Zeit 03.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Von Urlaubern, die gerade im Kriegsgebiet festsitzen


Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit den Hamburger Philharmonikern an der Reeperbahn, vielen insolventen Unternehmen und den Grenzen der künstlichen Intelligenz

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Von Urlaubern, die gerade im Kriegsgebiet festsitzen
Liebe Leserin, lieber Leser, eine Woche lang klappert die "Mein Schiff 4" bei der Seereise "Zauber des Orients" Küstenstädte in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und dem Oman ab. Die Reise der Hamburger Reederei Tui Cruises ist ein Klassiker – jetzt gerät sie zum Horrortrip. Denn die "Mein Schiff 4" liegt im Hafen von Abu Dhabi (VAE), aktuell also mitten im Kriegsgebiet . Ähnlich ergeht es dem Schwesterschiff "Mein Schiff 5", es liegt etwa 150 Kilometer entfernt im Hafen von Doha, der Hauptstadt von Katar. Nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran hat das dortige Regime hunderte Raketen und Drohnen auf diese Staaten abgefeuert. Viele werden abgefangen, manchmal aber gibt es Einschläge neben den Schiffen. Es sind Detonationen zu hören und Rauchwolken zu sehen. Das zeigen Handyvideos von Passagieren. "Wirklich beängstigend", nannte das ein Passagier namens Folkert Middelmann der ZEIT gegenüber am Telefon . Das Schiff verlassen und nach Hause fliegen konnten die Touristen bislang nicht, weil wichtige Lufträume in der Region gesperrt sind. Tausende Passagiere und Seeleute sind betroffen. Laut dem Verband Deutscher Reeder befinden sich mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien in den Gewässern des Golfs. Darunter sind auch Massengutfrachter der Lübecker Reederei Oldendorff Carriers und Containerschiffe der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. Diese Schiffe können den Persischen Golf nicht verlassen, dazu müssten sie durch die Straße von Hormus fahren. Die Meerenge zwischen dem Iran im Norden sowie dem Oman und den VAE im Süden ist de facto dicht, denn iranische Behörden fordern Kapitäne per Funk auf, die Passage nicht zu nutzen. Auch östlich der Meerenge gibt es Stau, dort warten mehr als 150 Öltanker auf die Einfahrt. Alle Schiffe sind live auf der Plattform "MarineTraffic" zu sehen. Bisher soll bei Angriffen auf Handelsschiffe ein Mensch gestorben sein, mehrere Seeleute wurden verletzt. Deutsche Schiffe und Seeleute sind laut dem Verband Deutscher Reeder bislang nicht direkt betroffen, die Lage sei aber "äußerst besorgniserregend". Kommen Sie gut durch den Tag! Ihre Kristina Läsker WAS HEUTE WICHTIG IST Wegen gesperrter Lufträume im Nahen Osten aufgrund des Iran-Kriegs haben mehrere Airlines ihre Flüge zwischen der Region und Hamburg ausgesetzt. Laut Hamburger Flughafen wurden etwa Flüge von und nach Dubai, Doha, Tel Aviv und Erbil gestrichen. Im Jahr 2025 haben in Hamburg 869 Unternehmen Insolvenz angemeldet – 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Mindestens 5.267 Beschäftigte verloren dadurch ihren Arbeitsplatz, wie das Statistikamt Nord mitteilte. Besonders betroffen war das Gastgewerbe mit 222 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen. Nach vierwöchiger Pause ging gestern der Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block weiter. Nun sagte eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamtes aus. Die Sozialpädagogin hatte die Kinder am 4. Januar 2024 bei einem Besuch im Haus von Christina Block getroffen. Ihr zufolge gab es damals keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung. Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall baut künftig auch Schiffe . Die Übernahme des Marineunternehmens Naval Vessels Lürssen (NVL) sei abgeschlossen, teilte das Unternehmen mit. NVL hat neben dem Verwaltungssitz in Bremen vier Werften: Eine ist in Wilhelmshaven, eine in Wolgast und zwei in Hamburg. Hamburgs Bildungsbehörde hat den Sozialindex aller 329 allgemeinen staatlichen Schulen neu berechnen lassen . Bei den Grundschulen haben sich demnach in 22 der 198 Einrichtungen die Rahmenbedingungen – also etwa Ausstattung, Klassengröße oder Sprachförderung – verschlechtert, bei 19 verbessert. Nach Behördenangaben bekommen Schulen mit einer sozial benachteiligten Schülerschaft bis zu 50 Prozent mehr Lehrkräfte. AUS HAMBURG Töten war für ihn, wie einen Furz zu lassen Die Hamburger Philharmoniker spielen "Peter und der Wolf" an der Reeperbahn. In ihrer Version kommt weder Peter vor, noch der Wolf. Dafür Zuhälter und ein Auftragsmörder. ZEIT:Hamburg Redakteur Oskar Piegsa war am Sonntag bei der Premiere, lesen Sie hier einen Auszug aus seiner Rezension: Die Hamburger Philharmoniker geben jetzt Konzerte an der Reeperbahn. Umhüllt von Currywurstdunst und begleitet von Bierflaschenklirren spielen sie Peter und der Wolf von St. Pauli, das musikalische Märchen von Sergei Prokofjew, aber neu erfunden für Erwachsene. Peter, sein Großvater und der Wolf kommen in dieser Version nicht vor. Stattdessen erzählt gleich im ersten Monolog Jutta aus Barmbek von ihrer "trockenen Muschi", die gerne mal wieder "ficken" würde. Geht leider nicht, denn Jutta ist tot. Vielleicht klingen die Streicher deshalb so himmlisch. Vor genau 90 Jahren wurde Peter und der Wolf in Moskau das erste Mal aufgeführt. Damals war die Idee, Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Das Stück ist eine Mischung aus Lesung und Konzert: Ein Erzähler oder eine Erzählerin liest eine Geschichte vor, kurze Melodien dienen als Erkennungszeichen der Figuren. Die Streicher stehen für den unbekümmerten Peter, das Fagott für seinen mürrischen Großvater und die Hörner für den Wolf, der durch das offenstehende Tor in den Garten zu kommen droht. Auch bei Peter und der Wolf von St. Pauli geht es darum, nicht nur Orchestermusik zu spielen, sondern mit der Orchestermusik zu spielen – und dadurch vielleicht ein neues Publikum zu gewinnen. Am Sonntagabend feierte das Stück seine Premiere, es ist eine Zusammenarbeit des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des Schmidts Tivoli. Das Tivoli ist ein Privattheater an der Reeperbahn, in dem das Publikum dazu animiert wird, während der Vorführungen zu essen und zu trinken. Daher die Currywurst und die Bierflaschen. Den vollständigen Artikel von Oskar Piegsa lesen Sie auf zeit.de. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? "Wie weit KI-Systeme sind, ist manchmal beängstigend" Ein Physiker vom Desy in Hamburg, ein Softwareentwickler und ein Ingenieur erzählen der ZEIT-Autorin Stella Bruttini von den Möglichkeiten und Grenzen der KI. Und wie sie die Angst überwinden, von ihr ersetzt zu werden. → Zum Artikel (Z+) DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN Kurzentschlossene können heute Abend im Schauspielhaus Navid Kermani und Olaf Scholz gemeinsam auf der Bühne erleben. In der Reihe "Der Norden liest" stellt der Schriftsteller und ZEIT-Autor Navid Kermani sein neues Buch "Sommer 24" vor. Der Verlag beschreibt den Roman als den Versuch, "das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und das wirklich Unversöhnliche auszuhalten" . Kermani, in Deutschland als Sohn iranischer Einwanderer geboren, wird angesichts der aktuellen Weltlage aber vermutlich nicht nur über seinen Roman sprechen. Der Schauspieler Markus John liest Auszüge, der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz ist als Gast auf der Bühne, und der Journalist Alexander Solloch moderiert den Abend. "Navid Kermani: Sommer 24", 3.3., 20 Uhr, Schauspielhaus, Kirchenallee 39; Tickets gibt es hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Beim Konzert der Australian Pink Floyd Show in der Sporthalle Hamburg. Auf die Rückwand der Bühne werden weidende Schafe projiziert, aus den Lautsprechern tönt lautstarkes Blöken. In der Reihe hinter uns sagt jemand belustigt: "Da hätten wir ja auch gleich zu Hause bleiben können." Gehört von Kay Kankowski Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .