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05.02.2026
22:51 Uhr
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Der ehemalige Generalsekretär des Europarats stand offenbar in Kontakt mit Jeffrey Epstein. Auch der Präsident des Weltwirtschaftsforums Børge Brende wird untersucht.

Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die norwegische Polizei Ermittlungen gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der schweren Korruption, teilte die für Wirtschaftskriminalität zuständige Strafverfolgungsbehörde Ökokrim mit. Die norwegische Zeitung VG hatte unter Verweis auf die am vergangenen Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Dokumente berichtet, dass Jagland engen Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter gehabt habe. So habe Jagland einmal um finanzielle Unterstützung beim Kauf einer Wohnung gebeten. Dazu sagte Jagland der Zeitung, dass er alle Kredite für seine Immobilien von der norwegischen Bank DNB erhalten habe. Den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge hielt Jagland sich 2018 bei Epstein in New York auf und 2015 und 2018 in Epsteins Wohnung in Paris. 2014 plante der frühere Ministerpräsident von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zudem einen Urlaub mit seiner Familie auf Epsteins Insel, die Reise wurde aber letztlich abgesagt. Jagland war Vorsitzender des Nobel-Komitees Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats. Von 2009 bis 2015 war er zudem Vorsitzender des norwegischen Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet. Am Sonntagabend räumte Jagland gegenüber der Zeitung Aftenposten "Fehler in der Beurteilung" Epsteins ein. Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher Prominenter . Epstein soll im Verlauf der Jahrzehnte mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Der bereits 2008 verurteilte Epstein wurde 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, offiziellen Angaben zufolge beging er Suizid. Weltwirtschaftsforum kündigt Untersuchung von Epstein-Verbindungen seines Chefs an Auch Børge Brende, der Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), der ebenfalls aus Norwegen stammt, taucht in den Epstein-Akten auf. Das WEF kündigte eine Untersuchung von Brendes Verbindungen zu Epstein an. Das WEF wolle "die jüngsten Enthüllungen" über die Teilnahme von Brende "an drei Geschäftsessen mit Jeffrey Epstein sowie die anschließende E-Mail- und SMS-Kommunikation klarstellen", teilte die Organisation mit. Der Risikoausschuss habe beschlossen, dafür eine "unabhängige Überprüfung einzuleiten". Brende war in Norwegen lange Abgeordneter der konservativen Partei, sowie Umwelt-, Handels- und Außenminister. Seit 2017 ist er Präsident des WEF, das jedes Jahr im Januar das berühmte Treffen in Davos in der Schweiz ausrichtet.