Zeit 04.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Neue Fahrräder für Hamburg – ausleihen und irgendwo stehen lassen


Die Elbvertiefung am Mittwoch – Mit einem Bündnis von Sozialdemokraten, Grünen und Linken, Badegutscheinen und einem schwebenden Käse

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Neue Fahrräder für Hamburg – ausleihen und irgendwo stehen lassen
Liebe Leserin, lieber Leser, ein Gespräch vor ein paar Tagen hat mir vor Augen geführt, wie schnell sich unsere Art und Weise ändert, in der Stadt vom Fleck zu kommen. Mein Gegenüber war Rania Bouaouina von Lime. Das ist das Unternehmen, das vor allem innerhalb des Rings 2 kleine grüne Elektroroller aufstellt, instand hält und von entlegenen Plätzen wieder abholt. Bisher habe ich diese Dinger für Spaßmobile gehalten, die für ernsthafte Menschen akzeptabel sind, solange sie nicht im Weg herumstehen. Rania Bouaouina wies mich darauf hin, dass ihre Gefährte vor allem im Berufsverkehr unterwegs sind, als Zubringer für Busse, S- und U-Bahnen. Menschen, die Elektroroller ablehnen, könnten einwenden, die Nutzer sollten gefälligst zu Fuß gehen. Ich denke, das ist ihre Sache, und daran ändert sich nichts, weil sie die Fahrzeuge manchmal sorglos abstellen. Andere Verkehrsmittel schaffen auch Nachteile für Unbeteiligte, ohne dass das als Grund gilt, nach ihrer Abschaffung zu rufen. Es ging in dem Gespräch aber noch um etwas anderes, wenn man so will: um eine Rückkehr in die Vergangenheit. Lime hat gerade Roller aus Hamburg abgezogen und dafür Elektroräder aufgestellt, auch außerhalb des Stadtkerns. Gab es schon, könnte man dagegen sagen, immerhin beherbergt Hamburg eine riesige Stadtradflotte. Doch deren Räder haben feste Standorte, das lässt eine Lücke für Anbieter wie Lime. Fahrerinnen und Fahrer sollen mit den Rädern weitere Strecken zurücklegen können, als es mit E-Rollern angenehm ist. Und sie sollen Gepäck transportieren können, etwa ihre Einkäufe. Die neuen E-Leihräder kommen aus Berlin. Dort machen sie der nächsten Fahrradgeneration Platz, die kleiner und niedlicher ist, und so gesehen noch besser in die Enge einer modernen Stadt passt. Was mir gefällt, an dieser Instant-Mobilität: Sie entlastet nicht nur die Straßen, sondern sie tut es ohne öffentliche Zuschüsse – einfach, weil es ein Bedürfnis gibt und die Möglichkeit, es zu akzeptablen Preisen zu befriedigen. Wann ist ein Fortschritt mal so einfach? Kommen Sie gut durch die Stadt! Ihr Frank Drieschner WAS HEUTE WICHTIG IST Eine ungewöhnliche politische Allianz wendet sich in Hamburg gegen die von der Bundesregierung angekündigte Einschränkung bei Integrationskursen. In einem gemeinsamen Antrag fordern die Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grünen und Linken den Bund auf, Zuwanderern den Zugang zu den Kursen wieder uneingeschränkt zu ermöglichen. In Hamburg sind mehr Kinder und Jugendliche krankhaft übergewichtig als im Bundesdurchschnitt: Im Jahr 2024 erhielten 3,4 Prozent der unter 15-Jährigen die Diagnose Adipositas, teilte die Barmer-Krankenkasse anlässlich des heutigen Welt-Adipositas-Tages mit. Wegen der Eskalation in Nahost bleibt in Hamburg der Flugverkehr in die Krisenregion unterbrochen : Die Verbindungen von Emirates nach Dubai, von Qatar Airways nach Doha und von Eurowings nach Erbil und Tel Aviv seien nach wie vor ausgesetzt, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit. Der Umsatz des Hamburger Dax- Konzerns Beiersdorf lag 2025 auf Vorjahresniveau bei knapp 9,9 Milliarden Euro, wie sich aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens ergibt. Auch 2026 erwartet Beiersdorf nur wenig Wachstum. Der weltweite Hautpflegemarkt habe sich deutlich abgeschwächt, hieß es zur Begründung. Hamburg setzt sich gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen für einen besseren Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt ein . Unter anderem sollen Femizide an Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen als neues Mordmerkmal ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Nachricht des Tages Der Hamburger Senat möchte Grundschülern helfen, schwimmen zu lernen, und hat zu diesem Zweck 19.000 Besuchsgutscheine für die städtischen Schwimmbäder verteilt. Sie sollen Kindern und einem Elternteil drei kostenlose Badbesuche ermöglichen und dazu beitragen, dass in Hamburg "eine olympische Generation aktiver und sportbegeisterter junger Menschen" heranwächst, wie Sport- und Innensenator Andy Grote gestern anlässlich eines "Aktionstags" in der Badeanstalt Bäderland Billstedt erklärte. Die Fraktion der Linken in der Bürgerschaft und die Anti-Olympia-Kampagne NOlympia kritisierten die Maßnahme. Die Linken verweisen auf die hohen Eintrittspreise der städtischen Schwimmbäder, die Einwohner mit geringem Einkommen daran hinderten, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich ergänzt, in den vergangenen Jahren seien mehrere Sommerfreibäder dauerhaft geschlossen worden, zudem reiche das Angebot an Schwimmkursen in den städtischen Schwimmbädern nicht aus. Gutscheine und Aktionstage würden diese Probleme nicht lösen. Frank Drieschner AUS HAMBURG Elbblick für alle Die Bewohner von St. Pauli entwerfen gerade einen Park nach ihren Vorstellungen. Das Ergebnis ist zum Teil wild – aber womöglich auch wegweisend. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik: Die Hafenkante ist einer der seltsamsten Orte dieser Stadt: eine freie Fläche direkt an der Elbe, prominent gelegen zwischen Fischmarkt und Landungsbrücken – genutzt als Parkplatz für Wohnmobile. Nur zum Hafengeburtstag und sonntags beim Fischmarkt flanieren hier Menschen am Wasser entlang, an allen anderen Tagen wirkt der asphaltierte Platz trist. Doch das könnte sich bald ändern, denn die Hafenkante soll umgestaltet werden (Z+) . Mitte Februar präsentierte die Umweltbehörde den Siegerentwurf ihrer Ausschreibung . Er stammt von dem Hamburger Büro Rabe Landschaften und dem schwedischen Architekturbüro White Arkitekter. Geplant sind unter anderem ein Basketballplatz, eine Skate-Anlage und Sitzbänke am Elbufer, dazwischen sollen mit Bäumen und Büschen bepflanzte Grünflächen entstehen. Alle Bauelemente müssen auch Sturmfluten trotzen können. Und weil Fischmarkt und Hafengeburtstag weiterhin stattfinden sollen, wird der Platz nicht komplett entsiegelt. Auch eher schräg anmutende Ideen fanden Eingang in den Entwurf, etwa ein großer Pavillon in Form einer Ananas und das "Käse-Haus", eine Art löchriger Ausguck auf Stelzen, der einige Meter über dem Platz schweben soll. Was dort noch entstehen soll , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Texts von Annika Lasarzik. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Ach, diese Leere, diese entsetzliche Leere In Offline-Clubs zahlen Menschen Geld dafür, dass ihr Handy weggeschlossen wird. Was bringt die Auszeit? ZEIT-Autorin Helene Altgelt hat es in Hamburg ausprobiert → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Bei "Musik im Dunkeln – ein Abend für das Dialoghaus" in der Laeiszhalle ist der Titel wörtlich zu nehmen: Das Hören steht im Mittelpunkt. Hier wird das bekannte Format "Dialog im Dunkeln" auf ein Konzert übertragen. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler treten in einem abgedunkelten Saal auf, und auch die Bühne bleibt deutlich dunkler als üblich. Die Mitwirkenden verzichten zugunsten des Dialoghauses auf ihre Gagen. "Musik im Dunkeln – ein Abend für das Dialoghaus", 16.3., 19 Uhr; Laeiszhalle Großer Saal, Johannes-Brahms-Platz; Tickets gibt es hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Bahnhof Harburg am Bahnsteig, wartend auf einen verspäteten Zug. Eine Lok einer Schweizer Eisenbahngesellschaft passiert ohne Wagen den Bahnhof. Ein älterer Herr zu seiner Frau: "Warum fährt die Lok allein?" Die Frau: "Die ist auf der Flucht vor dem deutschen Bahnchaos." Gehört von Martha Erdmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .