Zeit 02.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Was der Angriff auf den Iran für viele Hamburger bedeutet


Die Elbvertiefung am Montag – Mit einer gerissenen Oberleitung im Hauptbahnhof, den Folgen aus dem Ende der kostenlosen Integrationskurse und haufenweise Müll

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Was der Angriff auf den Iran für viele Hamburger bedeutet
Liebe Leserin, lieber Leser, für viele Menschen in Hamburg ist der Angriff auf den Iran weit mehr als eine Nachricht. Die iranische Community der Stadt gilt als die größte Deutschlands, hier leben mindestens 20.000 Menschen, die Verwandte im Iran haben. Am Wochenende trafen sich viele von ihnen zu Kundgebungen. Schon Stunden nach dem ersten israelisch-amerikanischen Luftangriff am Samstag versammelten sich 5.000 Exiliranerinnen und -iraner vor dem Hauptbahnhof. Die Demonstration unter dem Motto "Nein zur Islamischen Republik Iran!" war zwar schon länger angemeldet – ob der neuen Entwicklungen aber war die Stimmung doch anders als erwartet. Mein Kollege Tom Kroll war bei der Versammlung am Samstag dabei. Alle Menschen dort hätten mit ihm sofort über die Luftangriffe gesprochen, erzählt er, und davon, was sie machten, als die ersten Eilmeldungen auf ihren Smartphones erschienen. Ein Mann sagte, seine Frau habe ihn geweckt: "Die Flugzeuge sind da!" Ein anderer erzählte ihm, er habe sofort versucht, Verwandte im Iran zu erreichen, "bevor die Mullahs das Internet abstellen". Die Stimmung empfand Tom als freudig und gelöst – und auch als hoffnungsvoll. Darüber, dass das autoritäre Mullah-Regime nun fallen, dass der Iran vielleicht frei und demokratisch werden könnte. "Noch nie waren wir so nah an der Freiheit", rief Danial Ilkhanipour, SPD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft und Kind einer iranischen Einwandererfamilie, von der Bühne. Wie es im Iran weitergeht und wer dort nun die Macht übernimmt, ist auch nach dem Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei und weiteren zentralen Figuren des Sicherheitsapparats noch nicht klar. Und auch nicht, ob die Angriffe langfristig Freiheit bringen. Toms Reportage lesen Sie hier , über die neuesten Entwicklungen im Iran informieren Sie fortlaufend meine Kolleginnen und Kollegen hier auf zeit.de. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer WAS HEUTE WICHTIG IST Der Krieg gegen den Iran hat auch Auswirkungen auf deutsche Reedereien . Das Hamburger Unternehmen Hapag-Lloyd etwa kündigte an, bis auf Weiteres alle Fahrten durch die Straße von Hormus auszusetzen, dort wurden bereits mehrere Schiffe angegriffen. Die Meerenge zwischen Iran, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Energiehandel . Am Sonntag ist am Hauptbahnhof eine Oberleitung gerissen und auf das Dach eines ICE gefallen. Verletzt wurde niemand, es kam aber zu Verspätungen und Zugausfällen. Bereits vor einer Woche hatte eine gerissene Oberleitung zu Verkehrsbehinderungen am Hauptbahnhof geführt. Der FC St. Pauli gewann am Wochenende mit 1:0 gegen die TSG Hoffenheim und steht damit auf Platz 15 der Bundesligatabelle. Der HSV verlor 1:2 gegen RB Leipzig und bleibt weiterhin auf dem elften Rang. Nach zwei Tagen Warnstreik fahren heute in Hamburg alle Busse und alle U-Bahnen der Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) wieder regulär. Mehr als 92.000 Menschen haben sich nach Angaben der Stadtreinigung an der zehntägigen Aktion " Hamburg räumt auf! " beteiligt. Weggeräumt haben sie ungefähr so viel Müll wie im Vorjahr, eineinhalb Kilogramm pro Person. AUS HAMBURG "Der Kurs stimuliert uns, am Leben teilzunehmen" Viele Geflüchtete aus der Ukraine sollen in Deutschland keine kostenlosen Integrationskurse mehr bekommen. Hier erzählt eine von ihnen, was das für sie bedeutet. Die Fragen stellte ZEIT-Autorin Helene Altgelt; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Das Bundesinnenministerium hat den Zugang zu Integrationskursen eingeschränkt (Z+) – künftig erhalten sie etliche Asylsuchende, Menschen aus dem EU-Ausland und Geflüchtete aus der Ukraine nicht mehr kostenlos. Auch bei Sprachkursen soll gespart werden. Die Entscheidung sei "politisch, menschlich und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar", kritisierte Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit ihren Parteifreundinnen und Amtskolleginnen, der Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard und der Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. Was aber sagen die Menschen, die es betrifft? Natalija Makarchuk (der Name wurde zu ihrem Schutz geändert) ist 30 Jahre alt, sie kam im Sommer 2023 aus Lwiw nach Deutschland und steht kurz vor dem Abschluss ihres Integrationskurses in Hamburg. DIE ZEIT: Frau Makarchuk, Sie besuchen einen Integrationskurs. Was bringt Ihnen das? Natalija Makarchuk: Ich konnte meinen Integrationskurs erst zwei Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland beginnen, weil es nicht genug Plätze gab. Ohne Sprache fühlt man sich in einem fremden Land, als wäre man blind und stumm. Für mich war es sehr anstrengend, mich nicht mitteilen zu können. Im Kindergarten meines Sohnes konnte ich nicht mit den Erzieherinnen sprechen, beim Arzt nicht erklären, was mir fehlt. Anfangs habe ich mir selbst Deutsch beigebracht, aber mit dem Integrationskurs geht das schneller und besser. ZEIT: Was genau stand in Ihrem Integrationskurs auf dem Programm? Makarchuk: Es ist vor allem ein Sprachkurs, aber nicht nur. Wir lernen Grammatik und neue Wörter und üben Alltagssituationen. Das Ziel ist es, am Ende die B1-Prüfung abzuschließen. Aber es geht auch darum, das Leben in Deutschland zu verstehen: Wie funktioniert das politische System? Welche Rechte und Pflichten habe ich? Wie schreibt man eine Bewerbung? Für mich ist das wichtig, weil vieles anders ist als in der Ukraine, das politische System ist sehr komplex. Der Kurs ist wie eine Miniaturgesellschaft: Menschen aus ganz verschiedenen Ländern lernen zusammen, sprechen über Werte, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Wie sich die Neuregelung der Integrationskurse auf das Leben von Natalija Makarchuk auswirkt , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Überholt uns China? Deutsche Firmen verlieren gerade in vielen Technologien ihren Vorsprung. Das liegt an unfairen Praktiken Pekings – und an eigenen Fehlern. Doch es gibt Wege, mitzuhalten. Die ZEIT-Redakteure Max Hägler und Marc Widmann haben die Erfahrungen der Hamburger Firma Jungheinrich aufgeschrieben. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Am 8. März feiert der Abend Im Leuchtturm durch die Zeit. Nach wahren Begebenheiten auf dem Theaterschiff Hamburg Premiere. Der Schauspieler Johannes Kirchberg stellt die Lebensgeschichte eines Leuchtturmwärters aus Moorburg ins Zentrum, der in seinen Briefen von seinen Erlebnissen als nautischer Offizier erzählt. Zugleich vermittelt der Abend Wissenswertes über Leuchttürme. "Im Leuchtturm durch die Zeit", 8.3. bis 12.4., 17 Uhr; Theaterschiff Hamburg, Holzbrücke 2, Nikolaifleet; Tickets erhalten Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Landesbetrieb Verkehr Mitte, lange Wartezeiten trotz Termin. Nach 40 Minuten komme ich dran und laufe mit Buch unterm Arm zum Tisch der Mitarbeiterin, woraufhin sie sagt: "Manche haben hier schon Krieg und Frieden komplett durchgelesen." Gehört von Tom Alby Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .