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11.02.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – Mit neuen Schüler-Rekordzahlen, Mietenwucher und einem 100 Jahre alten Netzwerk für Künstlerinnen

Liebe Leserin, lieber Leser, als ich gestern Vormittag vor der Kapelle 9 am Ohlsdorfer Friedhof stand, ist alle Distanz zerbrochen, die ich als Journalist halten soll. Eine Trauergemeinde versammelte sich, etwa 120 Menschen, Familie, Freunde, Bekannte, Fremde. Manche klammerten sich aneinander, manche suchten in den Augen der anderen nach Halt, auch in meinen. Aber in Trauer ist jeder allein, niemand weiß, warum Asal sterben musste. Die 18-Jährige war am vorvergangenen Donnerstag auf dem Weg zu ihrer Mutter, wollte in die U1 steigen, als sie der 25 Jahre alte Ariop A. packte und sie mit sich vor den Zug warf (Z+) . Sie hatten sich offenbar noch nie zuvor gesehen. Asal, persisch für Honig, hieß eigentlich Fatemeh. Sie hatte schwarzes, glattes Haar, auf Fotos schaut sie cool in die Kamera . Sie wollte Flugbegleiterin werden, sie war gläubige Christin, Messdienerin in der katholischen Gemeinde Bad Bramstedt. Sie war mit ihrer Familie aus dem Iran geflohen. Sie hatte Probleme, wie jeder Mensch, aber auch Träume, die hätten wahr werden sollen. Jetzt sei sie bei Gott, der sich um sie kümmere, sagte der Domprobst Berthold Bonekamp bei seiner Trauerrede. Niemand könne diesen Schmerz so verstehen wie er, der seinen eigenen Sohn für die Menschen gegeben habe. Niemand sonst könne einen Sinn finden in dem, was geschehen ist. Ich bin kein Mitglied der Kirche, aber ich will glauben, dass diese Worte wahr sind. Ihre Mutter ging an das Pult, sie schrie, verzweifelt, immer wieder, sie brach zusammen, andere Verwandte fingen sie auf. Irgendwann fand sie die Kraft, dem Sarg zu folgen, der schließlich in die Erde gelassen wurde. Asal wurde geliebt, das ist etwas wert. Wie jeder Gedanke an sie und an das Leid ihrer Familie. Das ist der einzige Lichtstreifen, den ich gestern gefunden habe. Kommen Sie gut durch den Tag. Ihr Christoph Heinemann WAS HEUTE WICHTIG IST Der Tod der 18-jährigen Asal, die von einem 25-Jährigen vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde, ist heute Debattenthema in der Bürgerschaft. Während die AfD von "verfehlter Migrationspolitik" spricht und die CDU für mehr Sicherheit an Bahnhöfen plädiert, warnen SPD und Grüne vor einer politischen Instrumentalisierung der Tat durch AfD und CDU. Hamburg zählt im Schuljahr 2025/26 mit 270.904 Schülerinnen und Schülern so viele wie zuletzt 1980, teilte die Schulbehörde mit. Die Zunahme sei aber mit knapp einem Prozent so gering wie seit zehn Jahren nicht mehr. Einen neuen Rekord gibt es auch beim Ganztagsangebot, an dem im laufenden Schuljahr 91 Prozent der Mädchen und Jungen an Grundschulen teilnahmen. Im HVV wurden 2025 insgesamt 7.397 Verstöße gegen das Alkoholverbot registriert – viermal so viele wie 2022 (1.847). Besonders häufig betroffen war die S-Bahn. In mehr als der Hälfte der Fälle blieben Bußgelder uneingetrieben, viele Betroffene gelten als mittellos. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU hervor. Rund 4.500 Landesbeschäftigte haben gestern für höhere Löhne demonstriert, nachdem Ver.di und der Beamtenbund (dbb) vor der heutigen Tarifrunde zu Warnstreiks aufgerufen hatten. Es kam zu Einschränkungen bei Behörden und Hochschulen. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens 300 Euro, und für Azubis monatlich 200 Euro mehr. Alle seit Jahresbeginn in Hamburg verstorbenen Obdachlosen werden obduziert, kündigte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) gestern an. Die Todesursachen sollen "sehr zeitnah" veröffentlicht werden. Unklar ist die Zahl der Toten: Die Sozialbehörde beruft sich auf das Institut für Rechtsmedizin und nennt 13 Fälle, die Polizei spricht von 18. Sozialbehörde, Polizei und Staatsanwaltschaft gleichen die Daten nun ab und wollen eine einheitliche Grundlage schaffen AUS HAMBURG Ein Netzwerk, lange vor LinkedIn Die Gedok ist die größte Vereinigung für Künstlerinnen in Europa. Vor 100 Jahren wurde sie von Ida Dehmel gegründet. Zwei Ausstellungen in Hamburg feiern das Jubiläum. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Helene Altgelt. Der ernste Blick der Frau richtet sich nach oben, fällt auf eine abstrakte silberne Konstruktion mit Space-Optik unter der Decke des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Ida Dehmel, die ernste Frau, kann die Ausstellung nicht mehr miterleben, die ihr Lebenswerk feiert, denn sie starb 1942. Aber sie ist selbst Teil eines der Kunstwerke, die hier gezeigt werden, ihr Gesicht wurde dafür von der Künstlerin Eugenia Jäger schwarz-weiß in einen Siebdruck gebannt. Vor 100 Jahren hat Ida Dehmel in Hamburg die Gedok gegründet, kurz für "Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen". Hier vernetzten sich bildende Künstlerinnen wie Anita Rée und Käthe Kollwitz mit Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch und Else Lasker-Schüler; die Schauspielerin Ida Ehre traf auf die Komponistin Alice Samter. Heute ist die Gedok der älteste und mit knapp 2.800 Mitgliedern europaweit größte Verbund für Künstlerinnen aller Disziplinen. Das hundertjährige Bestehen würdigen gleich zwei neue Ausstellungen in Hamburg: Im Museum für Kunst und Gewerbe sind unter dem Titel Künste – Frauen – Netzwerk die Werke von 16 aktuellen Künstlerinnen zu sehen. Die Gedok Hamburg, eine von insgesamt 23 Regionalgruppen, präsentiert zeitgleich in ihrer Galerie in St. Georg Beiträge von 70 Mitgliedern, diese Ausstellung heißt ... da blüht uns was!. Als Ida Dehmel die Gedok gründete, wurden Künstlerinnen kaum ernst genommen und teils als "Malweiber" verunglimpft. Zwar wurden Frauen damals nach und nach an Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien zugelassen. Dennoch galten für sie andere Regeln als für Männer, selbst an fortschrittlichen Orten wie dem Bauhaus in Weimar: Viele Frauen durften dort nicht ihr Wunschfach aufnehmen, sondern wurden in eine Frauenklasse in der Textilwerkstatt einsortiert. "Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt, und sei es nur zum Zeitvertreib", dichtete Oskar Schlemmer, einer der Meister am Bauhaus, despektierlich. Umso wichtiger war die Vernetzung untereinander, und so sprossen ab Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Frauenklubs aus dem Boden. Die Blütezeit von Frauenklubs wie der Gedok währte nur kurz. 1933 stürmte die SA eine Vorstandssitzung, Dehmel war Jüdin. Was dann geschah und ob die Gedok heute noch relevant ist, lesen Sie in der vollständigen Fassung auf zeit.de → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Paar Möbel rein, zack, 350 Euro mehr Miete Möblierte Wohnungen lassen sich teurer vermieten. Exklusive Daten zeigen: Das Problem hat sich extrem verschärft. Nun sollen neue Regeln das Geschäft einschränken. Tina Groll und Jurik Caspar Iser haben recherchiert, was der neue Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums bewirken könnte.→ Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Auch die Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) öffnet im Department Design in der Armgartstraße ihre Türen. Beim "Rundgang Armgartstraße. Erleben, wie der Nachwuchs tickt" präsentieren Studierende und AbsolventInnen aktuelle Projekte und Arbeiten. Beteiligt sind die Studienbereiche Mode-, Kostüm- und Textildesign, Kunst, Designforschung sowie Bekleidung – Technik und Management. Am Samstag gibt es außerdem eine Kleidertauschbörse (14–18 Uhr). "Rundgang Armgartstraße", 12.2., 17–22 Uhr; 13.2., 14–22 Uhr; 14.2., 12–18 Uhr; HAW Hamburg, Campus Armgartstraße, Armgartstraße 24 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Vor den Süßigkeitenregalen im Supermarkt: Zwei Rentner tauschen sich über ihre Lieblingsprodukte aus. "Das hier sind meine Favoriten", sagt der eine und zeigt dem anderen eine Tüte mit Fruchtgummis. "Geht leider nicht", sagt der, "die ziehen mir nur die Zähne raus." Gehört von Horst-Dieter Martinkus Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .