Zeit 19.02.2026
14:36 Uhr

Energieversorgung: Bundeskartellamt sieht steigende Marktmacht großer Stromerzeuger


RWE, EnBW und Leag waren laut dem Bundeskartellamt häufig unverzichtbar für die Deckung der Stromnachfrage. Eine kurzfristige Veränderung der Lage sei nicht absehbar.

Energieversorgung: Bundeskartellamt sieht steigende Marktmacht großer Stromerzeuger
Die Marktmacht der in Deutschland führenden Stromerzeuger RWE, Leag und EnBW hat deutlich zugenommen. Das berichtet das Bundeskartellamt. Betreiber von Kraftwerken könnten bereits bei niedrigen Marktanteilen die Marktpreise erheblich beeinflussen. Für den Bericht untersuchte das Amt, wie häufig ein Stromerzeuger unverzichtbar für die Deckung der Stromnachfrage ist. Wenn der Anteil der unverzichtbaren Stunden eine Schwelle von fünf Prozent der Jahresstunden überschreite, spreche das für eine marktführende Stellung des Unternehmens. Der Bericht zeigt, dass RWE deutlich über dieser Schwelle liegt, Leag ebenfalls. EnBW liegt dem Bericht zufolge nur wenig unterhalb der Schwelle. Energiekrise nach russischem Überfall auf die Ukraine Eine kurzfristige Entspannung der Marktmachtverhältnisse ist dem Bundeskartellamt zufolge nicht absehbar. Von der Bundesregierung wurden zwar Ausschreibungen für den geförderten Neubau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten angekündigt. Diese würden jedoch frühestens in einigen Jahren zu einer spürbaren Ausweitung des Angebots führen. Laut dem Bundeskartellamt würde sich mehr Wettbewerb auf den Stromerzeugungsmärkten nachhaltig auswirken – für Verbraucherinnen und Verbraucher in Form von niedrigeren Preisen. Grund für die Entwicklung in der Energiebranche in Deutschland ist die Energiekrise nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Energieversorgung in Deutschland unsicherer. Alte Kohlekraftwerke durften daher bis zum Frühjahr 2024 wieder Strom produzieren und verkaufen, um den Gasverbrauch durch Gaskraftwerke zu begrenzen. Mit dem Auslaufen der Befristung und weiteren Abschaltungen im Rahmen des Kohleausstiegs sei "das inländische Angebot spürbar knapper geworden", teilte die Behörde mit. Die Folgen: höhere Preise, eine höhere Abhängigkeit von großen Anbietern im Stromerstabsatz und eine verstärkte Bedeutung von Stromimporten.