|
05.12.2025
06:00 Uhr
|
Die Elbvertiefung am Freitag – mit der Wahrheit über die aktuelle Mietpreisstudie, der Diskussion um ein Böllerverbot und sechs Millionen Euro für Olympia

Liebe Leserin, lieber Leser, als ich letztens mein Stamm-Schwimmbad betrat, hörte ich, es solle leer gepumpt werden, und zwar bis auf den letzten Tropfen. Also nicht direkt – am Tag meines Besuchs konnte ich noch in Ruhe meine Bahnen ziehen. Der Kinderbereich war aber schon gesperrt, im Becken hing ein Schlauch. Jetzt ist auch das große Becken dran, heute schließt das Ohlsdorfer Schwimmbad erst mal. Der Mann an der Kasse sagte, das Abpumpen dauere sehr lang. Das 50-Meter-Becken in Ohlsdorf ist das zweitgrößte der städtischen Hallenbäder, mehr Wasser hat nur die Alsterschwimmhalle. Besonders das Auffüllen brauche Zeit, fügte er stolz hinzu: "Wenn wir den Hahn voll aufdrehen, hat ganz Hamburg kein Wasser mehr!" Das mochte leicht übertrieben sein. Aber ich fragte mich schon, ob es sich hier um einen Routineeingriff handelte, dem sich mein liebes Becken unterziehen musste – Wasser aufbereiten, Kacheln putzen, so was? Turns out: Es steckt mehr dahinter. Am Telefon erzählte mir der Bäderland-Pressesprecher, die Pump-Aktion habe mit einer besonderen Vorrichtung in den Tiefen des Beckens zu tun. Mir war dort beim Blick durch die Schwimmbrille noch nie etwas aufgefallen. Am Telefon erfuhr ich: Auf halber Strecke, nach 25 Metern, schlummert in knapp vier Meter Tiefe eine gigantische Wand im Boden. Die kann hochgefahren werden, wenn das Becken in zwei geteilt werden muss. Man kann dann auch darüber spazieren. Und die Wand, die muss gewartet werden. Dazu werden die 1,6 Millionen Liter Wasser ausgelassen. Das darf nicht zu schnell passieren, denn das Wasser hat 27 Grad, und wenn die Kacheln im Becken zu schnell erkalten, können Risse Auftreten. Also: langsam. Die eigentliche Wartung geht dann schnell und ist in ein paar Tagen erledigt. Das Auffüllen wiederum dauert noch länger. Das Wasser komme bei rund zwölf Grad aus der Leitung. Der Mann an der Kasse habe natürlich übertrieben, sagt der Bäderland-Sprecher, aber: "Wenn die 1,6 Millionen Liter schnell eingelassen werden, ist in der Nachbarschaft weniger Wasser vorhanden, weil wir an einer ganz normalen Leitung hängen." Anfang Januar soll das Ohlsdorfer Schwimmbad wieder öffnen. Ich werde dann mal tauchen und diese Mauer suchen. Ihr Yannick Ramsel WAS HEUTE WICHTIG IST Die Bundesregierung unterstützt eine deutsche Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele auch finanziell. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterzeichnete dazu gemeinsam mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sowie Vertretern der drei übrigen Bewerber Berlin, München und Rhein-Ruhr eine entsprechende Vereinbarung. Diese sichert die Unterstützung des Bundes in Höhe von rund sechs Millionen Euro zu. Die Zusage der Bundesregierung sei ein "wichtiger Meilenstein", sagte Tschentscher. Nach einem homophoben Angriff auf einen Mann im Hamburger Stadtpark hat die Polizei zwei Jugendliche als mutmaßliche Täter ermittelt. Die beiden Brüder im Alter von 16 und 18 Jahren sollen am Abend des 8. Oktober einen 29-Jährigen beleidigt und einen Böller auf ihn geworfen haben, wie die Polizei mitteilte. Der Feuerwerkskörper habe den Mann nur knapp verfehlt. Die Polizei geht davon aus, dass die jungen Männer auch für andere Körperverletzungen, Beleidigungen und Bedrohungen mit homophober Motivation verantwortlich sind. Innensenator Andy Grote (SPD) will die neue AfD-Jugendorganisation vom Verfassungsschutz überwacht sehen. "Die personelle Einbindung von weiten Teilen des rechtsextremen Vorfelds macht die ›Generation Deutschland‹ vom ersten Tag ihrer Gründung an zu einem Fall für den Verfassungsschutz", sagte der SPD-Politiker dem Handelsblatt. Die am vergangenen Wochenende in Gießen gegründete Organisation verfolge "als kämpferische Kaderorganisation der AfD das Ziel, der Partei den Weg an die Macht zu ebnen", betonte der Innensenator. In aller Kürze • Tennisstar Alexander Zverev wird im nächsten Jahr wieder beim ATP-500-Turnier in Hamburg aufschlagen. Der Weltranglisten-Dritte sagte seine Teilnahme an dem Traditionsturnier vom 16. bis 23. Mai 2026 am Hamburger Rothenbaum zu • Weil ein Autofahrer bei einem Wendemanöver einen Linienbus übersah, sah sich dessen Fahrer zu einer Vollbremsung gezwungen. Dabei wurden sieben Passagiere leicht verletzt • Ein 85-jähriger Mann fuhr am späten Mittwochabend in Barmbek-Süd über eine Verkehrsinsel, ehe er mit seinem Auto frontal gegen einen Lichtmast prallte. Er starb noch an der Unfallstelle THEMA DES TAGES Klar, Wohnen in Hamburg ist bezahlbar. Nur eben nicht für jeden Laut einer neuen Studie sind die Mieten in Hamburg weder zu hoch, noch steigen sie besonders schnell. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wer Auftraggeber der Studie ist. ZEIT-Autor Christoph Twickel ordnet das Ergebnis der Studie ein; lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel. Die Zahlen klingen beruhigend: Die Mieten sind in Hamburg weniger schnell gestiegen als die Verbraucherpreise. Von Anfang 2022 bis Anfang 2025, das will die sogenannte CRES-Studie herausgefunden haben, hätten die Hamburger Mieten nur um 8,8 Prozent zugelegt, während der Verbraucherpreisindex um 10,8 Prozent in die Höhe geklettert sei. Im Durchschnitt, so die Studie, lägen die Mieten in Hamburg bei 9,11 Euro pro Quadratmeter – bei Neuvermietungen seien es durchschnittlich 10,13 Euro pro Quadratmeter. Die Zahlen sind eine Überraschung – andere Untersuchungen kommen auf deutlich höhere Preise: Der geltende Hamburger Mietenspiegel etwa hat die Durchschnittsmiete schon 2023 auf 9,83 Euro berechnet. Und die "Mietwohnungsmarkt"-Studie, bei der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ohmoor jährlich die Hamburger Angebote auf dem Portal Immowelt auswerten, kommt auf einen Quadratmeterpreis von 15,62 Euro bei Neuvermietungen – also über fünf Euro mehr als es die CRES-Studie herausgefunden haben will. Die Auftraggeber der CRES-Studie sind vier Immobilien- beziehungsweise Wohnungseigentümerverbände und die städtische Saga-Unternehmensgruppe. Sie sehen sich mit den Ergebnissen in ihrer Einschätzung bestätigt, dass der Hamburger Wohnungsmarkt besser sei als sein Ruf. "Die neue Hamburger Mietenstudie zeigt sehr deutlich: Der Mietmarkt in unserer Stadt funktioniert", erklärt etwa Carl-Christian Franzen vom IVD Nord, und Kay Brahmst vom BFW Nord ergänzt: "Die Mieten in Hamburg sind nicht zu hoch. Das Problem sind die geringe Fluktuation und die schwache Neubautätigkeit." Wer hat recht? Die Mietervereine, die regelmäßig vor steigenden Wohnkosten und zu hohen Belastungen für die Mietenden warnen? Oder die Vermieterverbände, die mit einer aufwendigen Mietenstudie dagegenhalten? Ob die Vermieterstudie also eher die Realität im Vergleich zu den anderen Studien abbildet, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Zahlreiche Verletzte, Tote, Angriffe auf Einsatzkräfte und die Folgen für Umwelt und Tiere: All das sind gängige Argumente gegen das Zünden von Pyrotechnik." Jedes Jahr wird in Deutschland über ein Böllerverbot diskutiert. ZEIT-Redakteur David Rech hat die FAQ zum aktuellen Stand der Diskussion zusammengestellt . MAHLZEIT – Die Gastrokritik Das Übel am All-in-Büfett, könnte man meinen, ist das Büfett. Wer möchte schon Schüssel um Schüssel mit warm gehaltenem Essen? Auf dieses Problem hat das Yakido eine schillernde Antwort gefunden: Korean Barbecue vom Band – seit ein paar Tagen in der HafenCity. Der Deal: Man bezahlt einmal, derzeit den Einführungspreis von 35,90 Euro, und bekommt dafür so viel Grillgut an den Tisch gefahren, wie man möchte. Plus Vorspeisen und Desserts, die aber wegen ihrer Schlichtheit kaum einen Unterschied machen. Offensichtlich verlockt das Angebot viele. Trotz Reservierung muss man an diesem Abend 40 Minuten im Eingang des immens großen Lokals am Sandtorpark warten. Zur Besänftigung spendiert der Chef Pfirsichlimo aus der Dose. Bei Tisch sitzt man dann um seinen eigenen Elektrogrill. Das System funktioniert; man kann ohne Sauerei seine vom Band geschnappten Zutaten nach Belieben garen. Dass man dafür permanent mit Zangen, Stäbchen und Löffeln herumwerkeln muss, soll dieser Tage nicht als Einwand gelten; es stählt immerhin fürs Silvesterfondue. Ohnehin ist die Atmosphäre hier so, dass man nicht den Wunsch verspürt, sich entspannt zurückzulehnen. Immerhin hilft der Service nach besten Kräften, obwohl er selbst eiliger unterwegs ist als das manchmal stockende Band. Schwerer wiegt, dass Fleisch und Seafood von recht einfacher Güte sind (die feineren Sachen wie Wagyu-Rind werden extra berechnet). Das ist verständlich, wenn man die Lebensmittelpreise bedenkt. Es bewirkt aber auch, dass die Stimmung am Tisch umschlägt, sobald die Neugier und der erste Hunger gestillt sind. Und wenn man dann schon wieder die Rinderzungenscheiben und Oktopustentakel auf sich zusteuern sieht. Das Übel beim All-in-Büfett ist wohl doch eher das All-in. Michael Allmaier Yakido , Am Sandtorpark 1, HafenCity, Tel. 64 66 31 20 DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht seit 2006 alle zwei Jahre die "Mitte-Studie". Die Studie zu rechtsextremer Gewalt und demokratiegefährdenden Einstellungen in Deutschland wird kommende Woche bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU im Altonaer Museum vorgestellt. Anschließend gibt es eine Diskussion mit der Co-Autorin der Studie Beate Küpper, Innensenator Andy Grote und Vertretern der Zivilgesellschaft. "Die Mitte-Studie", 10.12., 19 Uhr; Altonaer Museum, Museumstraße 23; Anmeldung erbeten MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK An der Kasse eines Drogeriemarkts in Barmbek bezahlt ein junges Pärchen mit einem Haufen Kleingeld. Die Kassiererin zählt geduldig die Münzen; die nächste Kundin in der Schlange wird jedoch ungeduldig. Das Pärchen rät der Frau, doch an die Selfservice-Automaten zu gehen, wenn es schneller gehen soll. Die Kundin: "Ich möchte aber hier bezahlen, um die Stelle der Kassiererin zu sichern!" Das Pärchen: "Das tun wir doch schon." Gehört von Katrin Plümpe Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .