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24.11.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Montag – mit sehr viel Weihnachtsdeko, einem mutmaßlich gelösten Mordfall, Kaffeeduft in den Osterbrookhöfen und einer Portion Lebensglück

Liebe Leserin, lieber Leser, Hamburg widmet sich der Vorweihnachtszeit in diesem Jahr wie einem guten Christstollen: scheibchenweise. Gestern Abend fiel, wie auf Bestellung, der erste Schnee. Heute um 11.30 Uhr eröffnet Bürgermeister Peter Tschentscher den Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus. Ein paar Stunden später, um 17 Uhr, schaltet Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein die Weihnachtsbeleuchtung am Neuen Wall ein. Und erst zwei Tage später, am frühen Mittwochabend, aktiviert Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank die Alstertanne. Man könnte das auch alles auf einmal erledigen, keine Frage. Aber warum die Dinge überstürzen – es ist ja noch genug Zeit. Dass die Zuständigkeit für Weihnachten politisch derart weit oben liegt, kann ich persönlich nur begrüßen. Noch nicht mitgeteilt wurde mir allerdings, welches Senatsmitglied sich um die Anbringung der Lichterkette auf meinem Balkon kümmern wird, und wann. Für eine baldige Mitteilung wäre ich dankbar. Im Übrigen ist Hamburg in der kommunalpolitischen Durchdringung von Weihnachten nicht allein. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, ein Parteigenosse Peter Tschentschers, veröffentlichte vor ein paar Tagen sogar ein selbst gesungenes Weihnachtslied, "Ich mag München in der Weihnachtszeit", lautet der ins Hochdeutsche übersetzte Titel. Irgendwas sagt mir, dass wir in Hamburg vor ähnlichen Aktionen sicher sind. Oder, Herr Bürgermeister? Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Fast 43 Jahre nach dem Mord an einem Prostituierten in Hamburg hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt . Der heute 61-Jährige sei in der vergangenen Woche von Zielfahndern in Finkenwerder verhaftet worden und sitze nun in Untersuchungshaft, teilte die Polizei mit. Er wird verdächtigt, am 11. Januar 1983 einen 41 Jahre alten Sexarbeiter in dessen Wohnwagen erschossen zu haben. Nach Angaben einer Sprecherin ist es der mutmaßlich älteste Fall, bei dem die Cold-Case-Unit der Polizei Hamburg noch einen Fahndungserfolg erzielt hat. Der Konflikt zwischen dem Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz und Deniz Celik aus der Linksfraktion der Bürgerschaft spitzt sich zu. Der Nachrichtendienst habe Klage gegen Celik eingereicht, berichtet das Abendblatt. Ziel sei eine einstweilige Verfügung vor Gericht, die Celik verbietet zu behaupten, der Verfassungsschutz sei durch "Vertuschung, V-Leute-Skandale und immer wieder auch durch den Schutz rechter Netzwerke aufgefallen". So hatte es der Linkspolitiker in einer Pressemitteilung am 21. Oktober formuliert. Celik verteidigt seine Äußerung. Hamburgs AfD-Vorsitzender Dirk Nockemann ist erneut mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden. Ein Landesparteitag wählte den 67-Jährigen mit knapp 90 Prozent für weitere zwei Jahre zum Landesvorsitzenden, wie die Partei mitteilte. In aller Kürze • In Hummelsbüttel haben Kanufahrer am Sonntag eine männliche Leiche in der Alster gefunden . Ob der Mann durch einen Unfall oder auf andere Art ums Leben kam, ist noch unklar, dies soll eine Obduktion im Institut für Rechtsmedizin klären • Die Bundesliga-Handballer des Hamburger SV haben nach zwei Niederlagen in Folge mit 34:26 gegen den HC Erlangen gewonnen . Die Kollegen aus der Profifußball-Abteilung mussten sich am Samstag mit 0:1 dem FC Augsburg geschlagen geben . Der FC St. Pauli unterlag mit 0:1 gegen Union Berlin • Bei einer Großkontrolle an mehreren Hamburger Bahnhöfen und Bushaltestellen hat die Polizei am Wochenende acht Messer, ein Pfefferspray sowie kleinere Mengen Marihuana und Kokain sichergestellt AUS DER HAMBURG-AUSGABE Da liegt was in der Luft Ein geplantes Wohngebiet in Hamm darf nicht gebaut werden – weil es in der Gegend nach Kaffee duftet. ZEIT-Autor Christoph Twickel ist der Fährte gefolgt; lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel. Es könnte schön werden in den Osterbrookhöfen in Hamm. Die Bilder der Stadtplaner zeigen ruhige Gassen, grüne Höfe und einen Park am Kanal. Spielplätze soll es hier einmal geben, Liegewiesen und eine Treppe zum Wasser für kleine Ausflüge mit dem Ruderboot. Rund 820 Wohnungen sind in den Osterbrookhöfen geplant, teils gezielt für ältere Menschen; zwei Drittel der Wohnungen sollen "preisgedämpft" sein, gab die städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga bekannt. Das war jedenfalls der Stand im Jahr 2019, als das Projekt vorgestellt wurde. Jahrelang hatte man im Bezirk Mitte überlegt, wie man Platz für die Bebauung schaffen könnte. Der Bezirk ließ – gegen erheblichen Protest – das Freibad Aschberg abreißen. Auf dessen Fläche zieht jetzt der benachbarte Sportclub Hamm, damit dessen Grundstück für die Wohnungen frei wird. Eigentlich hätten hier längst die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen sollen, 2021 sollte Baubeginn sein. Doch dann machte eine bundesweit geltende Verwaltungsvorschrift den Planerinnen und Planern einen Strich durch die Rechnung. Im Behördendeutsch heißt sie "TA Luft", oder ausführlicher: Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft. Das Problem am geplanten Standort der Osterbrookhöfe ist, dass hier Geruchsimmissionen auftreten. Im Anhang 7 der TA Luft findet sich die Definition: Von einer Geruchsimmission müsse dann gesprochen werden, wenn ein Geruch "abgrenzbar" sei "gegenüber Gerüchen aus dem Kraftfahrzeugverkehr, dem Hausbrandbereich, der Vegetation, landwirtschaftlichen Düngemaßnahmen oder Ähnlichem". Eine Geruchsimmission liegt dann vor, wenn es an einem Ort anders riecht, als es in einer Stadt üblich ist. Als "erhebliche Belästigung" sei ein solcher Geruch zu werten, wenn er "die in Tabelle 22 angegebenen Immissionswerte überschreitet". Das ist offenbar hier der Fall. Denn wegen einer nahe gelegenen Industrieanlage darf der Bau Osterbrookhöfe derzeit nicht genehmigt werden. Es ist allerdings weder ein Chemiebetrieb noch eine Müllverbrennungsanlage. Vielmehr röstet Tchibo in der Nachbarschaft Kaffee. Vor rund zehn Jahren wurde in der Umgebung noch gebaut. Wieso heute nicht mehr , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Dass ich immer wieder mit dem Slogan ›Geiz ist geil‹ verbunden werde, stört mich schon." Jean-Remy von Matt, Gründer der Agentur Jung von Matt, ist einer der erfolgreichsten Werber Deutschlands. Im Interview verrät er, was für sein Glück wichtiger war als Geld . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Bente Majchczack vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel hält am Donnerstag im Planet Harburg einen Vortrag über die neueste Forschung zur versunkenen Insel Rungholt im Wattenmeer. Der Titel des Vortrags: "Ein neues Bild vom mittelalterlichen Rungholt: Archäologische Forschung im nordfriesischen Wattenmeer ". Donnerstag, 27. November, 18 Uhr; Planet Harburg, Herbert- und-Greta-Wehner-Platz MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Ein Grundschüler spricht im Bus vor dem Aussteigen eine ältere Dame an, die ihm gegenübersitzt: "N mooien Dag wünsch ik di!" – "Was ist das?", fragt sie irritiert. Er, ganz stolz: "Dat is Platt." Gehört von Barbara Gehrung Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .