Zeit 30.01.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: In Hamburg entwickeln KI-Profis am Wochenende um die Wette


Die Elbvertiefung am Freitag – mit einem Bußgeld für NDR-Satiriker, einem Bildungsstreik mit über 1.000 Teilnehmern und einem angetrunkenen HSV-Profi am Steuer

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg:  In Hamburg entwickeln KI-Profis am Wochenende um die Wette
Liebe Leserin, lieber Leser, gut möglich, dass gerade Menschen aus den Niederlanden, Großbritannien, den USA, Indien, Österreich und Tschechien nach Hamburg reisen, dass sie sich aus Polen, Rumänien, Spanien, Pakistan, Malaysia, Georgien, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Weg in die Stadt befinden. Oder sie sind schon da. Denn aus diesen Ländern – und anderen Teilen Deutschlands – kommen die Teilnehmer eines am Wochenende stattfindenden KI-Hackathons. Es ist der größte, den es jemals in Deutschland gab, sagt Alex Zakharov, einer der Veranstalter, rund 500 Teilnehmer werden es sein. Hackathon? Diese Veranstaltungen gibt es schon länger, dabei programmieren Menschen meist in einer festgelegten Zeit um die Wette. Durch Austausch und die kompetitive Atmosphäre soll Gutes entstehen. Beim KI-Hackathon, Sie werden es sich denken können, dreht sich alles um künstliche Intelligenz. Morgen früh um 9 Uhr geht es in der Bucerius Law School los. "Man braucht nur einen Laptop", sagt Zakharov, der aus Russland stammt und nach Stationen in den USA und Großbritannien aktuell in Hamburg lebt. Zakharov sagt, er habe vor einem Jahr seinen Job im Software-Produktmanagement gekündigt, um sich ganz auf das Gründen und Entwickeln mit KI zu konzentrieren. Er begann, sich mit Gleichgesinnten in Cafés zu treffen, daraus entstand eine Community namens AI Beaver (zu deutsch: KI Bieber, denn der erschafft konstant Neues, wie mir Zakharov erklärte). Und jetzt der Hackathon, gesponsert von großen Namen wie Google Gemini und Open AI. Er wolle die "Silicon-Valley-Energie" nach Hamburg bringen, sagt Zakharov. Red Bull, Cola und Kaffee werden gestellt, es gibt Croissants, Empanadas, Bowls, Pizza. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Sonntag ab 14 Uhr entscheidet eine Jury, wer gewonnen hat. "Von einem typischen Hackathon unterscheidet uns, dass die Beiträge der Teilnehmer auch nach ihrer geschäftlichen Rentabilität bewertet werden", sagt Zakharov, "wir möchten, dass daraus Start-ups entstehen." Die Jury-Mitglieder kommen von Unternehmen wie Oracle, Google oder Amazon. Als ich ihn fragte, was dabei herauskommen könnte, ein Beispielprojekt, fiel Zakharov gleich etwas für mich ein. "Man könnte ein Tool entwickeln, das deine Aufgabe, mich zu interviewen, automatisiert. Man könnte dafür eine Sprach-KI trainieren, die mich dann anruft und interviewt – und du könntest anschließend ein Transkript bekommen und entscheiden, ob du mich selbst interviewen möchtest." Da kann man nur hoffen, dass am Wochenende niemand auf die Idee kommt, eine Elbvertiefungs-KI zu basteln. Stand jetzt begrüßt Sie hier am Montag Viola Diem. Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag! Ihr Yannick Ramsel PS: Seit Anfang des Jahres erscheint dieser Newsletter wieder montags bis freitags, wie gewohnt um 6 Uhr morgens. Am Wochenende informieren wir Sie in unserem Podcast über die Hintergründe eines von uns recherchierten Themas. In der aktuellen Folge spricht Florian Zinnecker mit Oskar Piegsa über die Frage, ob Hamburg seine Universität kaputtspart. Die Folge können Sie heute ab 17 Uhr hier hören . WAS HEUTE WICHTIG IST Beim Filmen eines Beitrags der NDR-Satire-Sendung "Extra 3" auf Grönland ist ein Bußgeld verhängt worden. Laut Sender hatte der Satiriker Maxi Schafroth vorgegeben, eine US-Flagge auf einem öffentlichen Platz hissen zu wollen. Dafür sei vor Ort das Bußgeld verhängt worden. Anlass für die kritische Auseinandersetzung in der Satiresendung sei das weltweit diskutierte Vorgehen der USA gewesen, sagte eine Sprecherin – die Redaktion bedaure, sollte dabei der Eindruck entstanden sein, Ziel der Satire seien Grönländerinnen und Grönländer. Mehr als 1.000 Beschäftigte aus ganz Norddeutschland sind in Hamburg zum "Streiktag Bildung" auf die Straße gegangen. Zu dem bundesweiten Warnstreik hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder. Die Gewerkschaften fordern unter anderem Gehaltserhöhungen von sieben Prozent, monatlich aber mindestens 300 Euro mehr. Eine muslimische Frau, die sich für einen Job bei der Passagier- und Gepäckkontrolle am Hamburger Flughafen beworben hatte und abgelehnt wurde, weil sie ein Kopftuch trägt, hat vor dem Bundesarbeitsgericht Recht bekommen. Das Gericht entschied, dass dies eine Benachteiligung wegen der Religion darstelle. Es blieb damit seiner bisherigen Rechtsprechung treu. Der Klägerin wurde eine Entschädigung von 3.500 Euro zugesprochen. In aller Kürze • Ein seit Dienstag vermisster Zehnjähriger aus Wilhelmsburg wird weiterhin vermisst. Er ist 1,50 Meter groß, hat schwarze, kurze und gewellte Haare und trug bei seinem Verschwinden eine dunkelblaue Jacke – die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung • Wenige Tage vor dem Spiel gegen Bayern München ist der französische Fußballprofi Jean-Luc Dompé vom Hamburger SV bei einer Verkehrskontrolle angetrunken am Steuer erwischt worden. Der Offensivprofi wurde bis auf Weiteres suspendiert • Der Hamburger Flughafen und die Lufthansa Technik werden an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen. Ab März 2026 beginnen die Bauarbeiten für eine neue, rund 4,7 Kilometer lange Fernwärmeleitung, teilten die Hamburger Energiewerke mit AUS DER HAMBURG-AUSGABE "Ich will keine Architektur in meinem Tierpark" Eine jahrelange Familienfehde und Kritik am Umgang mit den Völkerschauen – der Tierpark beschäftigt Claus Hagenbeck noch sehr, obwohl er ihn längst nicht mehr leitet. Ein Hausbesuch von ZEIT:Hamburg-Ressortleiterin Maria Rossbauer; lesen Sie hier einen Auszug. Das Haus von Claus Hagenbeck ist so, wie man es sich vorstellt. Im Eingang schwarz-weißer Marmorboden, die Räume groß und einladend, gefüllt mit dunklen Möbeln und Zierobjekten, die an eine vergangene Zeit erinnern: Spiegel mit Silberrand, Elefantenfiguren aus Holz und Porzellan, Gemälde von Löwen und Zebras. Ein goldgerahmtes Bild zeigt Carl Hagenbeck, seinen Urgroßvater, den Mann, der vor 119 Jahren den Tierpark Hagenbeck in Stellingen gründete. Heute sind die Hagenbecks eine für Hamburg bedeutende Dynastie, doch seit Jahren durchzieht die Familie ein Streit, der es oft in die Schlagzeilen der Stadt schaffte. Nun spricht Claus Hagenbeck selbst darüber – so viel, wie er darf. DIE ZEIT: Herr Hagenbeck, seit einem Jahr gibt es eine neue Leitung im Tierpark Hagenbeck, eine Doppelspitze aus dem Biologen Guido Westhoff und Ihrem langjährigen Tierpfleger Walter Wolters. Kehrt nun, nach den vielen Konflikten der vergangenen Jahre, endlich Ruhe ein? Claus Hagenbeck: Ja. Das war auch nötig. Ich muss nur ein bisschen aufpassen, was die neuen Geschäftsführer hier bauen. Ich will keine Architektur in meinem Tierpark. ZEIT: Was meinen Sie damit? Hagenbeck: Ich lebe seit 80 Jahren hier im Tierpark. Wenn Sie aus dem Fenster schauen, sehen Sie mein Elternhaus, da wohnt jetzt eine meiner Töchter mit ihrer Familie. Mehr als 30 Jahre lang habe ich den Park geleitet. Ich möchte, dass die Geschäftsleitung in der Tradition meiner Vorfahren weitermacht. Mein Urgroßvater Carl Hagenbeck hat den modernen Zoo erfunden, den Gedanken, die Tiere zu präsentieren, als wären sie in Freiheit. Sie sehen hier keine Massivgebäude. Die Tierstallungen sind immer irgendwo in Felsen versteckt, hinter Pflanzungen, oder sie sind relativ klein. ZEIT: Die beiden setzen aber relativ viele Neuerungen um, das Eismeer soll verändert werden, das Leopardengehege, das Elefantenhaus, und sie planen nun auch ein neues Giraffenhaus ... Hagenbeck: Ja, das ist auch völlig in Ordnung. Ich habe mit den Geschäftsführern und der Architektin über das Elefantenhaus gesprochen. Sie setzen jetzt meinen Plan eins zu eins um. ZEIT: Was ist denn Ihre aktuelle Funktion im Tierpark? Hagenbeck: Ich bin als Berater tätig, und es ist erfreulich, dass die beiden Geschäftsführer oft zu mir kommen und mich um meine Meinung bitten. Also, die machen natürlich, was sie wollen, aber sie akzeptieren, dass ihnen jemand, der den Tierpark viele Jahre lang geleitet hat, einiges erzählen kann. Wie Claus Hagenbeck mit Kritik umgeht, vor allem der am Umgang mit den sogenannten Völkerschauen , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Als ich meine Prüfung absolviert hatte und meinem damaligen Chef sagte, dass ich schwanger sei, war sein Kommentar: ›Ach, das ist ja schade. Ich dachte, aus Ihnen wird mal was.‹" Susanne Johna, Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund Vergangenen Sommer berichtete die ZEIT mehrmals über Machtmissbrauch im Klinikalltag. Danach meldeten sich zahlreiche Leser aus der Medizin – darunter unsere beiden männlichen Gesprächspartner. Nun erzählen vier Mediziner über 36-Stunden-Schichten, zerbrochene Ehen und das Arbeitsklima im OP. Die Fragen stellten Anant Agarwala und Hanna Grabbe . MAHLZEIT – Die Gastrokritik Deutsch-portugiesisch, warum nicht? Es gibt wildere Fusion-Küchen in der Stadt (französisch-indisch im Kaalia oder polnisch-jamaikanisch im Criss). Und übertrieben ernst nehmen Ana Gomes und Joachim Schult die Ausrichtung ihres neues Lokals Bom Bom im Lehmweg nicht. Es geht wohl eher darum, der einfallsarmen Fischgrillerei im Portugiesenviertel etwas entgegenzusetzen und dabei Schults Stärken zu nutzen, der als Sous-Chef im Sterne-Restaurant Zeik modern regional gekocht hat. Das Essen kommt hier auf kleinen Tellern; doch der Aufwand dahinter ist bemerkenswert. Schon die Pimientos kommen nicht einfach mit Salz aus der Pfanne. Sie sind gegrillt, dann in Lorbeeressig mariniert, dann gefüllt mit einer rauchigen Sonnenblumencrème. Am besten schmeckt man die Fusion beim Kabeljau mit Sauerkraut, Röstkartoffelspänen und der Paprika-Salami-Chorizo – ein stimmiges Gericht, bei dem nur die Leinsamenkruste um den exakt gegrillten Fisch verwundert. Auf ein bisschen Übermut sollte man im Bom Bom gefasst sein – ob bei der Margarita mit Chili und fermentiertem Maracujasaft (plus Salz, Schaum und Tequila) oder beim absichtsvoll lauwarmen Rotkohl unter der Entenbrust mit Biersauce. Kann man alles machen, wenn der Service stimmt. Ana Gomes, der auch das Piri Piri im Schanzenviertel gehört, nimmt sich viel Zeit für ihre Gäste und hat eine Geschichte zu jedem Gericht und jedem ihrer gut ausgewählten portugiesischen Weine. Das alles übrigens nur am Abend. Tagsüber ist am selben Ort das Café Mirel, das auch portugiesisch ist, aber mit anderen Betreibern. Michael Allmaier Bom Bom , Lehmweg 35 (Hoheluft-Ost) · Tel. 0174 2038145 DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN In der Galerie der Schlumper in der Marktstraße sind in regelmäßig wechselnden Ausstellungen Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit unterschiedlichen Behinderungen zu sehen. Noch bis zum 2.2. läuft die Schau "Atelier de la Tour X Die Schlumper" . Das österreichische Atelier de la Tour ist – ähnlich wie die Schlumper – eine Ateliergemeinschaft, in der kunstschaffende Menschen mit Behinderungen arbeiten. Präsentiert werden Objekte, Zeichnungen und Druckgrafiken aus beiden Ateliergemeinschaften. "Atelier de la Tour X Die Schlumper", bis 2.2., Galerie der Schlumper, Marktstraße 131; Mi–Fr 16–19 Uhr, Sa 11–17 Uhr, So 14–17 Uhr MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Neugrabener Dorf. Ein sehr alter Mann stürzt auf dem glatten Fußweg und fällt auf den Rücken. Ich will ihm beim Aufstehen helfen, aber er berappelt sich so. "Heff ik mi wedder den Orschknorpel verstukt." Er schüttelt sich und geht langsam weiter. Erlebt von Henrik Kruse Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .