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27.02.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – Mit U-Bahnen und Bussen, die am Wochenende nicht fahren, einer neuen Anlaufstelle für Obdachlose und einer Stimme, die Sie sicher kennen

Liebe Leserin, lieber Leser, fotografieren Sie, wenn Sie ausgehen, Ihr Essen? Ich sah kürzlich einen Cartoon: drei Gäste im Restaurant. Zwei richten Handys auf ihren Teller, die Dritte hält eine Gabel. Der Kellner fragt die Frau besorgt: "Stimmt was nicht mit Ihrem Gericht?" Tatsächlich ist dieses Ritual heute so alltäglich wie in fernen Tagen das Tischgebet. Wenn etwas Schönes serviert wird, dokumentiert man, bevor man genießt. Viele Gastronomen nervt das, weil die Bilder zwar später auf Social Media für sie werben, aber die Atmosphäre nun mal leidet, wenn Gäste andauernd mit ihren Smartphones hantieren. Zumal dann, wenn sie den Post auch gleich absetzen und dazu, nach hektischer Tipperei, auch Bilder von den Nebentischen machen. Darum macht immer wieder mal ein Restaurantbesitzer mit Foto- oder überhaupt Handyverbot von sich reden. Auf der großen Bühne war das zuletzt der exzentrische Spitzenkoch Gaggan Anand in Bangkok. In Hamburg lud das Café del Sol in Jenfeld am Jahresbeginn zum Digital Detox ein. Solche Vorstöße werden dann gern diskutiert; viel bewirkt haben sie bis jetzt nicht. Vielleicht versteht man auch sie darum am besten als Werbemaßnahmen (Café del Sol? Jenfeld?). Und ein bisschen steuern die Köche das auch selbst. Nehmen wir Matteo Ferrantino, der nun leider nicht mehr im Restaurant bianc ist: Sein Menü Emotion fuhr schon bei den Amuse-Bouches Goldlack und Perlmutt auf, Reagenzgläser, Hörnchen und Knisterbrotbeutel. Natürlich fotografiert man so was. Auf der anderen Seite: Thomas Imbusch im 100/200 ist ebenfalls mit zwei Sternen im Guide Michelin. Auch seine Gerichte sind hübsch angerichtet, aber mit der klaren Botschaft: Wir machen hier keinen Schnickschnack! Ich finde den Fotofimmel der Restaurantbesucher sympathisch. Sie wissen, dass sie gleich ein Kunstwerk verschlingen werden, und möchten vorher, dass zumindest ein Bild davon überdauert. Außerdem kommt mir das gelegen: Es ist einfacher für Kritiker, inkognito zu bleiben, seit alle Gäste sich betragen, als ob sie welche wären. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier PS: Heute um 17 Uhr erscheint die neue Folge unseres Podcasts. Darin sprechen dieses Mal Maria Rossbauer und Oskar Piegsa über das neue Naturkundemuseum, das voraussichtlich im Elbtower eingerichtet wird – und über die vielen naturwissenschaftlichen Schätze Hamburgs, die dort einziehen sollen. Die aktuelle Folge und unser Archiv mit allen Folgen finden Sie hier . Was heute wichtig ist Wegen mehrerer Warnstreiks kommt es in Hamburg von heute morgen bis Sonntag um 3 Uhr zu erheblichen Einschränkungen im Bus- und U-Bahn-Verkehr. Hintergrund der Streiks sind andauernde Tarifverhandlungen der Gewerkschaft Ver.di mit der Hochbahn und mit dem Busunternehmen VHH. Die Warnstreiks bei der Autobahn GmbH hingegen, die mehrfach den Verkehr auf der A7 verzögerten, sind beendet: Es gibt in diesem Tarifstreit nun eine Einigung. Hamburger Eltern nehmen ihre Kinder offenbar zunehmend verbotenerweise aus der Schule, wenn – wie am Montag – Ferien anstehen. Die Schulbehörde zählte im Jahr 2025 328 Verstöße gegen die Schulpflicht, 2024 waren es 303 Fälle und im Jahr davor 225. Kommt das häufiger vor, kann ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden. In der Nähe des S-Bahnhofs Holstenstraße öffnet am Montag eine neue Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose. Hier finden bis zu 100 Menschen Platz, dazu entstanden 20 Wohnungen. Das siebenstöckige Gebäude an der Stresemannstraße kostete etwa zehn Millionen Euro. Ein Geschäftsführer dreier Hamburger Firmen steht im Verdacht, in mehr als 900 Fällen gegen das Russland-Embargo verstoßen zu haben. Es sollen Waren im Wert von mehr als 4 Millionen Euro aus Russland eingeführt worden sein, nun durchsuchten Beamte die Firmen. Nach der Vorstellung von drei Fällen aus Hamburg und Schleswig-Holstein in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" am Mittwoch hat die Polizei mehrere Hinweise erhalten, die nun geprüft werden . Es geht dabei um einen bislang unbekannten Mann, der in den Jahren 2020, 2021 und 2024 mehrere Sexualdelikte an jungen Frauen begangen haben soll. Aus Hamburg Eine Leiche, zwei Wochen lang im Wandschrank versteckt Im Herbst 2024 wurde eine Hamburgerin tot in einem Kleiderschrank entdeckt. Nun steht ihr Ex-Freund vor Gericht. Doch die Beweislage ist schwierig. ZEIT-Autorin Elke Spanner war beim Prozessauftakt im Gericht. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel: Zwei Wochen lag die Frau tot in einem Wandschrank ihrer Wohnung, ehe sie gefunden wurde. Nachbarn hatten die Polizei gerufen, weil aus dem Erdgeschoss im schicken Hamburger Neubauquartier Neue Mitte Altona unangenehme Gerüche drangen. Dann der furchtbare Fund: Eva-Maria P., 34 Jahre alt, lag mit schweren Gewaltspuren tot im Schrank, eingewickelt in einen Teppich. Von einem Täter fehlte jede Spur. Nun sitzt ihr ehemaliger Lebensgefährte auf der Anklagebank im Saal 288 des Hamburger Landgerichts, von den Zuschauerinnen und Zuschauern durch eine Scheibe getrennt. Eva-Maria P. hatte einen Sohn, Dennis H. ist der Vater. Bei ihm hatte das Kind bis zu seiner Verhaftung im September gelebt. Der 37-Jährige ist ein kleiner, schmaler Mann mit großflächigen Tätowierungen am Hals. An diesem Morgen wirkt er eingeschüchtert. Er blickt starr nach vorne zu den Richterinnen und Richtern, wagt kaum einen Blick in Richtung der Zuschauenden, und wenn, dann liegt Angst darin. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass der Angeklagte seine Ex-Freundin im Streit getötet hat. Wie Dennis H. laut Anklage seine Ex-Freundin getötet haben soll und warum die Beweislage schwierig ist, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Vermutlich kennen Sie diese Frau Gabriele Libbach hat womöglich die bekannteste Stimme der Stadt. Sie ist Synchronsprecherin, man kann sie in HVV-Bussen hören, in Videospielen und in Teslas. Das alles kam durch Zufall, erzählte sie dem ZEIT-Redakteur Yannick Ramsel. → Zum Artikel (Z+) Das könnte Sie interessieren Heute Abend lädt im Rahmen des Black History Month das Museum am Rothenbaum zu einem Vortrag ein: "Frag nicht, woher wir kommen – fragt lieber, seit wann wir hier sind". In ihrem Vortrag richtet die Künstlerin und Kuratorin Maseho den Blick auf die afro-kulturelle Perspektive Hamburgs. "Frag nicht, woher wir kommen – fragt lieber, seit wann wir hier sind" , 27.2., 19 Uhr; MARKK, Museum am Rothenbaum, Rothenbaumchaussee 64; Eintritt frei Meine Stadt Hamburger Schnack Beim Bäcker. Ein Kind, etwa 5 Jahre alt: "Mami, muss man im Wintergarten eine Jacke anziehen?" Gehört von Hermann Stahmer Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .