Zeit 28.11.2025
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Zwischen Mehl und Milch macht mancher Knilch ’ne riesengroße Kleckerei


Die Elbvertiefung am Freitag – mit Rolf Zuckowski und Peter Tschentscher, Gewalt unter Fußballfans, steigenden Mieten und einer Gastrokritik

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Zwischen Mehl und Milch macht mancher Knilch ’ne riesengroße Kleckerei
Liebe Leserin, lieber Leser, wenn die Topmeldung dieses Newsletters davon handelt, dass jemand Plätzchen backt, ist das immer ein gutes Zeichen – es kann nur bedeuten, dass die Welt in Hamburg bis Redaktionsschluss halbwegs in Ordnung gewesen ist. Heute ist es wieder so weit. Gebacken wurde diesmal in den Märchenschiffen am Jungfernstieg, die Plätzchenbäcker waren etliche Kindergartenkinder sowie Peter Tschentscher und Rolf Zuckowski. Eine Idealbesetzung, wenn Sie mich fragen. Für Tschentscher ist es nicht der erste Backstubentermin in dieser Woche, er musste bereits am Dienstag ran, zum Brotbacken mit dem Bundeskanzler. Ob Tschentscher zustimmen würde, dass an den Tagen, an denen er öffentlich backen muss, die Welt in Hamburg in Ordnung ist, also: auch für ihn, das weiß ich nicht. Rolf Zuckowski jedenfalls hatte gestern seine Gitarre dabei und sang mit den Kindern seinen Klassiker In der Weihnachtsbäckerei, ein Lied, das – Sie wissen das – davon handelt, dass zwischen Mehl und Milch so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei macht. Tschentscher indessen fühlte sich so sicher, dass er nicht mal eine Schürze trug (oder, das mag sein, er zog sie fürs Foto aus). Was mag wohl angenehmer sein: Brotbacken mit dem Kanzler oder Plätzchenbacken mit Rolf Zuckowski? Ich habe eine Ahnung. Aber die behalte ich für mich. Abschließend darf ich Ihnen noch ausrichten, dass für unsere Podcast-Live-Aufzeichnung am Montagabend im Bucerius Kunst Forum einige weitere Tickets in den Verkauf gegeben wurden. Falls Sie also gerne dabei sein möchten: bitte hier entlang . Wir sprechen an diesem Abend mit allen Kolleginnen und Kollegen aus dem Hamburg-Ressort über die wichtigsten Themen und Ereignisse des Jahres. Falls Sie sich fragen – der backende Bürgermeister kommt nicht vor. Bislang jedenfalls. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Gemeinsam mit Liedermacher Rolf Zuckowski und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) haben Kinder auf den Hamburger Märchenschiffen am Jungfernstieg die ersten Kekse gebacken . Dabei gab Zuckowski seinen Klassiker In der Weihnachtsbäckerei zum Besten. Die Hamburger Märchenschiffe laden bis zum 23. Dezember direkt am Jungfernstieg zum Kekse backen, Theater erleben, Kinderschminken und Kaffeetrinken ein. Nach dem FC St. Pauli muss auch der Hamburger SV wegen Pyro-Vergehen seiner Fans im Derby am 29. August eine Strafe zahlen . Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) sprach wegen unsportlichen Verhaltens eine Geldstrafe in Höhe von 118.000 Euro aus, wie der Dachverband am Donnerstag mitteilte. St. Pauli hatte das Duell der Stadtrivalen im Volksparkstadion mit 2:0 gewonnen. Die Wohnungsmieten in Hamburg sind seit 2022 um durchschnittlich 8,8 Prozent gestiegen. Nach einer neuen Studie im Auftrag der Hamburger Wohnungswirtschaft liegt die monatliche Nettokaltmiete im Schnitt bei 9,11 Euro je Quadratmeter. Eine Wohnung mit 80 Quadratmetern kostet folglich im Schnitt annähernd 730 Euro. Für die Studie wurden mehr als 283.000 öffentliche, genossenschaftliche und private Mietverträge ausgewertet. In aller Kürze • Eine S-Bahn ist am Donnerstagabend in Sülldorf mit einem Auto kollidiert , das mehrere Meter mit dem Zug mitgeschleift wurde. Die Autofahrerin blieb unverletzt, die 235 Passagiere der S-Bahn mussten evakuiert werden • In Eilbek ist am Donnerstagmorgen ein Wohnwagen in Flammen aufgegangen • Aufgrund eines Wasserrohrbruchs in Farmsen-Berne sind eine Straße unterspült und eine Grundschule für einen Tag lahmgelegt worden THEMA DES TAGES "Am Wochenende fallen plötzlich alle Schranken" Der Fußball hat seit Jahren ein Gewaltproblem, sagt Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel. Nun sollen schärfere Regeln helfen – aber Schnabel setzt auf etwas anderes. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteur Christoph Heinemann; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Die deutschen Fußballstadien müssen sicherer werden, so haben es Bund und Länder bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Hamburg leitet eine Arbeitsgruppe, die konkrete Schritte erarbeiten soll, vom 3. bis 5. Dezember wollen die Innenminister darüber beraten. Im Interview spricht der Hamburger Polizeipräsident Falk Schnabel, 56, über Verletzte, Proteste der Ultras, die Belastung für Beamte bei Risikospielen und konkrete Schritte. DIE ZEIT: Herr Schnabel, bei beiden großen Hamburger Klubs kam es zuletzt zu Gewalt: Ultras des FC St. Pauli lieferten sich eine heftige Schlägerei mit Wolfsburg-Fans am Hauptbahnhof in Hannover. Und als im Februar vermummte HSV-Anhänger vor dem Lokal Rutsche auf ältere Fans des 1. FC Köln einprügelten, gab es bundesweites Entsetzen. Sehen Sie da ein tieferes Problem? Falk Schnabel: Ja, der Fußball hat seit vielen Jahren ein Gewaltproblem. Die Innenministerkonferenz hat sich nicht anlasslos dazu entschlossen, Gegenmaßnahmen zu suchen. Es kann nicht weitergehen wie bisher. Das ist die klare Erwartung an alle Beteiligten in dem Prozess: Wir müssen etwas ändern. ZEIT: Die Rede ist von schärferen Regeln in den Stadien, mehr Stadionverboten, personalisierten Tickets, auch dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die Ultras aller Bundesligisten warnen vor einer "Totalüberwachung", sie verweisen auch auf einen Rückgang der Straftaten in den Stadien nach der offiziellen Polizeistatistik der Zentralen Informationsstelle Polizeieinsätze, kurz ZIS. Schnabel: Dieses Argument führt, finde ich, in die Irre. Wir lesen in dem ZIS-Bericht: In den Spielen der oberen drei Ligen gab es in der abgelaufenen Saison rund 1.100 Verletzte, darunter 160 Polizistinnen und Polizisten, und vor allem: 624 Unbeteiligte. Weniger als in der Vorsaison, aber immer noch zu viele. Es stimmt also nicht, dass Gewalt eine Randerscheinung ist und sich nur zwischen den Fanszenen abspielt. ZEIT: Sind die Stadien also nicht sicher? Schnabel: Die Polizei schützt mit einem zum Teil massiven Personaleinsatz an jedem Spieltag die ganz große Mehrheit der friedfertigen Fans vor den wenigen Gewalttätern. Das gelingt auch weitgehend. Nur schauen Sie zum Vergleich einmal auf den Hamburger Hauptbahnhof: Dort gibt es eine große Sicherheitsdebatte um die rund 700 Gewaltdelikte im Jahr. Ihn nutzen über 200 Millionen Menschen jährlich, während die deutschen Fußballstadien rund 25 Millionen Besucher pro Saison verzeichnen. Welche Ansatzpunkte Falk Schnabel für eine Prävention sieht , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Der Mann, der an diesem Tag in den Gerichtssaal geschoben wird, ist 73 Jahre alt, dement im fortgeschrittenen Stadium – und angeklagt wegen Mordes in drei Fällen und besonders schwerer Brandstiftung." Ein dementer Patient soll im Marienkrankenhaus im Juni ein Feuer ausgelöst haben, bei dem drei Menschen starben – über den ersten Tag der Gerichtsverhandlung berichtet Reporterin Elke Spanner hier . MAHLZEIT – Die Gastrokritik Lumb bekommt man nicht oft serviert; könnte am Namen liegen. Dabei handelt es sich um einen sehr schmackhaften Fisch, dessen Fleisch an Seeteufel erinnert. Das neu eröffnete Restaurant 105 in Ottensen hat ihn auf der Karte. Am gleichen Ort war bis vor Kurzem das Nardo’s. Der junge Küchenchef Rupert Preis hat es übernommen und den Anspruch beträchtlich gehoben. Der gut gebratene Lumb also ist nicht etwa mit Speckstippe begossen. Was so aussieht, ist Quittenchutney, der sich als Herbstgruß schön ergänzt mit den gerösteten Rosenkohlblättchen. Zu loben ist auch das Püree von Sellerie und Karotten, das kein bisschen nach Babybrei schmeckt. Ein ausgesprochenes Fischlokal ist das 105 nicht. Man bekommt hier auch Nudeln mit Hirschragout oder vegane Kohlroulade. Doch als Sohn des Fisch-Beisl-Betreibers ist Preis wohl gut vernetzt. Er kann nicht nur profund erklären, was Kammmuscheln sind, sondern bereitet sie auch prima zu – mit fermentiertem Gemüse auf hausgebackenem (nur leider steinhartem) Röstbrot. Anscheinend steht der Koch an diesem Tag allein in der offenen Küche. Das verdient allen Respekt bei der langen Karte. Und es geht schief beim Kaiserschmarrn mit Mandelkaramell und Tonkabohneneis, der gar keiner ist. Man muss ihn sich eher als schmackhafte, wenn auch klebrige Mischung aus einem Pancake und einem Florentiner vorstellen. Sonderbar auch, dass die Bedienung zwar netterweise eine kleine Portion bringt, aber die normale berechnet. Sicher spielt sich das noch ein, wenn der Weihnachtsrummel vorbei ist. Und dann hat Ottensen ein sehr gutes und charmantes Bistro mehr. Michael Allmaier Restaurant 105 Große Brunnenstraße 105, Ottensen, Tel. 0176-49 35 00 04 DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN Ein Vortrag im Programm der jüdischen Kulturtage beschäftigt sich mit der Einführung des Profifußballs in der Weimarer Republik – und den antisemitischen Vorurteilen, die dabei zutage traten. Christopher Radke berichtet im St. Pauli Museum am Millerntor von der Diskussion um jüdische Vereinsfunktionäre und Spieler, denen unterstellt wurde, den "Kommerz" im Fußball voranzutreiben. "Antisemitische Vorurteile im Fußball in der Weimarer Republik"; Donnerstag, 4. Dezember, 19 Uhr; FC St. Pauli Museum am Millerntor, Heiligengeistfeld 1 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK In der S-Bahn vor dem Hauptbahnhof tönt aus den Lautsprechern: "Nach einem Polizei- und Rettungseinsatz am Hauptbahnhof ist derzeit alles gesperrt." Nach 20 Minuten Warten und mehreren Wiederholungen ändert sich überraschend die Durchsage: "Nach einem Polizei- und … Moment ich sehe gerade, die Signale stehen günstig!" Gehört von Elmar Thews Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .