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17.02.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – mit Karneval in Hamburg, einer Reise nach Indien und Trauer um die Künstlerin Henrike Naumann.

Liebe Leserin, lieber Leser, Rolf Habben Jansen mag festliche Bälle nicht sonderlich. Das gestand er mir kürzlich in einem Gespräch. Der Hamburger Presseball Ende Januar könnte dem Chef der Reederei Hapag-Lloyd aber bei einem Milliardendeal geholfen haben, denn mit am Tisch saß Ron Prosor, der israelische Botschafter. Er war ein guter Gesprächspartner für eine große Übernahme, die Hapag-Lloyd schon seit Herbst im Geheimen angebahnt und gestern unterzeichnet hat: Der Konzern will die israelische Reederei ZIM aus der Mittelmeer-Stadt Haifa für etwa 3,5 Milliarden Euro kaufen. ZIM ist die zehntgrößte Reederei weltweit, Hapag-Lloyd ist die Nummer fünf. Gemeinsam verfügen die beiden Unternehmen über eine Flotte von etwa 420 Schiffen, sie können mehr als 18 Millionen Container pro Jahr transportieren. Der Kauf werde "unsere Spitzenposition festigen", sagte Firmenchef Habben Jansen gestern in einem Videocall aus Tel Aviv. Der Markt der Seetransporte ist klar verteilt: Zehn Reedereien beherrschen gut 85 Prozent der weltweiten Flotte. Der Kauf von ZIM war eine der letzten Chancen, sprungartig zu wachsen, auch Rivalen wie MSC oder Maersk waren an der Übernahme interessiert. Der Staat Israel muss dem Deal noch zustimmen, und es regt sich Widerstand: Die Übertragung des Eigentums in ausländische Hände schade der nationalen Sicherheit und müsse gestoppt werden, sagte Yona Yahav, Bürgermeister von Haifa, der Zeitung Globes . Das liegt auch an zwei Großaktionären von Hapag-Lloyd: Die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien halten zusammengerechnet 22,5 Prozent an dem Hamburger Konzern. Die Sorge: Sollte es zu einem neuen Nahostkrieg kommen, könnten die arabischen Anteilseigner auf die Reederei Druck ausüben, die Versorgung von Israel einzustellen. Was mich beschäftigt: Eigentlich wollte Hapag-Lloyd ab Mitte Februar auch wieder Frachter durch den Suezkanal schicken, obwohl Handelsschiffe im Roten Meer von Huthi-Rebellen aus dem Jemen beschossen werden. Wird der Kauf einer Reederei aus Israel Hapag-Lloyd nun zu einer noch begehrteren Zielscheibe der Iran-treuen Rebellen machen? Er könne das Verhalten der Huthis schwer einschätzen, sagte Habben Jansen gestern. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker, freie Journalistin Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Die Bahn verspätet sich, nun auch mit der Sanierung der Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Man gehe nicht mehr von einer Fertigstellung bis zum 30. April aus, teilte das Unternehmen mit. Grund für die Verzögerung sei der kalte Winter. Die Strecke ist seit Anfang August gesperrt, ab wann sie wieder befahrbar sein wird, sei unklar. Durch die Umleitung brauchen Züge zwischen den beiden größten deutschen Städten pro Fahrt mindestens 45 Minuten länger. Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) ist nach Indien gereist. Schon jetzt werde ein Großteil des Handels zwischen Deutschland und Indien auf dem Seeweg abgewickelt, sagte Leonhard. Gut zwei Drittel des Seegüterverkehrs liefen dabei über den Hamburger Hafen. Diese Handelsbeziehungen wolle sie weiter ausbauen. Begleitet wird sie von 50 Menschen aus Wirtschaft, Finanzwirtschaft und Wissenschaft. Die Reise ist auf fünf Tage angelegt und führt nach Delhi, Mumbai und zum High-Tech-Standort Bengaluru. Der Rechnungshof beklagt Mängel in der Haushaltsführung des Senats. Mehrfach sei mehr Geld ausgegeben worden, als zuvor von der Bürgerschaft bewilligt wurde, sagte Manfred Jäger, der Präsident des Rechnungshofs, bei der Vorlage des Jahresberichts. Besonders der starke Anstieg der Sozialausgaben sei besorgniserregend. Für den Jahres- und Konzernabschluss 2024 habe es deshalb nur ein eingeschränktes Testat gegeben. Ab dem Wochenende wird die Niederbaumbrücke nahe der Elbphilharmonie gesperrt. Der Grund dafür sei die Sanierung der nahegelegenen Kaimauern, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Während der für zwei Jahre angelegten Bauzeit können zwar Fußgänger die Brücke nutzen, nicht aber Autos, Busse und Radfahrer. Die Sanierung der Kaimauern sei eine Jahrhundertaufgabe, sagte Dressel. Die Stadt plane für den jetzt fälligen Abschnitt mit Kosten von rund 26 Millionen Euro. Der Tod der Künstlerin Henrike Naumann hat Betroffenheit ausgelöst. Kultursenator Carsten Brosda (SPD) würdigte sie als "eine der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Kunst" sowie als "kluge und facettenreiche Künstlerin". Naumann war ausgewählt worden, gemeinsam mit Sung Tieu den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu gestalten, die im Mai eröffnet wird. Ab Oktober hätte sie eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg übernehmen sollen. Sie starb am Samstag an einer Krebserkrankung. Henrike Naumann wurde 41 Jahre alt. Einen Nachruf lesen Sie hier (Z+) . AUS HAMBURG "Ja nu. Schlauer wird man hier nich von" Jeden Rosenmontag entfliehen 800 Menschen für einen Tag dem norddeutschen Ernst und reisen mit einem Partyzug zum Karneval nach Köln. Gestern ist ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik im Pappnasen-Express mitgefahren. Hier ist ihr Bericht. An einem Montagmorgen um 4.30 Uhr stehen etwa 100 Leute auf Bahnsteig 14 im Hamburger Hauptbahnhof und freuen sich des Lebens. Zumindest sieht es so aus, als könne sich keiner von ihnen etwas Schöneres vorstellen, als zu dieser frühen Stunde bei Eiseskälte auf einen Zug zu warten. Die Leute stehen in Grüppchen beisammen, und jede Gruppe muss man erst einmal auf sich wirken lassen. Da sind drei Cowboys mit randlosen Brillen und schütteren Haaren und zwei Elfen mit praktischen Bauchtaschen über den Glitzerkleidern. Fünf Bienen stimmen "Viiiva Coooolonia" an, sehr überzeugt, nicht ganz synchron. Man prostet einander zu, Bierflaschen klirren, ein breitschultriger Engel mit Heiligenschein ruft "Moooin!" durch die Halle – noch sind sie hier nicht beim "Alaaf". Aber das kommt noch. All die Menschen, die hier warten, steigen gleich in den "Pappnasen-Express" ein, einen Partysonderzug, der am Rosenmontag zwischen Hamburg und Köln pendelt, morgens hin, abends wieder zurück. Aber dieser Zug ist mehr als ein Transportmittel, er ist wie ein Portal in eine andere Welt. Wer einsteigt, lässt für einen Tag die To-dos und Pflichten des realen Lebens hinter sich, die E-Mails und Meetings, den norddeutschen Ernst. Auf den Schienen wird nicht nur Distanz überwunden, sondern auch die eigene Hemmschwelle, oder wie Torsten, einer der Cowboys aus Elmshorn, sagt: "Ja nu. Schlauer wird man hier nich von." 5.12 Uhr, der Zug rollt ein. Vor Waggon sieben steht Marcel und versucht, den Überblick zu behalten. Er trägt einen grauen Plüschanzug, ein Wildschweinkostüm, die Schnauze hängt ihm im Nacken. "Hab ich mir im Internet bestellt", sagt Marcel, "Hauptsache bequem, dachte ich mir, und warm!" In seinen Händen hält er einen Stapel Papiere, er ist Teil des Pappnasen-Teams. Heute soll er Fragen beantworten, weiterhelfen, wenn Reisende ihre Plätze nicht finden. Wobei das Wort Reisende allzu förmlich klingt, wenn man sich anschaut, wer da so an Marcel vorbei in den Zug steigt: Alle, wirklich alle, die einsteigen, singen, lachen, schunkeln, als wären sie schon sehr, sehr lange in diversen Kneipen unterwegs gewesen. Was unsere Reporterin auf dem Weg nach Köln noch alles erleben wird, das lesen Sie hier → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? "Drei Tage Verhandlung, fünfzehn Stunden Plädoyers, Anklage und Verteidigung, Argumente, Analysen und Tränen – am Ende stand ein Urteil." Der "Prozess gegen Deutschland" am Thalia Theater war ein ungewöhnliches und auch anstrengendes Experiment. Der Kritiker Sven Behrisch war dabei, hier berichtet er, was er erlebte. → Zum Artikel (Z+) DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN Bei einer Lesung mit Gespräch im Mahnmal St. Nikolai stellt der Autor und frühere "Spiegel"-Journalist Manfred Ertel sein Buch "Grethe und der Deutsche" vor. Der Roman erzählt von einer jungen Dänin, die sich während des Zweiten Weltkriegs in einen deutschen Marinesoldaten verliebt und an der Verbindung festhält. Das Buch beruht auf der Familiengeschichte seiner Frau Krista Sager (ehemalige Zweite Bürgermeisterin in Hamburg und Wissenschaftssenatorin). Im Anschluss an die Lesung findet ein Gespräch mit Manfred Ertel und Krista Sager statt. "Grethe und der Deutsche", 19.2., 19 Uhr; Mahnmal St. Nikolai, Willy-Brandt-Straße 60; Anmeldung gerne hier oder per Mail anmeldung@mahnmal-st-nikolai.de MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Ein Mitfahrer begrüßt uns freundlich, und mein Mann antwortet: "Dann kann es ja losgehen." Die prompte Antwort: "Nein, da fehlt noch was." Fragezeichen in unseren Gesichtern. "Zurückbleiben, bitte!" Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .