Zeit 06.02.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Grüße gehen raus an alle Horsts!


Die Elbvertiefung am Freitag – mit Demo in der City, Best of Udo Lindenberg und einem Gerichtsverfahren zum Gendern

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Grüße gehen raus an alle Horsts!
Liebe Leserin, lieber Leser, ich habe Anfang dieser Woche behauptet, ich sei in Uhlenhorst gewesen. Eine Leserin hat mich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass ich nicht in Uhlenhorst war, sondern AUF der Uhlenhorst. Die Frau erklärte geduldig: "Weil es sich ursprünglich um eine geografische Erhöhung in einer feuchten Umgebung handelte, hat sich die Bezeichnung ›auf der Uhlenhorst‹ gehalten." "Uhlen", schrieb die Leserin noch, "steht für Eule, und Horst bezeichnet ein Nest oder eine bewaldete Erhöhung in der Marsch." Das Nest kennen wohl die meisten, aber dass der Name Horst auch sonst so viel Natur in sich trägt, war mir nicht klar. Ob all die Horsts da draußen das wissen? Ich fürchte ja, dass es eher selten vorkommt, dass ein Herr namens Horst in einer Runde neuer Bekanntschaften steht und stolz erzählt: "Ja, also mein Name bedeutet ja: Mann aus dem Wald!" Für viele Eltern ist die Bedeutung des Namens nicht unerheblich bei der Frage, wie ihr Baby heißen soll. Zuletzt unter den beliebtesten Vornamen in Hamburg und Schleswig-Holstein: Noah, "der Ruhe-/Trostbringende", und Emma, "die Allumfassende, Große". Poetisch klingen oft auch persische und türkische Namen: Farhat bedeutet "Freude, Jubel, Glück". Leyla: "die Nacht". Oder Deniz: "Ozean". Ich suche weitere Infos zu Horst: Seit dem Mittelalter soll er als Vor- und Nachname bekannt und beliebt gewesen sein. Und verwandt mit dem Namen Hardt, was übrigens "bewaldeter Hang" bedeutet. Vor 1905 war Horst fast ausschließlich in Adelskreisen verbreitet, in den 1930ern aber schon der beliebteste Name für neugeborene Jungen. Seit Mitte der Sechzigerjahre wird kaum noch ein Baby mit erstem Namen so genannt. Auch die Verbreitung des Nachnamens Horst hat sich im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgedünnt. Das zeigt mir eine Karte auf ZEIT.de. Unser Datenteam hat eine Suchmaske gebaut, mit der auch Sie schauen können, wo Ihr Nachname um 1890 verbreitet war – und wo in der Gegenwart. Hier geht’s lang . Die Horsts scheinen es übrigens damals wie heute in Uhlenhorst-Nähe zu mögen, viele leben in Schleswig-Holstein. Kommen Sie gut ins Wochenende, Ihre Viola Diem PS: Seit Anfang des Jahres erscheint dieser Newsletter wieder montags bis freitags. Unseren Podcast gib es weiterhin. Darin sprechen die beiden Hosts Maria Rossbauer und Florian Zinnecker abwechselnd mit einem Gast zu einem recherchierten Thema. Die aktuelle Folge und unser Archiv finden Sie auf zeit.de . PPS: Wir hatten Ihnen eine Veranstaltung über Paula Modersohn-Becker in der Flussschifferkirche empfohlen. Leider fällt der Termin am 8.2. witterungsbedingt aus , er soll aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Gestern haben etwa 3.000 Menschen in der City für höhere Löhne im öffentlichen Dienst demonstriert . Die Gewerkschaften hatten zuvor zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren unter anderem die Schleusen an Alster und Bille, das Veterinär- und Einfuhramt, der technische Bereich der Feuerwehr sowie der Hamburg Service. Ver.di und dbb verlangen sieben Prozent mehr Lohn (mindestens 300 Euro). Für kommenden Dienstag (einen Tag vor der dritten Verhandlungsrunde) kündigte Ver.di einen weiteren Warnstreik an. Wilken Engelbracht, der kaufmännische Geschäftsführer des FC St. Pauli, verlässt den Verein zum Saisonende. Der 52‑Jährige habe dem Präsidium mitgeteilt, dass er sich beruflich neu orientieren wolle. Er war seit November 2023 im Amt; in dieser Zeit erzielte St. Pauli erstmals über 100 Mio. Euro Umsatz. In aller Kürze • Die Fahrschulen in der Stadt haben laut ihrem Verband zuletzt einen Rückgang der Anmeldungen um 50 Prozent verzeichnet. Der vermutete Grund sei, dass viele die angekündigte Führerscheinreform abwarten, die den Pkw-Führerschein künftig günstiger machen soll. Aktuell kostet er in Hamburg im Schnitt rund 3.400 Euro • Udo Lindenberg plant zu seinem 80. Geburtstag ein Best-of-Album . Von jedem seiner 40 Studioalben soll jeweils ein Song auf die Kompilation kommen. Bis morgen können Sie hier mit abstimmen THEMA DES TAGES Sie wollte nicht gendern – und verlor ihren Job Eine Mitarbeiterin des Hamburger Schifffahrtsamtes wird gekündigt, weil sie sich weigert, in einem Schreiben zu gendern. Nun landete der Fall erneut vor Gericht. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT:Hamburg-Autorin Elke Spanner. Im Verhandlungssaal ist kein Platz mehr frei. So viele Zuschauerinnen und Zuschauer sind gekommen, dass etliche am Rand stehen müssen. Im hinteren Drittel sitzt eine Gruppe älterer Menschen, die eine klare Meinung zum Thema Gendern vertritt. Sobald im Saal ein Argument für geschlechtergerechte Sprache fällt, ist von dort ein verächtliches Schnauben zu hören. Der Fall, über den das Hamburger Landesarbeitsgericht an diesem Donnerstag verhandelt, steht exemplarisch für einen ideologischen Streit: Wie verbindlich soll geschlechtergerechte Sprache im öffentlichen Dienst sein – und was passiert, wenn sich dort jemand weigert, zu gendern? Stefanie S. ist promovierte Chemikerin beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg, wo sie auch als Strahlenschutzbeauftragte arbeitet. In einer Strahlenschutzanweisung verwendete sie teils geschlechterneutrale Formulierungen, teils nicht. Nach einer Abmahnung weigerte sie sich, das Dokument zu überarbeiten. Daraufhin kündigte ihr das BSH. Stefanie S. zog gegen die Kündigung vors Arbeitsgericht. In der ersten Instanz hatte sie bereits Erfolg. Das Arbeitsgericht gab ihr im vergangenen Juli recht, erklärte die Kündigung für unwirksam und entschied, dass die Behörde S. erst einmal weiter beschäftigen muss. Das BSH legte Berufung ein – deshalb wird nun erneut verhandelt. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer verbinden mit diesem Prozess große Erwartungen. Auch Sabine Mertens, Initiatorin des 2024 gescheiterten Hamburger Volksbegehrens "Schluss mit Gendersprache in Behörde und Bildung", ist zur Unterstützung der Klägerin gekommen. Auf dem Flur gibt sie Interviews und bekräftigt ihre ablehnende Haltung gegenüber geschlechtergerechter Sprache. Viele sehen in diesem Verfahren die Chance auf ein Grundsatzurteil zur Verbindlichkeit von Gender-Vorgaben im öffentlichen Dienst. Doch ein solches Signal bleibt aus. Wie der Richter sein Urteil zugunsten der Klägerin begründet , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "›Aber ins Haus kommt der nicht!‹, sagte mein Mann. ›Natürlich nicht!‹, rief ich." Mit einer Leihhündin – nennen wir sie Astrid – wollte ZEIT:Hamburg-Ressortleiterin Maria Rossbauer die Haustierdiskussion mit ihren Kindern beenden. Wenn das so einfach wäre... MAHLZEIT - Die Gastrokritik Es ist zwar noch eine Woche hin bis zum Valentinstag. Doch der fällt diesmal auf einen Samstag. Und weil die romantischen Lokale naturgemäß nicht groß sind, findet man schon jetzt kaum mehr einen freien Tisch. Hier also ein paar nicht ganz so offensichtliche Tipps sortiert nach aufsteigendem Preis. Bei Redaktionsschluss hatten alle noch ein paar Plätze zu vergeben. Ti Breizh in der Neustadt Die bretonische Crêperie in der Deichstraße hat nur einfache Gerichte, aber viel Stimmung samt Blick aufs Fleet. Falls es mit der Reservierung nicht klappt, ist mit Geduld meist doch noch ein Tisch zu bekommen. La Terrazza in Niendorf Ja, tatsächlich in Niendorf und nicht leicht zu finden. Aber wer es einmal über die Schwelle geschafft hat, darf sich auf sehr gutes italienisches Essen und beschwingten Service durch die Chefin freuen. De Marco am Rathausmarkt Lebhaftes kleines Lokal mit gutem Wein. Für die sehr zentrale Lage beinahe intim. Marseille in Altona Heimelig abgerocktes Bistro in der Großen Elbstraße. Hier bestellt man natürlich Fisch. Spezialität des Hauses ist die Bouillabaisse. Und wer einen Tisch am Fenster erwischt, genießt einen tollen Blick aufs Wasser. Bistro Crudo am Hafen Das jugendlichere der beiden Salt&Silver-Restaurants in der Hafenstraße. Ein bisschen Trubel sollte man mögen. Die kleinen Speisen zum Teilen liefern Gesprächsstoff für den Abend. Wallter’s am Alten Wall Ein Steakhouse drängt sich erst mal nicht auf für einen romantischen Abend. Aber die Küche kann mehr als Fleisch. Maison d’Avignon in Ottensen Sehr persönlich geführtes Restaurant von Mathias Mercier, der kocht und serviert. Wer Schnecken, Taube etc. mag, bekommt hier ein großes, manchmal gewagtes Menü zum fairen Preis. Piment im Lehmweg Das familiärste unter den Hamburger Sterne-Restaurants, seit 25 Jahren von Moden unberührt. Wahabi Nouris aromensatte franko-marokkanische Küche ist unverwechselbar. Von Michael Allmaier DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Heute Abend präsentiert das deutsch-französische Kulturfestival Arabesques in Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung e. V. zwei Stummfilmkonzerte. Die Pianistin Marie-Luise Bolte begleitet die beiden Filme mit Pola Negri "Bestia" und "Die Augen der Mumie Mâ" . 6.2., 19.30 Uhr; Metropolis, Kleine Theaterstr. 10; Tickets bekommen Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Vor einer Bankfiliale in Eppendorf stoppt ein Lastenrad samt Kind und Vater. Das Kind, vielleicht fünf, sechs Jahre alt, fragt: "Warum halten wir hier?" Der Vater: "Ich muss in die Bank." Das Kind: "Und was machst du da?" Vater: "Etwas klären. Die Bank will Geld von mir haben." Das Kind: "Aber mit Zinsen!" Gehört von Margret Silvester Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .