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25.11.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – mit zwei Bränden, acht Niederlagen in Folge, einer neuen Brücke und dem Satz: "Wir schaffen das nicht allein"

Liebe Leserin, lieber Leser, vieles orientiert sich in Hamburg an den Bedürfnissen derer, die schon lange hier leben – seit Jahren, Jahrzehnten, Generationen. Dafür gibt es gute Gründe. Aber was ist mit denen, die nur ein paar Stunden hier sind? "Wäre heute von 20.27 Uhr bis 22.08 Uhr am Hauptbahnhof", schrieb mir am Freitagnachmittag eine gute Freundin; "bist Du spontan?" Ein beruflicher Termin hatte sie in den Norden geführt, nun ging es mit dem Nachtzug zurück nach Zürich. Wir hatten uns ewig nicht gesehen, außerdem wusste ich, was für ein barbarischer Ort der Hauptbahnhof um diese Zeit ist, also war ich pünktlich an Gleis 13. Sie auch. Hallo, na, willkommen in Hamburg, haha, ja wie schön, wir sagten, was man halt so sagt, dann beschlossen wir: Raus hier. Nur: Wohin? Was tun? Hungrig waren wir beide nicht, die Geschäfte hatten längst geschlossen, die Vorstellung im Ohnsorg Theater lief schon, für einen Spaziergang an der Alster war es deutlich zu frisch. Mir fiel ein, dass ich unlängst in einem der umliegenden Hotels hervorragenden Pfefferminztee getrunken hatte, das schien jetzt passend, es war wirklich affenkalt. Wir setzten uns also an der Bar, plauderten, aßen doch noch was, dann war es 22 Uhr. Wir zahlten und brachen auf, aber am Gleis stand kein Nachtzug nach Zürich, technische Störung, neue Abfahrtszeit: in einer Stunde. Toll, und jetzt? Ich hatte in der Nähe geparkt, wir fuhren einmal um die Alster, zufällig war gerade Dom-Feuerwerk, es knallte und glitzerte in der Ferne, wie schön. Wir kurvten durch die besseren Viertel, parkten wieder, nur leider war auch um 23 Uhr noch immer kein Zug in Sicht. Neue Abfahrtszeit: 23.38 Uhr. Oh, Mann. Wir gingen noch mal in die Hotelbar, der sichtlich irritierte Kellner brachte eine neue Runde Pfefferminztee, dann eilten wir zurück auf den Bahnsteig – neue Abfahrtszeit 0.08 Uhr. Ächz, na gut, nächste Hotelbar. Dann zurück: neue Abfahrtszeit 0.38 Uhr. Wohin jetzt? McDonald’s? Bahnhofsmission? Ein Info-Schalter war noch besetzt, während wir in der Schlange standen, sprang die Abfahrtszeit auf 1.08 Uhr. Wie ist das eigentlich, fragten wir uns bald: Gibt die Bahn in solchen Fällen irgendwann auf? Und wie kommt es, dass der Hamburger Hauptbahnhof Passagieren, die hier ankommen oder abfahren oder beides, so zielgenau das Gefühl vermittelt, sie seien wirklich selbst schuld, ausgerechnet hierher zu kommen? Für einen Ort, für den Ankommen und Abfahren (und damit auch Warten) zum Kerngeschäft gehört, eine glatte Themaverfehlung. Am Montag vermeldete das Statistikamt Nord die neuen Tourismuszahlen für den Herbst 2025. Werden Übernachtungen, die wegen stark verspäteter Nachtzüge unvermeidbar sind, eigentlich gesondert ausgewiesen? Frage für eine Freundin. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Bei einem Hochhausbrand in Mümmelmannsberg ist eine 44-jährige Frau am Montag lebensgefährlich verletzt worden. Der Brand ist den Angaben zufolge in einer Wohnung im vierten Stock ausgebrochen. Der Notruf sei um die Mittagszeit eingegangen; wie ein Sprecher mitteilte, wurden kurz nach 14 Uhr alle Bewohner des Hauses in Sicherheit gebracht. Die Brandursache ist der Polizei nicht bekannt. Wenige Stunden zuvor war in einer Dachgeschosswohnung in Schenefeld ein Feuer ausgebrochen. Auch hier ist die Brandursache noch unklar, verletzt wurde niemand. Zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte hat der FC St. Pauli acht Spiele in Serie verloren. "Das nächste Spiel ist gegen die Bayern. Das werden wir nicht hoch gewinnen", sagte Präsident Oke Göttlich nach dem 0:1 gegen den 1. FC Union Berlin am Sonntag bei DAZN. Dem Trainer Alexander Blessin stärkte Göttlich demonstrativ den Rücken. Dieser versuchte den Optimismus nicht zu verlieren: "Wir müssen zusammen versuchen, den Karren aus dem Dreck zu hauen." Anpfiff gegen den FC Bayern ist am Samstag um 15.30 Uhr. Beim Neubau der Berlinertordammbrücke im Osten Hamburgs ist eine wichtige Etappe erreicht. Der erste Teil der Querung soll am Donnerstag für den Autoverkehr freigegeben werden. "Der Neubau liegt voll im Zeitplan", teilte die Verkehrsbehörde mit. Fußgänger und Radfahrer können ihn bereits seit Mitte des Monats nutzen. Die Brücke verbindet die Innenstadt mit Hamburgs Osten. Sie führt über die Bahngleise und die sechsspurige Straße Bürgerweide, die die B5 vom Horner Kreisel mit der B75 zu den Elbbrücken verbindet. In aller Kürze • Der Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus ist eröffnet. Nach Angaben der Stadt besteht der Weihnachtsmarkt aus rund 80 Buden und zieht Jahr für Jahr annähernd drei Millionen Besucher an • Der Mann, den zwei Kanufahrer am Sonntag tot in der Alster gefunden haben, war ein seit Tagen vermisster dementer 85-Jähriger, der in der vorigen Woche aus einem Pflegeheim verschwunden war AUS DER HAMBURG-AUSGABE "Wir schaffen das nicht allein" Welche Folgen hat der Zukunftsentscheid für Airbus in Hamburg? Deutschland-Chef André Walter spricht im Interview über das Fliegen mit Wasserstoff, künstliche Intelligenz und die Grenzen von Robotern. Die Fragen stellte ZEIT-Autorin Kristina Läsker; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. DIE ZEIT: Hamburg pflegt sein Image als Hafenstadt. Dabei ist die Luftfahrt hier ökonomisch viel wichtiger. Der Bau und die Wartung von Flugzeugen und der Flugbetrieb bescheren der Region pro Jahr etwa 6,9 Milliarden Euro Wertschöpfung. Ärgert es Sie, dass trotzdem alle über den Hafen sprechen und Ihre Branche viel weniger Aufmerksamkeit bekommt? André Walter: Hamburg ist traditionell eine Hafenstadt. Darauf sind wir nicht neidisch. Aber am Luftfahrtstandort hängen heute 48.000 Arbeitsplätze, mehr als ein Drittel stellt Airbus. Wir sind ein wichtiger Teil der Hamburger Gesellschaft geworden, und wir wachsen weiter. Man kann froh sein als Region, dass man an diesem Sektor beteiligt ist. Wir sind sogar ein Tourismusmagnet. ZEIT: Ach ja? Walter: Bis zu 80.000 Menschen besichtigen unser Werk im Jahr, und es werden immer mehr. Im Mai haben wir am Werkstor in Finkenwerder das "Elbair" eröffnet – ein Besucherzentrum mit einem Hotel, einem Restaurant und einem Supermarkt. Das hilft auch den mehr als 20.000 Menschen, die auf dem Firmengelände arbeiten. ZEIT: Hamburg ist der drittgrößte Luftfahrtstandort der Welt, wie konnte das gelingen? Walter: Es gibt in der Region schon seit Langem Menschen, die sich mit Flugzeugbau auskennen. Bereits in den Dreißigerjahren wurden auf der Werft Blohm & Voss Flugboote entwickelt. Ende der Fünfzigerjahre baute Hamburg seine Luftfahrtindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. 1969 siedelte sich Airbus an. Heute ist das Werk in Finkenwerder der größte deutsche Airbus-Standort mit mehr als 30 Hallen. ZEIT: Airbus hat Werke in Augsburg, Stade, Buxtehude, Varel, Nordenham und Bremen sowie in vielen Städten in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Was geschieht in Finkenwerder? Walter: In Hamburg holen die Kunden ihre Flugzeuge ab. Wir machen hier die Endmontage für die Maschinen der A320-Familie. Die hinteren Rümpfe fertigen wir selbst, der Rest wird geliefert. Die Cockpits und vorderen Rümpfe etwa baut Airbus in Frankreich, die Flügel kommen aus Wales, die Seitenleitwerke aus Stade. Wie sich die vorgezogenen Klimaziele auf die Arbeit von Airbus auswirken , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Wir wurden ja wirklich schon totgesagt" Seit einem Jahr führt Ines Schwerdtner die Linkspartei. Im Arbeitspodcast "Frisch an die Arbeit" erzählt die in Hamburg aufgewachsene Politikerin, wie sie ihre Partei populär machen will – und wie sie den Stress los wird . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Eine Königin auf der Suche nach neuen Kleidern: Alle Besucher des Mitmach-Märchens Fashion-Liesel im Fundus Theater sind eingeladen, für die riesige Strickliesel-Königin neue Klamotten zu kreieren. Jeder Besucher bekommt eine Strickliesel und kann gemeinsam mit den anderen an etwas Neuem arbeiten. Nebenbei stellen sich Fragen nach Nachhaltigkeit, Spaß an der Arbeit – und muss man überhaupt alle Wünsche der Königin erfüllen? "Fashion-Liesel", 27. bis 30. November, Fundus Theater, Platz der Kinderrechte, Sievekingdamm 3; weitere Infos und Tickets hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Stopp-and-Go-Verkehr abends auf der Amsinckstraße stadtauswärts. Es regnet in Strömen. Plötzlich hupt es mehrfach schräg hinter mir. Ich lasse mein Fenster runter und sehe ein Fahrzeug mit geöffnetem Beifahrer-Fenster. Der Fahrer ruft aufgeregt und verzweifelt: "Bratwurst-Schorsch! Hamburger Dom! Wo geht's lang!?" – "Oh", antworte ich, "da müssen Sie wieder zurück in die Stadt rein", und zeige ihm grob die Richtung an. Die Beifahrerin sagt ganz entspannt: "Na, dann dauert's ja wohl noch ein bisschen bis zum Abendbrot!" Erlebt von Katja Fülscher Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .