Zeit 27.12.2025
11:19 Uhr

Epstein-Files: Was über die Epstein-Akten bekannt ist


Die Frage, ob die Epstein-Akten US-Präsident Trump belasten, beschäftigt die USA seit Monaten. Nun sind erste Dokumente öffentlich. Was sie zeigen – und was nicht

Epstein-Files: Was über die Epstein-Akten bekannt ist
Seit Monaten beherrscht die Debatte um die Ermittlungsakten zum Missbrauchsnetzwerk des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein die US-amerikanische Öffentlichkeit. Alles dreht sich um eine Frage: Welche Rolle spielte US-Präsident Donald Trump in dem Fall? Das US-Justizministerium ist nach einem Kongressbeschluss zur Veröffentlichung aller Unterlagen verpflichtet. Es verpasste die Frist Mitte Dezember allerdings, indem es nur schrittweise mit der Offenlegung von Dokumenten begann. Zudem stieß die Schwärzung ganzer Seiten zunächst auf Kritik – und legte später mögliche Sicherheitslücken offen. Welche neuen Informationen enthalten die Ermittlungsakten zum Fall Epstein? Und warum wurden Sicherheitsbedenken zur Arbeit der US-Regierung laut? Antworten auf die wichtigsten Fragen Was wurde bislang veröffentlicht? Im November beschloss der US-Kongress den Epstein Files Transparency Act, der durch die Unterschrift von Präsident Trump einen Tag später in Kraft trat. Das Justizministerium musste damit binnen einer Frist von 30 Tagen sämtliche Akten in dem Fall veröffentlichen. Erst kurz vor Ablauf der Deadline am 19. Dezember l ud die Behörde schließlich vier Datenpakete mit Tausenden Dokumenten und Fotos auf ihrer Website hoch. Darunter finden sich unter anderem eine Checkliste des FBI, Druckaufträge, Klageschriften und Verhörprotokolle. Wenige Tage später stellte das US-Justizministerium weitere rund 30.000 Dokumente zum Epstein-Fall online. Der Datensatz von insgesamt zehn Gigabyte umfasst zehntausende Seiten mit E-Mail-Verläufen, Scans von Gerichtsdokumenten, Fotos und Video- und Audioaufnahmen. Viele der Unterlagen sind teilweise oder vollständig geschwärzt. Laut dem stellvertretenden Justizminister Todd Blanche enthalten sie den Gesetzen entsprechend zudem mitunter auch gefälschte Dokumente. Die Dateien sind auf der Seite des Ministeriums abrufbar . Insgesamt ist bislang allerdings nur ein kleiner Teil der Dokumente zum Fall Epstein öffentlich. Vizejustizminister Blanche kündigte beim Sender Fox News bereits nach den ersten Uploads an, dass in den kommenden Wochen weitere hunderttausende Dokumente folgen würden. Am 24. Dezember teilte sein Ministerium auf X mit, es habe mehr als eine Million weiterer Unterlagen "entdeckt", die möglicherweise mit dem Fall im Zusammenhang stünden. Man werde auch diese "so schnell wie möglich" veröffentlichen, dies könne jedoch noch einige Wochen dauern. Welche Kritik gibt es an den Schwärzungen? Kurz nach Veröffentlichung der Dokumente warfen sowohl Demokraten als auch mehrere republikanische Politiker dem Justizministerium vor, zu umfangreich Informationen geschwärzt zu haben . Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna kritisierte, dass zentrale Informationen zurückgehalten würden; ein 119-seitiges Dokument mit Zeugenaussagen sei vollständig geschwärzt worden. Der Republikaner Thomas Massie, Mitinitiator des Transparenzgesetzes, schloss sich dem an. Marina Lacerda, die nach eigenen Angaben von Epstein missbraucht worden war, forderte das Justizministerium auf, sämtliche Akten offenzulegen. Die Trump-Regierung beschuldigte dagegen die Demokraten, mit "handverlesenen Fotos" und willkürlichen Schwärzungen eine falsche Erzählung zu konstruieren. Trump selbst bezeichnete die zuletzt von den Demokraten veröffentlichten Bilder als "keine große Sache". Jeder habe Epstein gekannt, es gebe Hunderte, die Fotos mit ihm hätten. Später gerieten zudem die Schwärzungen an sich in den Fokus der Debatte. Der politische Kommentator Ed Krassenstein schrieb auf X, er habe den geschwärzten Text sichtbar gemacht, indem er ihn in ein anderes Dokument kopiert habe. "Warum verschweigt die Trump-Regierung diese Dinge und warum sind sie so verdammt unfähig, in allem was sie tun?", fragte er. "Wie viele andere Dokumente sind nicht wirklich geschwärzt?" Ob Krassensteins Vorgehen tatsächlich so funktioniert, wie er es angibt, und wie fehleranfällig es ist, lässt sich bislang nicht sagen. Warum wurden zwischenzeitlich Dateien gelöscht? Nach der ersten Veröffentlichung wurden wenige Tage später mehrere Dateien vorübergehend wieder entfernt. Darunter war auch eine Aufnahme, die US-Präsident Donald Trump mit seiner Frau Melania in Begleitung von Epstein und dessen langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell zeigt. Das US-Justizministerium teilte nach Kritik der Demokraten im Kongress mit, ein Foto sei aus Sorge um die Opfer vorübergehend offline genommen, später aber unverändert wieder online gestellt worden. In der Zwischenzeit sei sichergestellt worden, dass keines von Epsteins Opfern darauf zu sehen war. Den Vorwurf, dass die Löschungen politisch motiviert gewesen seien, wies das Ministerium zurück. Welche Personen tauchen in den bisherigen Veröffentlichungen auf? Unter den veröffentlichten Dateien sind unter anderem Fotos, die Epstein mit seiner langjährigen Vertrauten Ghislaine Maxwell beim Feiern und Reisen zeigen. Maxwell sitzt wegen ihrer Rolle in Epsteins Missbrauchsnetzwerk in einem US-Gefängnis. Sie war im Dezember 2021 wegen Sexhandels und anderer Straftaten zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Weitere Fotos zeigen den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, unter anderem beim Schwimmen mit Maxwell und einer weiteren Frau, deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Ein anderes Foto zeigt Andrew Mountbatten-Windsor, den früheren britischen Prinzen, wie er über den Schößen mehrerer Frauen liegt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Maxwell versucht haben soll, ihm für eine Reise nach Peru im Jahr 2002 Mädchen oder Frauen zu organisieren. Konkrete Hinweise auf Straftaten gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Mountbatten-Windsor wurde in einem anderen Fall vorgeworfen, eine Frau als Minderjährige missbraucht zu haben, die ihm durch Epstein zugeführt worden sei. Mountbatten-Windsor wies die Vorwürfe zurück, zahlte der Klägerin jedoch mehrere Millionen Dollar. Sie zog die Klage zurück. Zudem finden sich Fotos von Epstein mit den Popstars Michael Jackson und Mick Jagger sowie dem Schauspieler und Regisseur Kevin Spacey. Ein strafbares Verhalten ist in keinem der Fälle zu erkennen, auch vorgeworfen wird ihnen ein solches nicht. Welche Rolle spielt Donald Trump? Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Akten schnell offenzulegen. Nach seinem Amtsantritt stellte er sich jedoch zunächst gegen ein entsprechendes Gesetz. Erst unter Druck aus den eigenen Reihen unterzeichnete er das Transparenzgesetz. Trump und Epstein galten zeitweise als Freunde . Der Präsident erklärte, er habe sich noch vor Epsteins erster Verurteilung 2008 mit ihm zerstritten. Er bestreitet, von dessen Straftaten gewusst oder selbst etwas Unrechtes getan zu haben. Trumps Name tauchte mehrfach im Zusammenhang mit Epstein auf – etwa in einem Kontaktbuch und auf Passagierlisten von dessen Privatflugzeug, die im Maxwell-Prozess öffentlich wurden. Immer wieder waren in den vergangenen Monaten Dokumente aus der Zeit von Trumps und Epsteins Freundschaft veröffentlicht worden. So machten demokratische Kongressabgeordnete Fotos aus Epsteins Nachlass publik, die Trump mehrfach zeigten. Unter anderem ist er darauf neben sechs unkenntlich gemachten Mädchen oder Frauen zu sehen sowie an der Seite Epsteins und einer weiteren Frau. In den ersten veröffentlichten Ermittlungsakten fanden sich zunächst nur wenige Hinweise auf Trump, darunter ein Foto, auf dem Epstein einen Scheck mit Trumps Namen hält, sowie ein Bild von Trumps Buch Trump: The Art of the Comeback in Epsteins Stadthaus in Manhattan. In der zweiten Tranche, der vom US-Justizministerium veröffentlichten Dateien und Dokumenten, taucht Trump dagegen mehrfach auf. Unter anderem wurde ein mutmaßlich von Epstein verfasster handschriftlicher Brief an den verurteilten Sportarzt Larry Nassar veröffentlicht, in dem er behauptet, Trump teile eine Vorliebe für "junge, attraktive Mädchen" und habe Frauen "begrapscht". Nassar verbüßt wegen sexuellen Missbrauchs an mehr als 250 Athletinnen eine lebenslange Haftstrafe. Das US-Justizministerium äußerte erhebliche Zweifel an der Echtheit des Dokuments und verwies auf mehrere Unstimmigkeiten, darunter einen Poststempel drei Tage nach Epsteins Tod sowie den Eingang des Briefes in Virginia, obwohl Epstein in New York inhaftiert war. Das FBI habe bestätigt, dass es sich um eine Fälschung handele. Warum stand zunächst Ex-Präsident Bill Clinton im Fokus? Insbesondere durch die ersten veröffentlichten Ermittlungsdokumente geriet Ex-Präsident Bill Clinton in den USA stark unter Druck, weil er in den Dateien mehrfach auftauchte. Vor allem Republikaner und Maga-Aktivisten verbreiteten in den sozialen Netzwerken ein Foto, das den früheren demokratischen Präsidenten im Pool mit Maxwell und einer weiteren Frau oder einem Mädchen zeigt. Neben diesem ist Clinton auf weiteren Bildern zu sehen, allerdings offenbar ohne erkennbaren Bezug zu Epstein oder Maxwell. Clintons Berater Angel Ureña sprach anschließend von einem Ablenkungsmanöver des Weißen Hauses. Er sagte, es gebe zwei Gruppen von Menschen: jene, die den Kontakt zu Epstein abgebrochen haben, bevor dessen Verbrechen bekannt wurden, und jene, die auch danach Beziehungen zu ihm gepflegt hätten. "Wir gehören zur ersten Gruppe", schrieb Ureña auf der Plattform X. Zuvor hatte die US-Regierung Ermittlungen gegen Clinton angeordnet. Ureña bezeichnete das als "Lärm, der von Wahlniederlagen, nach hinten losgegangenen Shutdowns und wer weiß was noch ablenken soll". Clinton habe nichts gewusst und nichts getan. Clinton selbst ließ mitteilen, seine Bekanntschaft mit Epstein sei öffentlich bekannt. Er sei darauf nicht stolz, habe aber nichts von "den furchtbaren Dingen" gewusst, und den Kontakt abgebrochen, bevor diese öffentlich wurden. Wer war Jeffrey Epstein? Epstein hatte als Finanzinvestor Millionen gemacht und verkehrte in den USA in den Kreisen der Reichen, pflegte Beziehungen zu Unternehmern, Politikern und Prominenten. Bereits in den Neunzigerjahren gab es erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen ihn, die Behörden begannen aber erst Mitte der Nullerjahre, den Hinweisen nachzugehen. Sie deckten ein System des Menschenhandels auf. Demnach lockten Epstein und Maxwell minderjährige Mädchen mit Geld auf seine Immobilien in New York, Florida, New Mexico und seine Insel in der Karibik, um sie dort sexuell zu missbrauchen. Auch andere Prominente sollen daran beteiligt gewesen sein. Konkrete Vorwürfe gegen andere Personen gibt es nur wenige. Im August 2019 starb Epstein in seiner Gefängniszelle in New York, der Obduktionsbericht geht von Suizid als Todesursache aus.