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19.12.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – mit einem Blick auf die Lidl-Reederei, einer Kolumne über die Kunst (oder Qual) des Entrümpelns und einem Gastro-Tipp für die HafenCity

Liebe Leserin, lieber Leser, in den Tagen vor Weihnachten funktionieren Bürogebäude (und das Pressehaus am Speersort ist da keine Ausnahme) wie ein umgekehrter Adventskalender: Von Tag zu Tag bleibt es hinter immer mehr Fenstern dunkel. Kollegen, die noch Dringendes zu besprechen haben, stellen einander bange die existenzielle Frage: Bist Du morgen noch da? Währenddessen lassen andere schon den Abwesenheitsassistenten warmlaufen – der neueste Trend: die Notiz, man sei ab 22.12. nicht mehr erreichbar, einfach schon am 18.12. aktivieren, und voilà, das Spiel ist aus, rien ne va plus . Selbst dringendste Jahresend-Projekte allerhöchster Führungskräfte werden auf diese Art sanft heruntergebremst. Die Wahrscheinlichkeit, das eine oder andere Problem doch noch gelöst zu kriegen, sinkt von Tag zu Tag exponentiell, sodass auch der unermüdlichste Mitarbeiter irgendwann an den Punkt kommt, sich zu sagen: Wisst Ihr was, Freunde? Dann halt nicht. Und dies mit Recht, denn das Jahr war lang genug, in kaum zwei Wochen beginnt schon das neue, und dann erwarten alle ebenfalls mit Recht, dass man frisch, ausgeruht und motiviert in ebendieses startet. Es gilt also, sich binnen weniger Tage in sein eigenes Gegenteil zu verwandeln, und wie macht man das? Natürlich wie in dem alten Witz vom Hefeteig: Man muss sich zugedeckt an einem warmen Ort ein paar Tage gehen lassen. Auch die Elbvertiefung macht ein paar Tage Pause. Morgen früh melden wir uns noch einmal und senden Ihnen eine letzte Podcast-Folge für dieses Jahr zu. Ich darf Ihnen aber schon heute im Namen aller Kolleginnen und Kollegen aus dem Team schöne Weihnachten, frohe Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen – es ist uns eine große Freude, Sie Tag für Tag mit Neuigkeiten aus Hamburg zu versorgen, und wir werden das auch im kommenden Jahr tun. Die erste Ausgabe 2026 erscheint am Montag, 5. Januar – bis dahin, machen Sie’s gut! Ihr Florian Zinnecker WAS HEUTE WICHTIG IST Hamburgerinnen und Hamburger ab 67 Jahren können ab Mai ein vergünstigtes Deutschlandticket nutzen. Das Ticket kostet dann 49 Euro im Monat statt künftig regulär 63 Euro und gilt für den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland. Kaufen können es nur Menschen mit Wohnsitz in Hamburg, teilten Finanz- und Verkehrsbehörde sowie der HVV mit. Die Stadt subventioniert das Deutschlandticket insgesamt mit rund 200 Millionen Euro pro Jahr, auf das Seniorenticket entfallen bis Ende des Jahres sechs Millionen Euro. In Hamburg ist der Grippeimpfstoff je nach Stadtteil unterschiedlich verfügbar. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg rät deshalb dazu, bei mehreren Arztpraxen und Apotheken nachzufragen, da einzelne Impfstoffe – vor allem für Menschen unter 60 Jahren – knapp sind. Hintergrund der Engpässe ist unter anderem, dass die Impfquoten seit der Saison 2020/21 leicht rückläufig waren und bundesweit entsprechend weniger Impfstoff bestellt wurde. SPD und Grüne setzen sich für neue öffentliche Badestellen an Hamburgs Gewässern ein. In einem gemeinsamen Antrag, der in der nächsten Bürgerschaftssitzung im neuen Jahr behandelt werden soll, fordern sie den Senat auf, mögliche Standorte wie Alster, Elbe, Bille oder Kanäle prüfen zu lassen. Ziel sind sichere, umweltverträgliche und gut erreichbare Badestellen nach Vorbildern wie Kopenhagen oder Stockholm. In aller Kürze • Wegen nahezu ausgelasteter Gefängnisse will Hamburg ab dem 1. Januar bis zu 20 männliche Gefangene aus der JVA Billwerder für maximal sechs Monate in die JVA Waldeck bei Rostock verlegen, nachdem die Haftplätze in der Stadt zu 96 Prozent, die Untersuchungshaftanstalt sogar zu 109 Prozent belegt waren • Hamburg investiert bis 2030 rund 120 Millionen Euro in die Digitalisierung der Schulen und des Unterrichts, mehr als 56 Millionen Euro kommen aus dem neuen Digitalpakt 2.0 des Bundes, weitere über 63 Millionen Euro steuert die Stadt selbst bei – das teilte die Schulbehörde gestern mit THEMA DES TAGES Für Lidl lohnt sich's Weil Saisonware aus Asien oft zu spät kam, gründete Lidl eine Reederei und lässt sogar Schiffe bauen. So etwas wagt kein anderer Handelskonzern – und das hat gute Gründe, schreibt ZEIT-Autorin Kristina Läsker. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel. Es ist zu blöd, wenn Christbaumkugeln erst im Februar in die Läden kommen. Wichtel mit Zipfelmütze will nach Silvester auch keiner mehr haben. Und es verärgert Kunden, wenn sie vom Ski-Anzug nur die Hose kaufen können, obwohl eine Kombi mit Jacke beworben wird. So etwa muss man sich das Problem vorstellen, das die Discounter-Kette Lidl lange hatte: Während der Pandemie musste der Einzelhändler oft wochenlang auf seine Waren aus China warten. Containerschiffe kamen wegen der Staus in den Häfen oft viel zu spät. Bei Ankunft in Rotterdam oder Hamburg waren Feste wie Halloween, Weihnachten oder Ostern vorbei – die Saisonartikel an Bord der verspäteten Frachter wollte niemand mehr kaufen. Lidl blieb auf Bergen von Nonfood sitzen und musste sich entscheiden: einlagern oder vernichten. Beides kommt teuer. Dann tat der Händler etwas, was vor ihm noch kein anderer Rivale weltweit gewagt hatte: Er nahm die Seetransporte selbst in die Hand. Anfangs charterte Lidl 20 Schiffe für zeitkritische Waren, die unbedingt pünktlich am Ziel sein sollten. Als dieses Experiment gelang, gründete Lidl eine eigene Reederei. Die Supermarktkette – so könnte man auch sagen – hatte das Gebaren von großen Reedereien wie Maersk, MSC oder Hapag-Lloyd satt: Sie wollte die Versorgung mit Nonfood-Waren aus Asien sicherstellen, und sie wollte unabhängiger werden von schwankenden Preisen für Transporte. Im Juli 2022 startete die Lidl-Tochterfirma Tailwind Shipping Lines. Sie betreibt heute elf Frachter und besitzt etwa 40.000 Container. Die Gründung sei ein "Befreiungsschlag" gewesen, sagt Geschäftsführer Christian Stangl. Der 50-jährige Münchner arbeitet seit gut zwei Jahrzehnten bei Lidl, er verantwortet die Transportlogistik. Stangl hat sich das Projekt mit einem Kollegen nach Feierabend ausgedacht. Als Start-up-Reeder sorgte der Betriebswirt für viel Erstaunen im Handel und in der Schifffahrt. "Das kam aus heiterem Himmel", sagt der Betriebswirt Carsten Kortum aus Heilbronn, der selbst lange bei Lidl angestellt war. Wie sich nun die Reederei in das Gesamtkonstrukt rund um die Discounter-Kette einfügt , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Dass ich mich überhaupt traue, dies hier aufzuschreiben, hat vor allem einen Grund. Mein Problem ist mir nicht sonderlich peinlich, weil ich damit nicht allein bin." ZEIT:Hamburg-Redakteur Frank Drieschner hat im Urlaub seinen Keller aufgeräumt. Aber noch mehr als der Inhalt seines Kellers belastet ihn der Akt des Entrümpelns . MAHLZEIT – Die Gastrokritik Kein Tippfehler: Das Restaurant The Kitchens im Hotel PierDrei hat zwar nur eine Küche. Der Anspruch ist jedoch, dort alle paar Monate eine andere Länderküche zu präsentieren – nicht durcheinander, sondern nacheinander. Aktuell steht die Schweiz im Fokus, eine gute Wahl für die Wintermonate. Das Menü beginnt mit einem Geschenk des Hauses: einer Mini-Vesperplatte mit hausgebackenem Kuhfladenbrot, das seinen Namen allein der Form verdankt. Beim Fischgang schummelt die Küche ein wenig – der Seesaibling stammt nicht aus einem Bergsee, sondern aus dem Atlantik, der begleitende Wein aus Österreich. In Erinnerung bleiben dennoch die feine Dill-Dashi, in der die kaltgeräucherten Streifen liegen, das erfrischende Weißwein-Sorbet darauf sowie der Röstitaler mit Dillcreme und Saiblingskaviar. Alles ist sehr gekonnt und à la minute angerichtet. Die Walliser Chouera danach bestätigt den Eindruck: eine vielschichtige Variation der einfachen Zutaten Kartoffel, Apfel und Lauch, angereichert mit schwarzen Trüffeln und gebackenem Gruyère. Dass die nächsten Gänge braver ausfallen (etwas süßlicher Hirsch mit Birne im Hauptgang), mindert nicht die Leistung dieser Küche, die das alpine Einerlei, das sonst in Hamburg gekocht wird, locker überragt. Wer für die nächste Woche noch einen Tisch sucht, ist hier nicht schlecht aufgehoben. Zwar agiert der Service ein bisschen mechanisch; und der Trödelladen-Chic des großen Raums gewinnt keinen Besinnlichkeitspreis. Aber er erinnert zumindest an Wohnzimmer zwischen den Jahren. Und es gibt Käse-Fondue! Michael Allmaier Kitchens , Am Sandtorkai 46, HafenCity. Tel. 5582293 718 DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Ein paar Tage bleiben Ihnen noch, um den Adventskalender "23 Künstlerische Kostbarkeiten" der Hamburgischen Staatsoper zu erleben: Bis zum 23.12. gibt es täglich um 16.30 Uhr (Sonntag um 12 Uhr) im Garderobenfoyer der Oper ein 30-minütiges Überraschungsprogramm aus den Bereichen Oper, Ballett und Orchester. Der Eintritt ist frei, eine Spende für die Muskelschwundhilfe erwünscht. "23 Künstlerische Kostbarkeiten" , bis 23.12., tägl. 16.30 Uhr, Sonntag 12 Uhr; Hamburgische Staatsoper, Dammtorstraße 28 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Wir fragen unsere kleine Enkelin, welche Rolle sie im Krippenspiel hat. Letztes Jahr war sie ein Engel. Stolz antwortet sie: "Ich bin die heilige drei Könige." Gehört von Gabriele Papirow Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .