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21.12.2025
08:28 Uhr
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Das US-Justizministerium hat einen ersten Teil der Ermittlungsakten zu Jeffrey Epstein veröffentlicht. Ein Überblick darüber, was sie zeigen – und was nicht.

Am Freitag hat das US-Justizministerium begonnen, Ermittlungsakten zum Fall des verstorbenen Finanzinvestors und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Ihm wurde vorgeworfen, Mädchen und Frauen missbraucht und an Prominente weitervermittelt zu haben. Epstein verkehrte in den Kreisen der Reichen und Mächtigen , in den bislang veröffentlichten Unterlagen tauchen zahlreiche bekannte Namen auf . Wer tatsächlich Teil des aktiven kriminellen Netzwerks war, ist allerdings nur teilweise bekannt. Auch deshalb hatte der US-Kongress im November mit Stimmen von Demokraten und Republikanern ein Transparenzgesetz verabschiedet, das die Regierung verpflichtet, die vollständigen Akten innerhalb von 30 Tagen freizugeben. Diese Frist lief am Freitagabend ab. Was wurde bislang veröffentlicht? Wenige Stunden vor Ablauf der Deadline l ud das Justizministerium vier Datenpakete mit tausenden Dokumenten und Fotos auf seiner Website hoch. Darunter finden sich unter anderem eine Checkliste des FBI, Druckaufträge, Klageschriften und Verhörprotokolle. Viele der Dokumente sind teilweise oder vollständig geschwärzt. Zu sehen sind auch Fotos von Ghislaine Maxwell, der langjährigen Vertrauten Epsteins, die inzwischen rechtskräftig verurteilt wurde. Sie soll eine zentrale Rolle beim Aufbau des Missbrauchsrings gespielt haben. Die Bilder zeigen Maxwell und Epstein etwa beim Feiern und Reisen. Weitere Fotos zeigen den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, unter anderem beim Schwimmen mit Maxwell und einer weiteren Frau, deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Ein anderes Foto zeigt Andrew Mountbatten-Windsor, den früheren britischen Prinzen, wie er über den Schößen mehrerer Frauen liegt. Ihm wurde vorgeworfen, eine Frau missbraucht zu haben. Mountbatten-Windsor wies die Vorwürfe zurück, zahlte der Klägerin jedoch mehrere Millionen Dollar. Sie zog die Klage zurück. Zudem finden sich Fotos von Epstein mit den Popstars Michael Jackson und Mick Jagger sowie dem Schauspieler und Regisseur Kevin Spacey. Was wurde nicht veröffentlicht? Weitere Hunderttausende Dokumente sollen in den kommenden Wochen folgen, sagte Vize-Justizminister Todd Blanche dem Sender Fox News. Jede Seite müsse so gestaltet sein, dass die Identität der Opfer geschützt werde. Kritiker bemängeln jedoch, dass viele Dokumente nahezu vollständig geschwärzt seien . Zudem fehlten bislang zentrale Unterlagen, etwa zu den Finanztransaktionen innerhalb des Missbrauchsrings. Was ist bisher aus den neuen Veröffentlichungen bekannt? Die neuen Datensätze befeuern die politische Debatte in den USA. Während es über Donald Trumps Verhältnis zu Epstein wenig Neues gibt, gerät Ex-Präsident Clinton erneut unter Druck. Warum steht Ex-Präsident Bill Clinton im Fokus? Neben dem Pool-Foto taucht Clinton auf weiteren Bildern auf, allerdings offenbar ohne erkennbaren Bezug zu Epstein oder Maxwell. Vor allem Republikaner und Maga-Aktivisten verbreiten in sozialen Netzwerken das Schwimm-Foto. Clintons Berater Angel Ureña sprach von einem Ablenkungsmanöver des Weißen Hauses. Es gebe zwei Gruppen von Menschen: jene, die den Kontakt zu Epstein abgebrochen haben, bevor dessen Verbrechen bekannt wurden, und jene, die auch danach Beziehungen zu ihm gepflegt hätten. "Wir gehören zur ersten Gruppe", schreibt Ureña auf der Plattform X. Zuvor hatte die US-Regierung Ermittlungen gegen Clinton angeordnet. Ureña bezeichnete das als "Lärm, der von Wahlniederlagen, nach hinten losgegangenen Shutdowns und wer weiß was noch ablenken soll". Clinton habe nichts gewusst und nichts getan. Clinton selbst ließ mitteilen, seine Bekanntschaft mit Epstein sei öffentlich bekannt. Er sei darauf nicht stolz, habe aber nichts von "den furchtbaren Dingen" gewusst, und den Kontakt abgebrochen, bevor diese öffentlich wurden. Was ist mit Donald Trump? Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Akten schnell offenzulegen, stellte sich nach Amtsantritt jedoch zunächst gegen ein entsprechendes Gesetz. Erst unter Druck aus den eigenen Reihen unterzeichnete er das Transparenzgesetz. Trump und Epstein galten zeitweise als Freunde . Der Präsident erklärte, er habe sich noch vor Epsteins erster Verurteilung 2008 mit ihm zerstritten. Er bestreitet, von dessen Straftaten gewusst oder selbst etwas Unrechtes getan zu haben. Trumps Name tauchte mehrfach im Zusammenhang mit Epstein auf – etwa auf Passagierlisten von dessen Privatflugzeug und in einem Kontaktbuch, die im Maxwell-Prozess öffentlich wurden. Von demokratischen Kongressabgeordneten veröffentlichte Fotos aus Epsteins Nachlass zeigen Trump mehrfach, unter anderem neben sechs unkenntlich gemachten Mädchen oder Frauen sowie an der Seite Epsteins und einer weiteren Frau. In den nun freigegebenen Regierungsdokumenten finden sich hingegen keine Fotos von Trump selbst, aber eines, auf dem Epstein einen Scheck mit Trumps Namen hält, sowie ein Bild von Trumps Buch Trump: The Art of the Comeback in Epsteins Stadthaus in Manhattan. Ein persönliches Fehlverhalten Trumps konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Welche Kritik gibt es? Demokraten kritisieren die bisherige Veröffentlichungspraxis. Der Kongressabgeordnete Ro Khanna warf dem US-Justizministerium vor, zentrale Informationen zurückzuhalten; ein 119-seitiges Dokument mit Zeugenaussagen sei vollständig geschwärzt worden. Der Republikaner Thomas Massie, Mitiniatior des Transparenzgesetzes, schloss sich dem an. Auch der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, sprach auf X von einem "Bruchteil der gesamten Beweismittel", die offengelegt worden. Der Abgeordnete Robert Garcia warf Trump und Justizministerin Pam Bondi Vertuschung vor. Marina Lacerda, die nach eigenen Angaben von Epstein missbraucht wurde, forderte das Justizministerium auf, sämtliche Akten offenzulegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP. "Hört auf, Namen zu schwärzen, die nicht geschwärzt werden müssen", sagte Lacerda. Man habe den Opfern lange nicht geglaubt – nun verspreche man Transparenz, liefere sie aber nicht. Zudem erhoben Demokraten im US-Kongress den Vorwurf, das Justizministerium habe eine Datei aus den veröffentlichten Epstein-Akten entfernt. In einer auf der Onlineplattform X veröffentlichten Stellungnahme hieß es, dass weniger als 24 Stunden, nachdem die Unterlagen auf der Internetseite des Ministeriums abrufbar gewesen seien, offenbar ein Foto aus einem Datensatz gelöscht worden sei. Auf der betreffenden Aufnahme sind mehrere, teils gerahmte Fotografien zu sehen. Eines der Bilder, das bereits älteren Datums ist, zeigt den heutigen US-Präsidenten Donald Trump gemeinsam mit seiner Frau Melania sowie Epstein und Maxwell. Auf einem weiteren Foto ist der frühere US-Präsident Clinton abgebildet. Die Trump-Regierung beschuldigte die Demokraten wiederum mit "handverlesenen Fotos" und willkürlichen Schwärzungen eine falsche Erzählung zu konstruieren. Trump selbst bezeichnete die zuletzt von den Demokraten veröffentlichten Bilder als "keine große Sache". Jeder habe Epstein gekannt, es gebe Hunderte, die Fotos mit ihm hätten.