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13.01.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – mit Corny Littmanns Bühnenjubiläum, 500 Menschen in der S-Bahn, Tauwetter und Geheimkonzerten

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn man an Urgesteine des Hamburger Kulturlebens denkt, dann denkt man auch an Corny Littmann. Wobei er da wohl widersprechen würde. Denn Littmann sagt: "Ich bin nicht Hamburger, ich bin St. Paulianer – und damit hat sich das." Doch ob er nun will oder nicht, Littmann prägt das kulturelle Leben der Stadt: Als Impresario der Schmidt Theater an der Reeperbahn, als früherer Präsident des FC St. Pauli, als Klassensprecher des Kiez. Und er tut das schon lange, mindestens seit dem 13. Januar 1976. Damals – heute vor 50 Jahren – stand er zum ersten Mal mit seiner Theatertruppe auf einer Bühne. Das war in der Fabrik in Altona, seine Truppe hieß Brühwarm und machte schwules Kabarett. Heute weht jedes Jahr zur Pride Week die Regenbogenfahne über dem Rathausmarkt. An der Binnenalster wird bald ein besonderer Ort entstehen , der die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt feiert. Das heißt nicht, dass Hass und Gewalt gegen Schwule, Lesben und andere queere Menschen heute kein Thema mehr sind. Doch manchmal unterschätzt man als Nachgeborener (m/w/d), wie anders die gesellschaftlichen Verhältnisse in den 1970er-Jahren waren. Mir wurde das in Erinnerung gerufen, als ich zwischen den Jahren einen Vortrag von Simon Schultz hörte. Schultz ist Doktorand an der HFBK Hamburg und sprach über die polizeiliche Überwachung von Pissoirs, die in Hamburg bis 1980 üblich war. Das klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber wahr: In zehn öffentlichen Toiletten gab es damals geheime Kammern, in denen von Zeit zu Zeit Polizeibeamte saßen und heimlich beobachteten, was an der, Pardon, Pissrinne so vor sich ging. Das war Teil der städtischen Strategie gegen "homosexuelle Umtriebe". Wurde jemand dabei erwischt, eventuelle Anbahnungsversuche bei seinem Nebenmann zu unternehmen, schritt der Beamte zur Tat – und erteilte ein Hausverbot für die Herrentoilette. Auch das klingt wie ein schlechter Scherz. Tatsächlich, so vermutet Simon Schultz, ging es wohl eher darum, die Personalien zu erfassen und das Register aktuell zu halten, in dem die Behörden die ihnen bekannten Homosexuellen verzeichneten. Und das klingt nun gar nicht mehr witzig. Sie können hier einen Videomitschnitt des Vortrags anschauen . Die heimliche Überwachung endete erst, als eine Gruppe queerer Menschen darauf aufmerksam machte. Sie tat das sehr wirkungsvoll, geradezu theatralisch: Einer von ihnen trat im Jahr 1980 vor einen Spiegel, hinter dem sich die geheime Kammer der Polizei befand, und schlug ihn mit einem Hammer ein. Wer das war? Genau, Corny Littmann. Er musste nicht fürchten, dass man ihn durch diese Aktion ins zentrale Schwulenregister eintragen würde. Er hatte sich ja längst geoutet vor der Stadt und ihren Spitzeln. Am 13. Januar 1976, mit seiner Theatergruppe Brühwarm. Heute Abend feiert der St. Paulianer im Schmidt Theater sein Bühnenjubiläum. Und vom 16. bis 19. April zeigt Simon Schultz auf Kampnagel eine performative Ausstellung über die historischen Toilettenspitzel und heutigen queeren Aktivismus. Titel: Hammerschlag. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Oskar Piegsa WAS HEUTE WICHTIG IST Rund 500 Fahrgäste saßen am Montagnachmittag in einer S-Bahn zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook fest. Gegen 15 Uhr sei der Zug der Linie S3 zwischen den Bahnhöfen Hammerbrook und Elbbrücken zum Stehen gekommen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Daraufhin musste der S-Bahn-Verkehr zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook in Richtung Innenstadt eingestellt werden. Am Bahnhof Elbbrücken konnten die Fahrgäste schließlich nach Stunden den Zug verlassen, teilte die Bundespolizei mit. Hinweise auf einen Zusammenhang zu den Witterungsverhältnissen gebe es bislang nicht. Für heute ist Tauwetter vorhergesagt: Die Hamburger Behörden sowie die Feuerwehr warnen eindringlich davor, das Eis auf den zugefrorenen Gewässern in der Stadt zu betreten. "Es gibt kein tragfähiges Eis in Hamburg", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Montag. Bislang hätten sich alle in Hamburg auf die Warnung eingestellt, kein Mensch sei ins Eis eingebrochen, die Feuerwehr musste nicht ausrücken. Am Wochenende waren die Temperaturen in Hamburg auf bis zu minus 14 Grad gesunken. Der Wirbel um den früheren Sportvorstand Stefan Kuntz beschäftigt die Mannschaft des Hamburger SV ebenso wie den Verein. "Natürlich haben wir darüber gesprochen", sagte Cheftrainer Merlin Polzin in der Spieltags-Pressekonferenz am Montag. Sein Motto und das Credo seien aber auch, "dass wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir beeinflussen können". Kuntz hatte zum 31. Dezember 2025 überraschend seinen Vertrag beim HSV nach anderthalb Jahren aufgelöst. Am Sonntag berichtete die Bild- Zeitung von Anschuldigungen gegen den 63-Jährigen, denen der frühere Fußballnationalspieler am Abend auf seinem Instagram-Account widersprach. Nachricht des Tages Der Wissenschaftler und frühere Senator Hansjörg Sinn ist gestorben. Das teilte sein Sohn mit. Sinn, der in Ludwigshafen am Rhein geboren wurde, folgte 1965 einem Ruf an die Universität Hamburg. Hier übernahm er eine Professur für Angewandte Chemie. Er engagierte sich auch in der Leitung der Universität, später wechselte er ins Rathaus. Von 1978 bis 1984 war Hansjörg Sinn parteiloser Wissenschaftssenator und initiierte die Gründung der Technischen Universität im Stadtteil Harburg, ein Anliegen, das er zu diesem Zeitpunkt schon lange verfolgt hatte. Einen Erfolg dieser Gründung konnte Sinn im vergangenen Sommer noch miterleben: Da wurde der TU Hamburg – die jünger und kleiner ist als viele andere in Deutschland – die Finanzierung eines Exzellenzclusters zugesprochen, was in etwa dem Aufstieg in die Bundesliga der Forschung entspricht. TU-Präsident Andreas Timm-Giel bezeichnete Hansjörg Sinn als "wichtigsten Vordenker" der Hochschule und sagte: "Sein Leitbild ›Technik für die Menschen‹ prägt uns bis heute." Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) würdigte, dass Hansjörg Sinn "unsere Stadt als Wissenschaftsstandort entscheidend geprägt" habe. Das Präsidium der Universität Hamburg spricht von Sinn als einem herausragenden Forscher und engagierten akademischen Lehrer. Verstorben ist Hansjörg Sinn bereits am 16. Dezember im Alter von 96 Jahren. Heute gibt es um 14 Uhr eine Trauerfeier in der Dorfkirche Buntenbock in Clausthal-Zellerfeld im Harz. Hier hatte Sinn zuletzt gelebt. Oskar Piegsa In aller Kürze • Bei einem Auffahrunfall nahe Reinbek wurden am Sonntagabend sieben Menschen verletzt, darunter ein Baby • Nach dem Brand einer Gaststätte in Barmbek haben 16 Bewohner in der Nacht zu Montag ihre Wohnungen verlassen müssen. Wie die Feuerwehr mitteilte, brannte die Gaststätte am Wiesendamm komplett aus, ein Teil des Gebäudes stürzte ein, die Bewohner wurden in Bussen untergebracht THEMA DES TAGES Für manche ist es ein Katastrophentag. Für andere Winter Schulen zu, Bahnen stehen still, Straßen leer: So war der Sturmfreitag in Hamburg. ZEIT-Autor Tom Kroll war unterwegs in der Stadt; lesen Sie hier einen Auszug aus seiner Reportage. Der Schnee umwirbelt Bernhard Süß und seine Hündin Leni. Die beiden stehen an Gleis 11 des Hamburger Hauptbahnhofs, es ist Freitag, 11.19 Uhr, und gerade ist klar geworden, dass der Fernverkehr sie nicht mehr nach München bringen wird. Der 65-jährige Rentner wirkt dennoch gelassen. "Das Wetter stresst mich nicht", sagt er, vor dem Bahnhof steht der Schnee den Menschen bereits bis zu den Knien. Süß sagt, in München sei man "noch mehr Schnee gewöhnt". Gekommen war der Mann aus Lappland. Dort hatte er Urlaub gemacht, bei minus 30 Grad. Der Nachtzug aus Stockholm brachte ihn nach Hamburg. Nun sitzt er hier fest. An diesem Vormittag weiß noch niemand so richtig, ob der ausgefallene Fernverkehr das Dramatischste ist, was heute passieren wird. Für Norddeutschland war ein starker Schneesturm angekündigt worden (Z+) , der am Nachmittag seinen Höhepunkt erreichen sollte. In Hamburg schlossen vorsorglich die Schulen, Beerdigungen fanden nicht statt, und sogar Bundesligaspiele fielen aus. Mittlerweile kann man sagen: Alles ist weniger schlimm geworden als angenommen. Das hat wohl auch mit dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Peter Tschentscher (SPD), zu tun. Er hatte am Vorabend des Sturms gegen 20 Uhr ein Warnvideo auf seinem Instagram-Kanal hochgeladen, in dem er mit gefalteten Händen und besorgter Miene alle "Bürgerinnen und Bürger" bat, zu Hause zu bleiben. "Gemeinsam bewältigen wir die Lage am besten", sagte er und weckte wohl bei einigen Zuschauerinnen und Zuschauern Erinnerungen an die längst verdrängte Coronapandemie. In den Abendstunden vor dem Sturmtag zogen also die Hamburgerinnen und Hamburger in die Supermärkte und Discounter. In vielen Filialen leerten sich die Regale mit Konserven und Trinkwasserflaschen merklich, so als ob der Sturm nicht nur einen Tag und eine Nacht, sondern eine ganze Woche wüten würde. Der ehemalige Fußballprofi und heutige Rewe-Filialleiter Holger Stanislawski postete ein Bild aus seinem Markt in Hamburg-Barmbek: darauf das volle Klopapier-Regal und die Worte "Ruhe bewahren". Und so sind am Freitag Hamburgs Straßen den ganzen Tag über wie leer gefegt. Wie es war, wenn man doch vor die Tür ging , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ " Und erst im allerletzten Moment erfährt man, welche Musikerinnen und Musiker auftreten werden. Im Falle von William Jack kam die entsprechende E-Mail zehn Minuten nach Einlass und zwanzig Minuten vor Konzertbeginn. " Kommen mehr Leute zu Konzerten von Newcomern, wenn man vorab nicht verrät, wer spielt? ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa hat sich das Experiment der Veranstalter angeschaut . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Heute startet auf Kampnagel das fünftägige Festival "klub katarakt" – zugleich feiert die Reihe ihr 20-jähriges Bestehen als Plattform für experimentelle Musik. Das Programm reicht von ausgefallen bis avantgardistisch und folgt dabei dem Anspruch, dass für die Begegnung mit den Klängen kein Spezialwissen erforderlich ist. Das Eröffnungskonzert bespielt die ineinander übergehenden Hallen P1, KMH und K4. Das Publikum ist eingeladen, sich frei durch Raum und Klang zu bewegen. "klub katarakt", Dienstag, 13., bis Samstag, 17. Januar; Kampnagel, Jarrestr. 20; das komplette Programm finden Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Abends zu Fuß in der Zeißstraße. Auf dem verschneiten Bürgersteig ist die Schneedecke griffig, zum Teil gestreut. Ich gehe entspannt. Plötzlich ist es darunter spiegelglatt, und ich rutsche aus, kann mich gerade noch wieder fangen, gehe weiter. Ein Mann biegt um die Ecke. Ich: "Seien Sie bitte vorsichtig, es ist teilweise spiegelglatt unter dem Schnee. Ich hätte mich fast hingelegt." Er guckt mich an und sagt: "Hinlegen ist später", und geht seelenruhig an mir vorbei. Gehört von Anne Schumacher Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .