese Accounts in fremde Systeme eindringen konnten.