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11.12.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – mit dem gescheiterten Versuch der CDU, den Klimaentscheid zu kippen, Neues aus dem Block-Prozess und Verletzten nach einem Gasaustritt

Liebe Leserin, lieber Leser, dass Hamburg eine neue U-Bahnlinie baut, werden Sie wissen. Was das aber bedeutet, ist wohl erst zu verstehen, wenn man gesehen hat, was ich am Dienstag gesehen habe. Da stand ich elf Meter unter der Straßenoberfläche einer Kreuzung in Barmbek-Nord in einer unterirdischen Halle von annähernd der Größe eines halben Fußballfelds. Die Wände bestehen aus eineinhalb Meter starkem Beton und ragen bis zu 40 Meter tief in den Boden. Ihre Oberflächen sind rau, wie das Erdreich es war, in das hinein sie gegossen worden sind. Dabei habe ich vor eineinhalb Jahren zugesehen (Z+) . Inzwischen wurde der Boden herausgebaggert, um diesen gewaltigen Hohlraum zu schaffen. In einigen Jahren wird sich hier die Zwischenebene der U-Bahnstation Barmbek-Nord befinden, mit Kartenautomaten und Rolltreppen. Auf der Baustelle, sagt die Projektleiterin der U-Bahngesellschaft, Alexandra Reinecke, nennen sie diese Halle die Kathedrale. Die Decke bilden Platten aus Stahlbeton, stabil genug für den Straßenverkehr und Bagger und Kräne, die dort oben herumfuhrwerken. Zwölf gewaltige Säulen und ein System aus Stahlbetonträgern stützen sie. Von oben rieselt Wasser und hinterlässt braune Spuren auf den Schutzhelmen, die alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen dieser Baustellenbesichtigung tragen. Es hat etwas von einer Tropfsteinhöhle. In Zukunft geht es hier noch viel weiter hinab. 18 Meter tief kommt man mit Baggern, dann werden die Arbeiten unter der Oberfläche des Grundwasserspiegels fortgesetzt. Was Kräne nicht von oben schaffen, werden am Ende Taucher erledigen. All dieser Aufwand ist erforderlich, allein für die Baugrube einer der 24 zukünftigen U5-Haltestellen. Bei ihrem Anblick schwanke ich zwischen Begeisterung, Ehrfurcht und Fassungslosigkeit. Denn so großartig diese Bauwerke und der Prozess ihrer Entstehung wirken, natürlich ist der riesige Energieaufwand nicht zu übersehen, den sie erfordern. Es ist, als hätten sich die Visionäre und Planer des Betonzeitalters ein letztes großes Spektakel gegönnt, ehe es mit dem Klimaschutz wirklich losgehen soll. Haben Sie einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Gestern wurde in der Bürgerschaft hitzig über den Volksentscheid zur Verschärfung der Hamburger Klimaziele diskutiert. Hintergrund war ein Antrag der CDU, mit dem die Entscheidung, die Klimaneutralität der Stadt um fünf Jahre auf 2040 vorzuziehen, gekippt werden sollte . Die CDU warnte vor sozialen Verwerfungen und einer Schwächung der Wirtschaft, die SPD, Grüne und Linke wafen den Christdemokraten vor, den Bürgerwillen zu missachten und der Demokratie zu schaden. Bei der namentlichen Abstimmung gab es dann jedoch für den Antrag von den anderen Fraktionen keine Stimme. Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz geht nicht länger gegen den Linken-Bürgerschaftsabgeordneten Deniz Celik (hier mittig im Bild) vor. Die Innenbehörde hat laut einem Sprecher den Antrag, mit dem Celik eine kritische Aussage zum Verfassungsschutz per einstweiliger Verfügung untersagt werden sollte, zurückgezogen. Celik hatte im Oktober in einer Pressemitteilung geschrieben, dass der Verfassungsschutz "durch Vertuschung, V-Leute-Skandale und immer wieder auch durch den Schutz rechter Netzwerke aufgefallen" sei. Bei einem Gasaustritt in einer Wohnung in Hoheluft sind gestern vier Menschen verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen hatte um kurz nach 8 Uhr ein Kohlenmonoxidmelder in der Wohnung ausgelöst. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an, in der Wohnung versorgten die Einsatzkräfte zwei Erwachsene und zwei Kinder, die über Schwindel und Kopfschmerzen klagten. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, ein Kind sei schwer verletzt worden, die anderen Personen leicht. Die Feuerwehr konnte noch nicht herausfinden, woher das Gas kam. Die Heizungsanlage wurde vorsorglich gesperrt, nun soll ein Schornsteinfeger die Heizanlage überprüfen. In aller Kürze • Anlässlich des Chanukka-Fests besucht der Oberrabbiner des Staates Israel , Kalman Ber, verschiedene jüdische Gemeinden in Deutschland. Seine Reise begann in Hamburg, hier informierte er sich unter anderem über den geplanten Neubau der Bornplatzsynagoge. Das jüdische Gotteshaus wurde 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt und verwüstet, ein Jahr später musste es zwangsweise und auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen werden • Vom 20. März kommenden Jahres an bietet das niederländische Bahnunternehmen GoVolta eine neue direkte Zugverbindung zwischen Hamburg und Amsterdam an. Die Züge sollen zunächst dreimal pro Woche in beiden Richtungen verkehren • Die Veränderungen beim Niederschlag stellen das Unternehmen Hamburg Wasser vor Herausforderungen . Unter anderem sei das für die Grundwasserneubildung wichtige Winterhalbjahr 20 Prozent trockener gewesen als im Durchschnitt der Referenzperiode, sagte der Werkleiter Arnd Wendland. Unter anderem ein Trinkwasserspeicher von 25.000 Kubikmeter Größe auf dem Gelände des Wasserwerks Curslack soll nun helfen, den Bedarf an Trinkwasser weiterhin zu decken THEMA DES TAGES Der Strippenzieher der Blocks Der Hamburger Anwalt Andreas Costard verwandelte sich im Drama der Familie Block offenbar immer mehr vom juristischen Berater zur zentralen Figur. Lesen Sie hier dazu einen Auszug aus dem aktuellen Artikel von ZEIT-Redakteurin Anne Kunze: Alle glücklichen Familien gleichen einander, schrieb Tolstoi. Die unglücklichen aber haben ihre eigene Ordnung. Und manchmal gibt es sogar einen, der sie aufrechterhält. In der Familie Block scheint dieser Mann Dr. Andreas Costard zu sein. Er ist den Blocks Anwalt, Aufsichtsrat, Vertrauter in Personalunion. Irgendwann scheint Costard sich auf fatale Weise in seine unterschiedlichen Rollen derart verstrickt zu haben, dass er selbst zum Mechaniker des Blockschen Unglücks wurde. Am Nachmittag des 2. Januar 2024 betrat Costard das Luxushotel Grand Elysée, das genau wie die Steakhaus-Kette der Familie Block gehört. Es schien, als sei es Costard gelungen, die Ordnung in der Familie Block wiederherzustellen. Sie war aus dem Lot geraten, als die beiden jüngsten Kinder der designierten Firmenerbin Christina Block im Jahr 2021 vom geschiedenen Vater in Dänemark zurückgehalten worden waren, weil die Mutter sie geschlagen und eingesperrt haben sollte – Vorwürfe, die Christina Block bestreitet. Seit dieser Zeit hat Anwalt Costard, so legt es die Akte der Ermittler nahe, versucht, die Block-Kinder irgendwie aus Dänemark heimzuholen. Sowohl Andreas Costard als auch Christina Block bestreiten, Straftaten begangen zu haben. An jenem Nachmittag des 2. Januar waren die Kinder wieder in Deutschland: Eine israelische Firma hatte sie in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark entführt. Costard traf sich im Elysée-Hotel mit dem Patriarchen Eugen Block, Vater von Christina und Opa der entführten Kinder. Mit dabei war auch ein Hamburger Sicherheitsunternehmer, der das Treffen bei der Polizei später folgendermaßen schilderte: Eine "Glückwunsch-Atmosphäre" habe geherrscht, die Stimmung sei "gelöst" gewesen. Die Kinder seien auf dem Weg zurück, habe man sich gefreut. Ein Gespräch nach einer erfolgreichen Operation. Es muss ein Moment der enthemmten Erleichterung gewesen sein, in dem die Anwesenden wohl glaubten, das Familien-Chaos bezwungen zu haben. In Wahrheit hatte es gerade seinen Höhepunkt erreicht. Andreas Costard, 63 Jahre alt, ist Rechtsanwalt in Hamburg. Seit Jahren betreut er die Geschäfte der Familie Block, sitzt im Aufsichtsrat der Holding und des Grand Elysée. In internen Papieren erscheint er als Vertrauter, als Vermittler zwischen dem Patriarchen und seinen Nachkommen, die um die Erbfolge im Unternehmen streiten. Der 85-jährige Block kann – wie viele alte Patriarchen – offenbar schlecht loslassen. Wahrscheinlich sieht er in Costard seinen wahren Nachfolger. Warum Andreas Costard jetzt als Angeklagter vor Gericht steht , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ " Das ist ein Weihnachtsgeschenk für Mieterinnen und Mieter, denn entsprechend niedriger dürften die Mieterhöhungen zum Jahreswechsel ausfallen. " Dem neuen Mietspiegel zufolge sind die Wohnungsmieten in Hamburg seit zwei Jahren kaum gestiegen. ZEIT-Autor Christoph Twickel ordnet ihn und die Folgen für die Mieterinnen und Mieter Hamburgs ein . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Ausgewählte Arbeiten der Hamburger Künstlerin Hanne Darboven sind bis zum 19. Dezember in der Millerntorwache ausgestellt: In "Hanne Darboven Erzählcafé" kann man einen niedrigschwelligen Zugang zu Darbovens Werken finden. Im Begleitprogramm gibt es unter anderem am 12. Dezember ab 17 Uhr ein Gespräch mit Bernhard Berz, einem Mitarbeiter Dabovens, und um 18 Uhr Rasmus Gerlachs Film Timeswings – Hanne Darbovens Kunst. "Hanne Darboven Erzählcafé", bis 19.12., Millerntorwache, Millerntorplatz 20; Mo–Fr 17–20 Uhr (oder nach Vereinbarung unter 0172 – 172 50 44); weitere Infos hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Neulich in einer mal wieder stillstehenden S3 Richtung Hauptbahnhof leitet der Fahrer seine Durchsage gut gelaunt ein: "Moin, liebe Fahrgäste, hier spricht der, der immer an allem schuld ist ..." Gehört von Nadia Blüthmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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