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29.01.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – mit einem Hochschulstreik, zu wenig Personal in Hamburger Kitas und einem neuen Anbieter autonomer Taxis

Liebe Leserin, lieber Leser, Ende vergangenen Jahres erzählte mein Basketball-Kumpel Lionel, er komme für ein paar Wochen nicht zum Training. Er fliege nach Kamerun und baue einen Brunnen. Wir hatten zwei Stunden gespielt, saßen auf der Bank und schwitzten, da ist die Aufnahmefähigkeit begrenzt. Zu Hause dachte ich mir: Klingt interessant, eigentlich will ich genauer wissen, was er da macht. Gestern trafen wir uns in einem Café, und Lionel erzählte mir von seinem Projekt Once Upon A Well . Er selbst kommt aus Kamerun. Bei ihm zu Hause, in der Stadt Bamenda im Nordwesten des Landes, sagt Lionel, der heute 35 ist, habe es immer sauberes Trinkwasser gegeben – sein Vater arbeitete für eine Wasserfirma. Aber bei vielen Menschen in der Region sei das anders gewesen. In seiner Schule habe es nur einen Wasserhahn für etwa 100 Schüler gegeben, sagt Lionel, und "wenn er kaputt war, konnte man den ganzen Tag nichts trinken". Mit 19 kam Lionel nach Deutschland und studierte Elektro- und Informationstechnik. Er freundete sich mit Leopold an, der auch manchmal zum Basketball kommt und auch aus Kamerun stammt. Le0pold war es, der auf die Idee kam, einen Brunnen zu bauen, als seine Mutter starb. Und zwar in ihrem Heimatdorf – in den ländlichen Regionen Kameruns hat über die Hälfte der Menschen keinen Zugang zu grundlegender Wasserversorgung. Lionel und Leopold sammelten im Freundeskreis Geld. Den ersten Brunnen baute Leopold selbst mit auf, Lionel verfolgte alles per WhatsApp aus Deutschland. Vergangenes Jahr gründeten sie den Verein Once Upon A Well e. V. Als nächsten Ort wählten sie Balembo, eine Tante Lionels wohnt in der Gegend. Sie fanden eine Schule mit Kindergarten und Krankenhaus in der Nähe, für viele Menschen aus dem Umland gut erreichbar. Sie gaben aus der Ferne eine geophysikalische Studie in Auftrag und kontaktierten Handwerker. Dann schwänzten die beiden das Basketballtraining und flogen im Dezember und Januar nach Kamerun. Im Café zeigte mir Lionel Bilder und Videos von großen Maschinen, matschverschmierten Männern und einer sprudelnden Fontäne. Lionel schätzt, mindestens 1.000 Menschen könnten jetzt auf das Wasser zugreifen. Dass er und Leopold so eng mit Kamerun verbunden sind, glaubt er, sei ein großer Vorteil: "Wenn die Kinder sehen, dass wir sind wie sie, animiert sie das, vielleicht später selbst einmal so ein Projekt zu machen", sagt er. Der nächste Brunnenbau steht schon an, gerade sammeln die beiden Spenden. Im trockeneren Norden Kameruns, wo Lionel auch jemanden kennt, wollen sie dieses Mal, im kommenden Dezember, drei Brunnen bauen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel PS: Im gestrigen Newsletter hieß es, die Hamburger Reepschläger seien in den Zwanzigerjahren des 17. Jahrhunderts vom Gebiet der heutigen Neustadt aus umgezogen und hätten ihre Arbeit fortan "östlich, zwischen Hamburg und Altona, auf dem Hamburger Berg" getan. Es muss natürlich "westlich" heißen. Entschuldigen Sie den Fehler – und danke für den Hinweis! WAS HEUTE WICHTIG IST Hunderte Beschäftigte der Hamburger Hochschulen sind in der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst in einen Warnstreik getreten. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen an einem Demonstrationszug. Ver.di fordert unter anderem Gehaltserhöhungen von sieben Prozent, monatlich mindestens 300 Euro. Zudem will Ver.di in der nächsten Verhandlungsrunde mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erreichen, dass der Tarifvertrag auch für studentische Hilfskräfte gilt. Nicht einmal jede zehnte Hamburger Kita verfügt laut einer Studie über genug Personal für eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung. Konkret wiesen am 1. März 2024 lediglich 9,5 Prozent der Kindertagesstätten in der Hansestadt die wissenschaftlich empfohlene Personalbesetzung auf, um eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung für alle Kinder zu gewährleisten, wie es in der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung heißt. Im Ländervergleich noch schlechtere Werte weisen der Untersuchung zufolge nur die Kitas in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen auf. Die Lyft-Tochter Freenow und die Stadt Hamburg arbeiten an der Einführung autonomer Taxis. Geplant ist, dass Freenow die Taxis im Westen Altonas, im Norden der Stadt und in Bergedorf testet. Wann die Testphase beginnen soll, ist noch unklar. Autonome Taxis könnten eine wichtige Rolle bei der Anbindung des öffentlichen Verkehrs spielen – insbesondere in Nebenverkehrszeiten und in bislang unterversorgten Gebieten, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). In Hamburg gibt es schon mehrere Projekte zum autonomen Fahren (Z+) , die sich in unterschiedlichen Stadien befinden. In aller Kürze • Zwischen Hamburg und Paris soll es ab Mitte Juli dreimal die Woche eine direkte Nachtzug-Verbindung geben. Montags, mittwochs und freitags geht es laut Fahrplan etwa um 21.55 Uhr ab Hamburg-Harburg über Brüssel nach Paris-Nord, wo der Zug am nächsten Morgen um 10 Uhr ankommt • Im Hamburger Hafen hat der Zoll 400 Kilogramm Heroin in einem aus Singapur gekommenen Container entdeckt. Es handelt sich dabei um eine der größten Einzelsicherstellungen an Heroin in Deutschland in den vergangenen Jahren • Heute erhalten rund 270.000 Schülerinnen und Schüler der Stadt ihre Zeugnisse . Für alle Eltern, Schülerinnen und Schüler, denen das Zeugnis Probleme und Sorgen bereitet, hat die Bildungsbehörde einen telefonischen Zeugnisdienst eingerichtet AUS DER HAMBURG-AUSGABE Mehr Kosten, mehr Stress Kann die Universität Hamburg ihren guten Ruf verteidigen – und zugleich sparen? ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa ist der Frage nachgegangen; lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel. Dieses Jahr fällt der Sektempfang aus. Wenn im Februar an der Fakultät für Psychologie die Abschlusszeugnisse überreicht werden, habe es bisher immer Getränke zum Anstoßen gegeben, erzählt Hannah Menschel, die zusammen mit anderen Studierenden die Feier plant. "Dieses Jahr schauen wir, ob das Geld für die Blumen reicht", sagt sie. Die Fakultät habe ihre finanzielle Unterstützung gestrichen. "Sie spart, wo sie kann." Das gilt auch für alle anderen Fakultäten. Denn Unipräsident Hauke Heekeren und Kanzler Martin Hecht erteilten die Order: An der Universität Hamburg muss gespart werden, überall und sofort. Moment mal – kann das sein? Erst im vergangenen Mai gab es Jubel im Audimax, weil die Uni ihre vier Exzellenzcluster verteidigen konnte, jene Forschungsvorhaben, für die in den kommenden Jahren eine dreistellige Millionensumme nach Hamburg fließen wird. In wenigen Wochen soll bekannt gegeben werden, ob sie sich weiterhin Exzellenzuniversität nennen darf, was zusätzliche Millionen bedeuten würde. Doch bevor im Audimax gefeiert wurde, erging im März vergangenen Jahres die Aufforderung des Unipräsidiums an alle Fakultäten, 4,5 Prozent ihrer Kosten einzusparen. "Das entspricht bei seinem Budget etwa 4,5 Millionen Euro", sagt Norbert Ritter, der als Dekan für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften die größte Fakultät leitet, an der drei der vier Exzellenzcluster angesiedelt sind. Diesen Betrag habe er ohne jeden Planungsvorlauf in dem bereits laufenden Jahr einsparen sollen. Für 2026 gilt das Spargebot weiterhin. Öffentlich bekannt wurde das kurz vor Weihnachten, als ein Brief in die Presse gelangte, in dem Hecht und Heekeren die Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) vor "irreversiblen Strukturschäden" an der Uni und der Schwächung des Wissenschaftsstandorts warnten. Seitdem herrscht Aufregung. Der Hamburger Senat lasse "die Hochschulen finanziell ausbluten", klagte Dennis Thering, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft. Die Lage sei "düster", teilte der Allgemeine Studierendenausschuss mit, denn "die gesamte Hamburger Wissenschaft" habe mit "Unterfinanzierung zu kämpfen". Daraus folge: "Wir raten von einem Studium an der Uni Hamburg ab." Mit welchen Argumenten Wissenschaftssenatorin Blumenthal diesem Vorwurf widerspricht , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de und in der aktuellen ZEIT:Hamburg-Ausgabe, die heute der Wochenzeitung beiliegt. DER SATZ "Manche Menschen kämpfen über Jahre mit aller Kraft gegen die Stimmen an, weil sie niemandem schaden wollen. Bis sie nicht mehr können." Wenn ein psychisch kranker Mensch andere angreift, heißt es oft: Warum wurde der nicht früher eingesperrt? ZEIT-Autor Ruben Rehage hat in seiner eigenen Familie erlebt, wieso das nicht so einfach ist – und öffnet auch Perspektiven, um genauer auf solche Vorfälle in Hamburg zu blicken . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Am Samstag, 7. Februar, vergibt die Botschaft der Wildtiere zum zweiten Mal die European Wildlife Film Awards. Hier finden Sie die Nominierungen . Die Gewinnerfilme sind am Sonntag den ganzen Tag auf der großen Leinwand zu sehen. Die Filmschaffenden werden anwesend sein und anschließend dem Publikum Fragen beantworten. Ein Besuch der Ausstellung ist inklusive. Wir verlosen fünfmal zwei Karten für den Preisträger-Sonntag der European Wildlife Film Awards 2026 am 8. Februar von 10 bis 19 Uhr in der Botschaft der Wildtiere (Lucy-Borchardt-Straße 2, HafenCity). Schicken Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Preisträger-Sonntag" an hamburg@zeit.de . Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Durchsage Freitagabend in der S-Bahn-Station Hauptbahnhof: "Nächste Abfahrt von Gleis 1 die S1 nach Blankenese." –Pause – "Könnte aber auch die S3 nach Pinneberg sein." – Pause – "Es ist jetzt die S3 nach Pinneberg geworden." Gehört von Margit Tabel-Gerster Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .