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06.03.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – mit dem preisgekrönten Filmemacher lker Çatak, einem berühmten Storchen-Paar und vielen kaputten Kaimauern

Liebe Leserin, lieber Leser, lieber Michael, sag einmal, heute Abend ist ja das Matthiae-Mahl , du weißt schon, dieses traditionelle Festessen im Rathaus – lange Tafeln, weiße Tischdecken, Silberbesteck. Es werden 400 Gäste da sein, Angela Merkel und der EU-Ratspräsident António Costa halten Reden. Ich bin auch eingeladen, und du bist doch unser Experte für alles Gastronomische … Hast du vielleicht ein paar Ratschläge für mich? Wie verhalte ich mich am besten? Liebe Maria, lass dich nicht einschüchtern! Je größer die Runde, umso weniger entscheidend sind die eigenen Tischmanieren. Faustregel: Dein Brotteller ist links von dir und dein Wasserglas rechts. An solchen Tafeln kommen Gäste da oft durcheinander. Wobei es auch was für sich hat, wenn du danebengreifst. Zumindest kommst du so mit deinen Nachbarn ins Gespräch. Ich weiß bisher nicht, was es zu essen gibt – das Menü ist bis zum Abend geheim. Aber was meinst du wohl, könnte serviert werden? Ich tippe auf mittelkreative Gerichte aus norddeutschen Produkten: Holstein-Rind, Krabben und so was. Aber keine Sylter Austern oder Hummer von Helgoland. Da vergeht Politikern der Appetit, weil sie schon die Schlagzeilen sehen. Labskaus könnte passieren. Den mag Angela Merkel. Also nicht darüber lästern, falls ihr ins Gespräch kommt! Trinke ich in so einem Rahmen eigentlich Alkohol – oder bleibe ich lieber beim Wasser? Sekt oder Selters sollte heute nicht mehr die einzige Wahl sein. Frag doch nach einer "alkoholfreien Speisebegleitung". Damit profilierst du dich als trendige, bewusste Genießerin. Außerdem sind diese Mixturen vielleicht spannender als der Wein. An dem sparen sie gern auf großen Empfängen. (Was ja auch richtig ist.) Soll ich dir eigentlich etwas mitbringen, von der Nachspeise vielleicht? Ich kannte mal eine Frau, deren ganzer Stolz war ein angebissenes Brötchen des Musikers Adam Green, sie frühstückten wohl mal im selben Hotel; da hat man es ihm stibitzt. Mir fällt gerade kein entsprechender Fetisch ein. Aber eine signierte Serviette von Angela Merkel würde mir schon gefallen. Falls du den Nerv hast, sie zu fragen. Wenn ich es so bedenke: Trink doch lieber Wein. Danke, Michael. Ich denke mal darüber nach. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir ein schönes Wochenende! Maria Rossbauer und Michael Allmaier Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Bis 2030 sollen laut Senat 540 Millionen Euro in die Sanierung der vielerorts maroden Kaimauern fließen . In welchem Zustand sich die rund 43 Kilometer langen Uferbefestigungen im Hamburger Hafen aber konkret befinden, unterliegt dem Senat zufolge dem "Betriebs- und Geschäftsgeheimnis" der Hamburg Port Authority und der jeweiligen Mietvertragspartei. Bei einem Unfall mit einem links abbiegenden Lastwagen im Hamburger Stadtteil Moorfleet ist am Donnerstagmorgen ein 63 Jahre alter Fahrradfahrer ums Leben gekommen. Der Radfahrer starb noch am Unfallort. Die Polizei sucht nun nach Zeugen. 2025 verdienten Frauen in Hamburg durchschnittlich 5,11 Euro pro Stunde brutto weniger als Männer. Das entspricht einem Gender-Pay-Gap von 17 Prozent. Im Schnitt gingen Frauen 127 Stunden im Monat einer bezahlten Arbeit nach, teilte das Statistikamt Nord mit, bei Männern waren es 20 Stunden mehr. Angesichts der rasant steigenden Treibstoff- und Gaspreise fordert der Sozialverband Hamburg mehr finanzielle Hilfen für ärmere Menschen. Empfänger von Sozialleistungen müssten Strom selbst bezahlen; zudem übernehme das Amt nicht bei allen die volle Miete und Heizkosten. Hamburgs Webcam-Storchenpaar Fiete und Jette ist zurück im Nest. Das Anklicken des Livestreams dürfte sich bereits lohnen, sagte Jürgen Pelch, Storchenbetreuer des Nabu Hamburg. "Bei diesem warmen Wetter wird das Brutgeschäft schon bald losgehen." AUS HAMBURG Er war 13 und sah sich als Leiter der Gestapo Acht junge Neonazis sollen versucht haben, Geflüchtete und Linke zu töten. Sie gaben sich offenbar Titel aus dem Dritten Reich. In Hamburg hat nun der Prozess begonnen. Lesen Sie dazu einen Auszug aus dem Artikel von Christoph Heinemann und Christian Fuchs: Als sich die jungen Neonazis gefunden hatten, verliehen sie sich Titel. Einer von ihnen sollte der neue Joseph Goebbels sein, "Propagandaminister", zuständig für Bilder und Videoclips bei TikTok oder Instagram. Mehrere andere Jugendlichen in der Chatgruppe waren fortan "Gauleiter", etwa für Sachsen. Und der Jüngste von ihnen, damals erst 13 Jahre alt, so ist sich die Bundesanwaltschaft sicher, sah sich ab dem 23. April 2024 selbst als "Leiter der Gestapo". Wie sich andere Jungs in seinem Alter auf dem Bolzplatz für Lionel Messi oder Lamine Yamal halten. Aber es war kein Spiel. Sechs Monate später, im Oktober 2024, schlugen Flammen aus einem Kulturzentrum in Altdöbern im Süden Brandenburgs, während die Betreiber und deren Kinder nebenan schliefen. Nur mit Glück konnten sie sich vor der Brandstiftung in Sicherheit bringen. Bald darauf, im Januar 2025, sollen mehrere junge Männer aus der Gruppe, die sich "Letzte Verteidigungswelle" nannte, nachts versucht haben, eine voll besetzte Asylunterkunft im thüringischen Schmölln anzuzünden. Auch für einen Angriff auf ein weiteres Heim für geflüchtete Menschen hatten sie mutmaßlich bereits Pläne und sollen hochentzündliche Pyrotechnik gekauft haben. Ein "Rassenkrieg" sei das Ziel gewesen, so nennt es der Vertreter der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmittag beim Prozessauftakt am Hamburger Landgericht. Die Stimmung im Land durch Anschläge so anzuheizen, dass sich eine "Gewaltspirale" immer schneller dreht, bis die Demokratie zusammenbricht und die "völkisch-nationale Gesinnung" der Täter triumphieren könnte. Auch von "professionellem, arbeitsteiligem Vorgehen" ist in der Anklage die Rede, um Geflüchtete und politisch Andersdenkende zu töten. Die acht Angeklagten im Alter von 15 bis 22 Jahren wechseln dabei keine Blicke. Wie die Gruppe schnell sehr groß wurde und wieso der Prozess in Hamburg stattfindet, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Texts. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? "Geh früh schlafen. Steh früh auf. Du wirst mehr vom Tag haben" İlker Çatak, 42, ist ein deutscher Filmemacher. Sein Filmdrama "Das Lehrerzimmer" (Z+) wurde 2024 für den Oscar nominiert. Sein neuer Spielfilm "Gelbe Briefe" (Z+) über ein in der Türkei vom Staat gegängeltes Künstlerpaar gewann gerade den Goldenen Bären der Berlinale und ist aktuell im Kino zu sehen. Hier erzählt er, was er früher gerne gewusst hätte. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Wir verlosen 5-mal 2 Tickets für die Veranstaltung Wir müssen reden am 15. März 2026 um 11.30 Uhr im Thalia Theater. In der Veranstaltungsreihe spricht ZEITmagazin-Chefredakteur Sascha Chaimowicz dieses Mal mit dem Schauspieler und Fernsehmoderator Louis Klamroth über seinen Blick auf die aktuelle politische Landschaft. Unter diesem Link können Sie an der Verlosung teilnehmen. Die Gewinner werden direkt benachrichtigt. Viel Glück! MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Stadtpark, ein Mann spricht eine Sprachnachricht ein. "Ich kann nicht sehen, wo du hinzeigst, wenn du das in einer Sprachnachricht erwähnst!" Gehört von Tabea Wackler Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .