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21.01.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – mit einer entgleisten U-Bahn, einem Finanzkonzept für Olympia und einem Gespräch über gefälschte Bilder aus dem KZ

Liebe Leserin, lieber Leser, während ich mich in der gestrigen Ausgabe dieses Newsletters ein wenig unbeholfen bemühte, Ihnen den 2016-Instagram-Trend zu vergegenwärtigen, schrieb meine Kollegin Julia Lorenz eine sehr elegante Feuilleton-Glosse zum Thema, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte (Z+) . "Endlich ein Nostalgietrend, den sich die Generation, die sich nun ins Jahr 2016 zurücksehnt, nicht im Secondhandshop nachbasteln muss", schreibt sie, und: "Es war das letzte Jahr, in dem man geglaubt hat, die Antwort auf die mächtige Frage ›Wird das Dümmstmögliche passieren?‹ könnte ›Nein‹ lauten." In die Kategorie "Weißt du noch?" fällt bereits heute die Nacht von Montag auf Dienstag – wegen der Polarlichter, die im Himmel über der Stadt zu sehen waren. Was genau da leuchtete und wann es nächstes Mal leuchten könnte – mein Kollege Yannick Ramsel hat dazu mit Marcus Brüggen gesprochen, er ist Professor für extragalaktische Astrophysik an der Universität Hamburg. Sein Interview finden Sie in der Rubrik "Der Satz". Und falls Sie sich nun ärgern, weil Sie die Nordlichter verpasst haben: Schauen Sie doch in dieser Woche mal im Hafen vorbei. Dort gibt es zwar keine von Sonnenstürmen verwirbelten schimmernden Teilchen im All zu sehen, aber dafür ein ähnlich seltenes Schauspiel: Gleich vier 400 Meter lange Containerfrachter kommen in diesen Tagen in Hamburg an. Das erste hat schon angelegt, das zweite kommt voraussichtlich heute gegen 7.30 Uhr an, das dritte wohl am Sonntag, das vierte am Montagmorgen. Wenn Sie sich für weitere Details interessieren, schauen Sie doch mal hier oder hier . Und leuchten, tja, das müssen wir dann eben selbst. Jeder so gut er kann. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Bis Mitte März will Innensenator Andy Grote ein Finanzierungskonzept für mögliche Olympische Spiele in Hamburg vorlegen. Das beinhalte zwar keine exakten mathematischen Berechnungen, sagte der SPD-Politiker. "Aber trotzdem werden wir eine Grundkalkulation haben, die auch so belastbar ist, dass man auf der Grundlage dann auch eine Entscheidung treffen kann." Der mutmaßliche Entführer der Block-Kinder hat der Hamburger Unternehmerin Christina Block (hier im Bild neben ihrem Verteidiger Ingo Bott) vor Gericht vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen. Der Chef eines israelischen Sicherheitsunternehmens erklärte vor dem Landgericht Hamburg, Block sei sehr wohl über die Möglichkeit informiert gewesen, die Kinder vom Vater aus Dänemark mit einem Auto zurück zu ihr nach Deutschland zu bringen. Ihr sei dabei wichtig gewesen, dass den Kindern nichts über den Kopf gezogen werde. Christina Block bestreitet die Vorwürfe. Der Drogerieketten-Gründer Dirk Roßmann will in den geplanten Weiterbau des Elbtowers investieren. Das Bundeskartellamt hat der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zugestimmt, an dem neben Roßmann der Hamburger Immobilienentwickler Dieter Becken, der Milliardär Klaus-Michael Kühne, die Versicherung Signal Iduna sowie das Bauunternehmen Adolf Lupp beteiligt sind. Einer Eckpunktevereinbarung vom Oktober 2025 zufolge will die Stadt Hamburg im Elbtower das geplante Naturkundemuseum unterbringen und dafür fast die Hälfte des Gebäudes zu einem Festpreis von 595 Millionen Euro übernehmen. In aller Kürze • Seit Ende 2021 hat das Theaterstück "Harry Potter und das verwunschene Kind" auf dem Großmarkt rund 1,5 Millionen Besucher angelockt. Am 26. Juli werde das Stück zum letzten Mal in Hamburg zu sehen sein, teilte der Veranstalter mit • Der bundesweite Warnstreik im öffentlichen Dienst hat am Dienstag für massive Verkehrsprobleme rund um den Elbtunnel gesorgt • Beim Rangieren nahe der Haltestelle Billstedt ist am Abend eine leere U-Bahn entgleist . Weil in der Folge der Strom auf der Linie U2 abgeschaltet wurde, musste eine andere U-Bahn evakuiert werden. Für heute ist mit Einschränkungen zu rechnen THEMA DES TAGES "Die KI macht Opfer jünger, hübscher, verniedlicht das Leid" Im Netz verbreiten sich KI-generierte Holocaustbilder – weil sie gut fürs Geschäft einiger Firmen sind, glaubt Historikerin Iris Groschek. Das zerstöre Vertrauen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview; die Fragen stellte ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik. Mehr als 30 deutsche KZ-Gedenkstätten schlagen Alarm: In einem offenen Brief fordern sie die Betreiber großer Internetplattformen auf, entschlossener gegen geschichtsverfälschende KI-Bilder vorzugehen. Die Einrichtungen warnen vor einer wachsenden Flut frei erfundener Darstellungen zum Nationalsozialismus, die Geschichte verharmlosen oder verkitschen – und vor der schleichenden Entwertung authentischer Zeugnisse. Die Historikerin Iris Groschek von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte erklärt, was hinter den neuen KI-Fälschungen steckt, warum sie die Erinnerungskultur gefährden und welche Verantwortung Techkonzerne und Politik jetzt tragen. DIE ZEIT: Sie haben einen Brandbrief mitverfasst, in dem Sie vor KI-Fakes zum Holocaust warnen. Welche Art von Fälschungen meinen Sie? Iris Groschek: Es geht um Bilder und Videos, die derzeit auf Social Media verbreitet werden und den Anschein machen, historisch zu sein. Sie sind meistens schwarz-weiß, zeigen abgemagerte Menschen und schreiende Kinder hinter Stacheldraht. Zu sehen sind weinende Frauen, die ein Foto ihres verstorbenen Liebsten in die Kameras halten, schmerzverzerrte Gesichter, große Kulleraugen voller Tränen. Die Menschen sehen ähnlich aus, sind in der Regel immer weiß, ähnlich groß und auffallend hübsch. ZEIT: Wer verbreitet solche Inhalte? Groschek: Dahinter stehen sogenannte Content-Farmen – also Netzwerke oder Einzelakteure, die massenhaft Inhalte produzieren, um möglichst viel Reichweite zu erzielen. Der Holocaust und damit verbundene Inhalte sind auch auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok ein Thema, das Menschen bewegt. Diese Accounts nutzen das Interesse und veröffentlichen mithilfe von künstlicher Intelligenz viele maßgeschneiderte Posts. ZEIT: Und wozu? Groschek: Es geht ganz schnöde ums Geld. Die Accounts spielen Werbung aus oder platzieren sogenannte Affiliate-Links – also Verweise auf Produkte oder Angebote, bei denen sie eine Provision bekommen, wenn Nutzer darüber etwas kaufen oder ihre Daten hinterlassen. Je mehr Klicks generiert werden, desto ertragreicher sind Monetarisierungsprogramme der Plattformen. Gerade auf TikTok gibt es außerdem massenhaft rechtspopulistische Kanäle, die historische Inhalte umdeuten, um ihre geschichtsrevisionistischen Thesen zu verbreiten. Doch seit dem vergangenen Herbst erleben wir vor allem einen Boom von Content-Farmen, die den Holocaust als Geschäftsmodell entdeckt haben. ZEIT: Warum sind diese Fälschungen gefährlich? Groschek: Wenn wir solche KI-Videos in den Kommentaren kritisieren, schreiben andere Nutzer mitunter: "Ist doch egal, ob alles stimmt, solange die Story gut ist." In der Geschichtsvermittlung geht es aber um recherchebasierte Ehrlichkeit und Aufklärung, nicht darum, vor allem eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Natürlich nutzen auch wir als Gedenkstätte Mittel des Storytelling – aber wir verdrehen keine Fakten. In den KI-Videos ist hingegen vieles falsch: Da taucht schon mal ein Alpenpanorama hinter einem Konzentrationslager in Norddeutschland auf. Die Beiträge sind voller Pathos und mitleidsheischender Effekte. Vor dem Hintergrund des realen Leids von Millionen Opfern nationalsozialistischer Verbrechen ist das pietätlos. Und sie untergraben die Erinnerungsarbeit echter Gedenkorte. Wie manipulativ diese Fälschungen wirken , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Prinzipiell ist es möglich, dass Polarlichter Funksignale stören, besonders Kurzwellensignale und GPS." Wie entstanden die Polarlichter, die in der Nacht von Montag auf Dienstag über Hamburg zu sehen waren? ZEIT-Redakteur Yannick Ramsel sprach darüber mit Marcus Brüggen von der Uni Hamburg . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Der Journalist und Autor Daniel Haas, der auch für die ZEIT tätig ist, feiert am 5. Februar in der Buchhandlung Wassermann seine Buchpremiere. In Einsamsein: Eine Befreiungsgeschichte erzählt er von Einsamkeit als prägendem Motiv einer generationsübergreifenden Familiengeschichte und von Prägungen, die ihn isoliert haben. Zugleich richtet der Autor den Blick nach vorn: auf die Möglichkeit von Zugehörigkeit jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und Zwänge. Donnerstag, 5. Februar, 19 Uhr; Buchhandlung Wassermann, Elbchaussee 577 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Die U1 fährt aufgrund einer polizeilichen Anordnung ohne Halt durch die Haltestelle Kellinghusenstraße. Zwei Jugendliche, die während der Durchsage in ihre Handys vertieft waren, schauen irritiert auf. Der eine sagt zu seinem Kumpel: "Ey, wir haben einfach Kelling geskippt, Digga!" Gehört von Nadia Blüthmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .