|
23.02.2026
06:00 Uhr
|
Die Elbvertiefung am Montag – mit einer möglicherweise illegalen Wohnsiedlung, Streit um die Finanzierung des Hafens und Chaos am Hauptbahnhof

Liebe Leserin, lieber Leser, drei Monate vor der Abstimmung über eine Olympia-Bewerbung der Stadt hat die NOlympia-Kampagne eine ernsthafte Auseinandersetzung über Sinn oder Unsinn dieses Vorhabens vorangebracht. Am Samstag reichte die Initiative knapp 20.000 Unterschriften für ein eigentlich selbstverständliches Anliegen ein: Sie kann nun ihre Argumente in der Broschüre vortragen, die mit den Wahlunterlagen Ende Mai an die Abstimmungsberechtigten versandt wird. Man stelle sich kurz vor, das würde nicht geschehen. Dann fänden die Hamburgerinnen und Hamburger demnächst ein 16-seitiges Infoheft in ihren Briefkästen vor, in dem der rot-grüne Senat auf acht Seiten seine Argumente für eine Hamburger Bewerbung vortragen würde, gefolgt von weiteren acht Seiten der Bürgerschaftsfraktionen. Unter jenen wiederum tragen SPD und Grüne den Senat und seine Politik, während die CDU sie in dieser Frage ausnahmsweise auch unterstützt. Nur AfD und Linke lehnen die Olympia-Bewerbung ab. Das Ergebnis wäre eine ziemlich einseitige Darstellung geworden – kein guter Beitrag zu einer sachlichen Auseinandersetzung. Nun können die NOlympia-Leute mitreden. Natürlich ist es völlig richtig, dass die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und ihre gewählte Regierung zum Referendum ihre Haltung begründen. Aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass sie in dieser Frage für die politische Mitte der Stadt sprechen, während ihre Widersacher in dieser Frage nur aus zwei kleinen politischen Lagern ganz links und ganz rechts stammen. Wenn dem so wäre, gäbe es wohl keine Volksabstimmung. Die Hamburger CDU plant übrigens eine eigene Plakatkampagne zur Unterstützung der Bewerbung. Aus Sicht der Partei kommt es darauf an, Position zu beziehen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass es der Pro-Olympia-Kampagne nützen wird, wenn sich in dieser Debatte sachliche und parteipolitische Argumente mischen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Was heute wichtig ist Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, hat Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in einem Brief dazu aufgefordert, Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für den Hafen und nicht für "Prestigeobjekte wie den Elbtower" zu verwenden. Tschentscher hatte zuvor kritisiert, Ploß setze sich nicht genug dafür ein, den Hafen stärker aus Bundesmitteln zu fördern. Schäden an einer Oberleitung im Hauptbahnhof haben am Sonntag den Zugverkehr behindert. Es kam zu Verspätungen, längeren Fahrzeiten und Umleitungen. Grund dafür war laut einem Bahnsprecher ein Kurzschluss, woraufhin ein Tragseil gerissen ist. Bis zum Abend war alles repariert. Mit einem 2:1 gegen Werder Bremen hat sich der FC St. Pauli am Sonntag auf den Relegationsplatz der Ersten Fußballbundesliga vorgekämpft. Der HSV spielte schon am Freitag 1:1 gegen Mainz und steht jetzt auf Platz elf. Voraussichtlich bis morgen Vormittag fließt der Verkehr auf der A7 nur zäh. Nach einem Warnstreik bei der Autobahn GmbH am Freitag und Bauarbeiten am Wochenende schränkt nun ein weiterer Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di die Nutzbarkeit des Elbtunnels ein. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) möchte die Hamburger Volksgesetzgebung ändern. In der Welt am Sonntag warb sie für die Idee, eine ausländische Finanzierung für Volksinitiativen künftig auszuschließen, größere Spenden offenzulegen und dem Senat öffentliche Stellungnahmen zu gestatten. Aus Hamburg Harte Nummer Eine Harburger Kleingartensiedlung ist seit 80 Jahren bewohnt. Daran stört sich nun plötzlich das Bezirksamt – und ließ schon ein Haus räumen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor Tom Kroll. Ginge es nach den Plänen des Bezirksamts Harburg, dann wäre im Postkasten des Nymphenwegs 30 nur noch ein einziger Brief gelandet: und zwar der vom 4. August 2025. Geschickt hatte ihn das Amt selbst. In dem zweiseitigen Schreiben teilen die Beamten mit, dass "hiermit" die "irrtümlich erteilte Hausnummer" aufgehoben sei. Mit dieser Aufkündigung der Meldeadresse würden 81 Menschen heimatlos werden. Das ist nicht schön, aber aus Sicht des Bezirksamts rechtens. Und darum geht es dessen neu gewähltem Leiter, dem Sozialdemokraten und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Christian Carstensen. Der Nymphenweg 30 ist ein Areal mit Sandweg und hohen Hecken am Rand des Harburger Stadtparks. Offiziell befinden sich dort "Dauerkleingärten", so steht es in einem Bebauungsplan aus dem Jahr 1968. In den als "Grünfläche" ausgewiesenen Grundstücken sollen die Nutzer grillen, gärtnern und sich sonnen – und abends wieder nach Hause gehen. Keinesfalls dürfen Menschen in derartigen Anlagen leben. Damit ebendas nicht geschieht, erhalten sie an sich auch keine Postanschrift. Der Nymphenweg 30 aber hat beziehungsweise ist eine Postanschrift. Was an der fraglichen Adresse vorzufinden ist, wirkt auf den ersten Blick auch nicht wie eine Kleingartensiedlung. Dort wären nur 24‑Quadratmeter‑Lauben zulässig, hier aber stehen etliche bungalowartige Einfamilienhäuser mit Anbauten und ausladenden Terrassen. Es gibt Klingelschilder, Pforten, Gardinen und rauchende Schornsteine, auf den Satellitenbildern von Google Maps lassen sich sogar Swimmingpools erkennen. "Dass wir hier leben, war nie ein Geheimnis", erzählt eine der Bewohnerinnen. Sie habe sich in ihrem Heim sicher gefühlt, sagt sie, 2021 sei die Hausnummer sogar offiziell noch einmal neu vergeben worden. Die Menschen in der Siedlung sind schüchtern. Einige schauen auf den Boden und sagen, sie wollten nicht mit Journalisten reden. Andere fürchten, etwas Falsches zu sagen und "den Prozess" zu gefährden. Ein großer Mann mit kleiner Brille stellt sich als Sprecher vor. Wolf-Dieter Balaszeskul ist 67, selbstständiger Aloe-vera-Händler und Apothekenbote. Er sei vor ein paar Jahren zugezogen, berichtet er und öffnet seine Pforte. Wie es für die Bewohner der Siedlung nun weitergehen soll , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Kurze Haare sind praktischer als lange In der Serie "Was ich gerne früher gewusst hätte" verraten jede Woche Prominente, was sie erst spät begriffen haben. Die neue Folge bestreitet der Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif. Der 71-Jährige ist in Hamburg als Sohn pakistanischer Eltern aufgewachsen und lehrt heute am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Zudem ist er Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Gesellschaft Club of Rome. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Das nächste Feierabendkonzert des Kammerkunstvereins in der Halle 424 im Oberhafen steht unter dem Titel "Glanz". Im Zentrum des Abends: Gabriel Faurés erste Violinsonate A-Dur für Violine und Klavier. Juditha Haeberlin (Violine) und Franck-Thomas Link (Klavier) spielen zudem Werke von Scarlatti sowie Geigensoli des schwedischen Komponisten Johan Helmich Roman. "Glanz", 25.2., 18 Uhr; Halle 424, Stockmeyerstraße 43 , weitere Infos und Tickets gibt es hier Meine Stadt Hamburger Schnack Neulich im Bus der Linie 5 in Richtung Innenstadt. An der Haltestelle "Hoheluftbrücke" steigen die Fahrgäste ein und aus. Der Busfahrer fährt los, stoppt dann aber doch und wartet auf eine Frau, die angerannt kommt. Er lässt sie noch einsteigen. Eine Mitfahrerin, in Hörweite des Busfahrers: "Meine Mutter hat immer gesagt, Bussen und Männern soll man nicht hinterherlaufen. Es kommt immer der nächste!" Gehört von Heide Alster Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen Harte Nummer (Z+) – Eine Harburger Kleingartensiedlung ist seit 80 Jahren bewohnt. Daran stört sich nun plötzlich das Bezirksamt und ließ schon ein Haus räumen. Mojib Latif: Was ich gerne früher gewusst hätte (Z+) – Hier verraten jede Woche Prominente, was sie erst spät begriffen haben. Mojib Latif, 71, ist ein deutscher Klimaforscher und Meteorologe.