Zeit 23.12.2025
21:10 Uhr

Epstein-Files: "Das Leben ist unfair. Ihr J. Epstein"


Die Veröffentlichung der Epstein-Akten bleibt chaotisch. Damit lässt das US-Justizministerium viel Raum für Spekulationen – auch über die Verwicklung Donald Trumps.

Epstein-Files:
In normalen Zeiten würde allein dieser Social-Media-Post des US-Justizministeriums einen Aufschrei auslösen: Am Dienstagmorgen erklärte das von der Trump-Vertrauten Pam Bondi geführte Ministerium, man habe knapp 30.000 weitere Seiten an Dokumenten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein freigegeben – "aus Verpflichtung gegenüber dem Gesetz und der Transparenz dieser Dokumente unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen für Epsteins Opfer". Dazu gab es dann aber noch eine präemptive Handreichung der eigentlich bei Strafverfolgungen unabhängig agierenden Behörde an die interessierten Leser: "Einige dieser Dokumente enthalten unwahre und reißerische Behauptungen gegen Präsident Trump, die kurz vor der Wahl 2020 beim FBI eingereicht wurden. Um es klarzustellen: Die Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wären sie auch nur im Geringsten glaubwürdig, wären sie mit Sicherheit bereits gegen Präsident Trump eingesetzt worden." Recherchen der New York Times zufolge enthalten die 30.000 neu veröffentlichten Dokumentenseiten tatsächlich Hunderte von Verweisen auf Trump. Dabei handelt es sich demnach meist um Erwähnungen in Medienberichten oder anderen Materialien, die in den Akten enthalten waren. Aber bei einigen ging es auch direkt um den früheren New Yorker Geschäftsmann und heutigen US-Präsidenten. So äußerte sich ein Bundesstaatsanwalt im Jahr 2020 in einer E-Mail an einen Kollegen verwundert darüber, dass der Name des Präsidenten "viel häufiger als bisher berichtet (oder uns bekannt)" in den Flugprotokollen von Epsteins Privatjet auftauchte. Trump sei zwischen 1993 und 1996 mindestens achtmal als Passagier in dem Flugzeug aufgeführt – darunter sind offenbar auch einige Fälle, in denen junge Frauen mit an Bord waren. Auch das ist kein Beleg für ein kriminelles Verhalten Trumps; jedoch werden hier abermals mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Wie schwierig der Umgang mit den Akten ist, zeigt auch ein jetzt veröffentlichter Brief von Epstein mit Poststempel vom 13. August 2019. Drei Tage zuvor war der frühere Investmentbanker leblos in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden, sein Tod wurde als Suizid eingestuft. Adressiert ist der Brief an Larry Nassar, den wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Arzt der US-Olympiamannschaft im Turnen. "Wie Sie inzwischen wissen, habe ich den 'kurzen Weg' nach Hause genommen", schreibt Epstein darin. "Viel Glück! Wir hatten eine Sache gemeinsam ... unsere Liebe und Fürsorge für junge Frauen und die Hoffnung, dass sie ihr volles Potenzial entfalten." Weiter heißt es: "Auch unser Präsident teilt unsere Liebe zu jungen, heiratsfähigen Mädchen. Wenn eine junge Schönheit vorbeiging, liebte er es, sie zu 'begrapschen', während wir am Ende in den Kantinen des Systems nach Essen suchten." Der Brief ist unterzeichnet mit: "Das Leben ist unfair. Ihr J. Epstein."