Zeit 26.02.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Wieso führen zwei Niederländer Hamburgs wichtigste maritime Konzerne?


Die Elbvertiefung am Donnerstag – Mit zwei Schulleitern, die für handyfreie Schulen kämpfen, Uschi Obermaier und Kritik an der Städtepartnerschaft mit St. Petersburg

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Wieso führen zwei Niederländer Hamburgs wichtigste maritime Konzerne?
Liebe Leserin, lieber Leser, hören Sie auch so gerne hin, wenn Holländer Deutsch sprechen? Das Singende darin macht mir gute Laune. Am Dienstagabend wieder. Der Hafen-Klub hatte Jeroen Eijsink in die Räume an den Landungsbrücken eingeladen. Der Niederländer hielt eine Rede vor fast 150 Unternehmern aus der maritimen Wirtschaft. Eijsink ist der gefragteste Neuzugang im Hafen: Seit Oktober führt der 53-jährige Kaufmann die Hamburger Hafen und Logistik AG. Sie betreibt drei von vier Containerterminals in der Stadt, ihr Chef hat viel Macht. Er habe die ersten Monate häufig auf den Terminals verbracht, berichtete Eijsink. Einmal hockte er sich in die winzige Kabine oben in einem Hafenkran und schaute dem Kranführer beim Laden und Löschen zu. Er mache das, um "zu spüren und zu hören, was da so lebt", erzählte er. Und er schlug vor: Die Hamburger sollten ihren Hafen doch weniger mit den Häfen in Rotterdam oder Antwerpen vergleichen und lieber "immer einen Ticken besser" arbeiten. "Wir sind Boxenschieber, und wir sind verdammt gut darin." Was mir durch den Kopf geht: In Hamburg leben 3.000 Menschen mit niederländischem Pass, und Eijsink ist nicht der einzige mit Spitzenjob. Rolf Habben Jansen, geboren in Spijkenisse in Südholland, leitet die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd. Wieso führen zwei Niederländer die wichtigsten maritimen Konzerne? "Das ist kein Zufall", sagte mir Jos Steeman. Er sollte es wissen: Steeman ist Niederländer, hat lange in der Hansestadt gearbeitet, und der Bürgermeister hat ihn zum "Hamburg Ambassador" ernannt, zum Brückenbauer also. In seiner Heimat gebe es viel Expertise zu Schifffahrt und Logistik, die Manager seien im Ausland gefragt, so Steeman. Er glaubt: "Wir sind oft risikobereiter und gehen Innovationen schneller an." Jeroen Eijsink hat im Hafen-Klub auch verraten, was sein persönliches Rezept für den Hafen ist. Er will "das Poldern" einführen. Das sei ein Kunstwort, es meint: Politik, Wirtschaft und Behörden müssen sich öfter an einen Tisch setzen und Lösungen finden. Ik wens u een fijne dag! Ihre Kristina Läsker PS: Heute erscheint die neue Ausgabe der ZEIT, Sie finden sie ab sofort am Kiosk. Darin enthalten sind – wie immer am Ende des Monats – eigene Hamburg-Seiten. Dieses Mal geht es um die naturwissenschaftlichen Schätze der Stadt, um den Versuch, in Hamburg Bürokratie abzubauen – und um den Schriftsteller Siegfried Lenz, der im März hundert Jahre alt geworden wäre. Schauen Sie doch mal rein. Was heute wichtig ist In der Bürgerschaftsdebatte am Mittwoch hat die CDU das Ende der Städtepartnerschaft mit St. Petersburg gefordert. Solange Russland die Ukraine angreife und einen hybriden Krieg gegen Deutschland führe, könne es keine Partnerschaft mit russischen Städten geben, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering. Die Reederei MSC hat 2025 mehr als 375.000 Container im Hafen umgeschlagen. Man habe "mehr Menge auf bestehenden Schiffen" transportiert, sagte Deutschland-Chef Nils Kahn der ZEIT beim Spatenstich für die neue Zentrale in der Hafencity. Die Genfer Reederei ist seit Ende 2024 am Hafenkonzern HHLA beteiligt und hat zugesagt, dieses Jahr den Umschlag auf mehr als 500.000 Container zu erhöhen. Frauen in Hamburg haben im vergangenen Jahr 17 Prozent weniger als Männer verdient. Das teilte das Statistikamt Nord mit. Frauen kamen im Schnitt auf 25,29 Euro brutto pro Stunde, Männer auf 30,40 Euro. Bundesweit liegt der Verdienstunterschied bei 16 Prozent. Der Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Otto Dörner, Enno Simonis, ist tot. Das schrieb der Hamburger Mittelständler auf LinkedIn. Der 58-Jährige wurde beim Heli-Skiing von einer Lawine erfasst. Der Unfall geschah vor einer Woche in den Selkirk Mountains in Kanada. Es gibt eine neue Skulptur in der Kunsthalle: Zonder Titel (1993) von der belgischen Künstlerin Berlinde De Bruyckere war im vergangenen Jahr im Ernst Barlach Haus im Jenischpark zu sehen . Nun hat die Hermann Reemtsma Stiftung sie gekauft und der Kunsthalle überlassen. Aus Hamburg "Ihr Herz, ihr Körper, ihr alles" Wie zwei Hamburger Schulleiter monatelang dafür kämpfen, ihre Schule komplett handyfrei zu machen. Schaffen sie es, dass Eltern und Jugendliche dafürstimmen? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteurin Jeanette Otto. Björn Lengwenus will seinen Schülern das Handy wegnehmen – und als wäre das nicht schon schwer genug, sollen die Jugendlichen das auch noch gut finden. So haben sich Lengwenus, seit elf Jahren Schulleiter an der Hamburger Stadtteilschule Alter Teichweg, und sein Stellvertreter Jan Pohl das überlegt. Seit Monaten kämpfen sie für ein Handyverbot, das nach den Sommerferien für alle Klassenstufen gelten soll, auch für das Lehrerkollegium und für Besucher. An diesem Winterabend ist es so weit: Der Moment der Abstimmung in der Schulkonferenz ist gekommen. "Wenn wir das heute verlieren, treten wir dann eigentlich zurück?", fragt Lengwenus seinen Stellvertreter, als die beiden kurz vor 18 Uhr ihr Büro verlassen, um eine Etage tiefer einen nur spärlich beleuchteten, eiskalten Wintergarten zu betreten. Vertreter von Schülern, Eltern und Lehrern sitzen dort bereit, diesen 12. Februar 2026 hatten sie sich seit Langem vorgemerkt. Eineinhalb Jahre ist es her, dass den Schulleitern klar wurde: So geht es nicht weiter. Mit voller Wucht waren die Handys in den Alltag der Schule eingeschlagen. Überall summt, vibriert und klingelt es. Im Unterricht, in den Pausen, auf dem Klo. An die Regeln ("Kein Handy unter einem Dach, nur draußen in den Pausen ist es erlaubt!") hält sich kaum noch einer. Ständig gibt es Streit und Tränen – und fast immer gewinnen im Kampf um Aufmerksamkeit die Geräte. Für eine Schule ist das ein Problem. "Das ist die schwierigste Entscheidung, die dieses Gremium je treffen musste", sagt Björn Lengwenus, als Lehrer, Schüler und Eltern in der Schulkonferenz schon sehr erschöpft sind vom Diskutieren. Auf das Glasdach fallen schwere Schneeflocken. Endlich verteilt Lengwenus die 17 Stimmzettel. Wie es zu der Abstimmung kam und zu welchem Ergebnis sie kommt , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? "Da, wo ich bin, da ist der Mittelpunkt" Uschi Obermaier, viel bewunderte Rebellin der 68er-Bewegung, spricht über ihr erfülltes, wildes Leben und darüber, wie sie in Portugal ein neues Zuhause fand. Sie sprach mit Giovanni di Lorenzo im Interview für die Geburtstagsausgabe der ZEIT – und verriet dabei auch, was sie vom Humor der Hamburger hält. → Zum Artikel (Z+) Das könnte Sie interessieren Die libanesische Künstlerin Huguette Caland (1931 bis 2019) ist in den Deichtorhallen mit der Ausstellung "A Life in a Few Lines" zu sehen. Die Retrospektive umfasst etwa 300 Werke – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Textilarbeiten –, die zwischen Abstraktion, Sinnlichkeit, politischem Engagement und sozialer Beobachtung changieren. " A Life in a Few Lines" , bis 26.4., Deichtorhallen, Deichtorplatz; Di – So , 11 – 18 Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 21 Uhr Meine Stadt Hamburger Schnack Ich warte an der Kasse eines Supermarkts in Fuhlsbüttel. Vor mir legt ein junger Mann viele Tüten mit Chips und Co. auf das Band. Ich: "Das wird aber eine große Fete." Er: "Ja." Ich: "Fete ist ein total veraltetes Wort, oder?" Er: "Ja. Man könnte auch Party sagen." Aber wir sind uns einig: Hauptsache, es wird ein schönes Fest mit Freunden. Erlebt von Nora Augustin Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .