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27.11.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Donnerstag – mit einem neuen Opernhaus, einem Kilo Kokain, einer Hafenrundfahrt und jeder Menge Hip-Hop

Liebe Leserin, lieber Leser, während am Mittwochnachmittag im Rathaus die Bürgerschaft tagte, versammelten sich am Jungfernstieg rund 100 Menschen zu einer Kundgebung. Thema: der Bau der neuen Oper in der HafenCity, finanziert von Klaus-Michael Kühne. "Ein Denkmal für den Holocaust-Profiteur und Steuerflüchtling", stand auf einem Pappschild, das sich jemand umgebunden hatte. "Die Scham ist vorbei, Hamburg sagt Danke für das vergiftete Geschenk". Kühne ist Erbe und langjähriger Chef der Speditionsfirma Kühne + Nagel, die unter der Leitung seines Vaters zwischen 1933 und 1945 die Möbel von deportierten Jüdinnen und Juden abtransportierte und verkaufte und sich damit den Status "nationalsozialistischer Musterbetrieb" erwarb. Die Kühne-Stiftung argumentiert, Kühne selbst sei bei Kriegsende sieben Jahre alt gewesen und die Firma zu diesem Zeitpunkt fast nichts mehr wert, seinen Reichtum habe er sich später selbst erworben. Trotzdem stellt sich die Frage: Kann man, darf man, sollte man sich als Stadt von diesem Mann ein Opernhaus bauen lassen? Die Abgeordneten von SPD, Grünen, CDU und AfD befanden: Ja. Und es war hochinteressant zu verfolgen, wie unterschiedlich sie mit dem historischen Kontext umgingen, wie sie ihn thematisierten, ihren Umgang damit verargumentierten. Ein Großteil der Redner ignorierte den Umstand. Einer sagte, die dringend notwendige Aufarbeitung der Firmengeschichte bekomme nun sicher neue Dynamik. Ein anderer erklärte, bei der Zusammenarbeit mit Kühne handle es sich um eine "reine Vernunftentscheidung". Ein dritter sagte, er sei zwar Anhänger der Idee, sich auf Kühnes Kosten die Oper schenken zu lassen, nicht aber der historischen Kontexte, und ja, es sei durchaus möglich, die Chance zu ergreifen, ohne automatisch zu allem anderen Ja und Amen zu sagen. Wie das freilich gehen könnte – um das herauszufinden und eine zugleich dezente und öffentlichkeitswirksame Lösung zu entwickeln, haben der Senat und die Kühne-Stiftung jetzt mindestens zehn Jahre Zeit. Mein Gefühl sagt: Sie werden sie brauchen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker WAS HEUTE WICHTIG IST Die Bürgerschaft hat für den Neubau der Hamburgischen Staatsoper in der HafenCity den Weg frei gemacht. Die Abgeordneten von SPD, Grünen, CDU und AfD stimmten für einen entsprechenden Vertrag zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung. Nur die Linksfraktion stimmte dagegen. Der Vertrag sieht vor, dass die Stadt das Grundstück am Baakenhöft unentgeltlich zur Verfügung stellt und erschließt. Die Kühne-Stiftung soll den Bau des Opernhauses finanzieren. Der Milliardär Klaus-Michael Kühne hatte angekündigt, dafür bis zu 340 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Bundesliga-Stadtderby beim HSV hat für den FC St. Pauli ein teures Nachspiel. Der Kiezklub ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) "wegen eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger" mit einer Geldstrafe von 125.000 Euro belegt worden. Beim 2:0-Erfolg des FC St. Pauli beim Stadtrivalen aus dem Volkspark hatten die Fans am 29. August massiv Pyrotechnik gezündet. Zwei traditionsreiche Anbieter von Hafenrundfahrten schließen sich zusammen : Die Rainer Abicht Elbreederei GmbH & Co. KG übernehme den laufenden Geschäftsbetrieb von Barkassen Meyer Touristik GmbH & Co. KG, teilten beide Unternehmen mit. Abicht führe den Namen und die Marke "Barkassen Meyer" fort. Die Angebote und Routen blieben erhalten – nur künftig unter einem gemeinsamen Dach, hieß es. Der Zusammenschluss wird zum 1. Januar 2026 wirksam. Das gemeinsame Unternehmen wird 41 Barkassen betreiben. In aller Kürze • Wegen des Verdachts illegaler Geldtransfers sind in Hamburg und Schleswig-Holstein vier Immobilien durchsucht worden, darunter ein Supermarkt in der Nähe des Hauptbahnhofs • Die Polizei sucht Zeugen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt im Stadtteil Marienthal . Der Täter habe sich am späten Mittwochvormittag zunächst an der Kasse angestellt, teilte die Polizei mit. Dann habe er die Kassiererin mit einem Messer bedroht und Geld gefordert • Beim Anrücken der Polizei hat ein mutmaßlicher Drogenhändler rund ein Kilo Kokain aus dem Fenster geworfen . Die Beamten nahmen den 41-Jährigen dennoch fest, wie die Polizei mitteilte. In der Wohnung im Stadtteil Farmsen-Berne stellten die Ermittler weitere Drogen sicher, darunter rund ein Kilo Amphetamin THEMA DES TAGES Schnürsenkel-Check! Konzentration! Und packt die Pommbären weg! Sie haben den Schulstress weggetanzt, die Prüfungsangst und die Sache mit dem Mobbing. Nun steht für acht Mädchen der Hamburger HipHop Academy der große Auftritt an. ZEIT-Autorin Miriam Amro hat die letzte Probe vor dem Auftritt auf Kampnagel besucht, lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel. Heute das letzte Mal Probe. Die Schrittreihenfolgen, die slides , die Stelle mit dem Handstand und die Hebefigur müssen jetzt sitzen. Heute sollen sie noch einmal zeigen, was sie in diesem Jahr gelernt haben, wie sie zusammengewachsen sind, wie aus acht Mädchen eine Gruppe geworden ist. 17 Uhr, Hamburg-Billstedt, ekliger Novemberregen. In der HipHop Academy im Öjendorfer Weg werden die Türen zu den Tanzsälen aufgeschlossen, die Deckenleuchten angemacht und der schwere Vorhang zur Seite geschoben, der eben noch eine verspiegelte Wand verdeckt hat. Dann wirbeln sie ins Tanzstudio 1, die acht der Calypso Squad, sie sind neun, zehn, elf und zwölf Jahre alt, hibbelig vor Aufregung, weil sie einer Zeitung ein Interview geben werden, sie umarmen sich, schlurfen zur Musikanlage, werfen ihre Daunenmäntel zu einem Haufen. Eine von ihnen hat eine Chipstüte mit Pommbären unterm Arm, eine andere einen XL-Lockenwickler für mehr Volumen im Pony. Wo ist Dejna?, ruft jemand. Antwort: "Dejna kommt aus Harburg. Voll weit weg!" Jetzt sitzen sie im Halbkreis auf dem Boden, ziehen die Zöpfe zusammen und die Socken hoch. Ihre Tanzuniform: graue Nike-Trainingsanzüge, weiße T-Shirts, Sneaker. Jetzt ist auch Dejna da. "Leute!", ruft Andy Calypso, die Trainerin der Calypso Squad, und klatscht in die Hände. Sie steht am Rand, die Arme verschränkt, aufmerksam, streng und ein bisschen stolz. "Schnürsenkel-Check! Konzentration! Und packt die Pommbären weg! Letztes Mal vor der Gala! Let’s go!" Wie sich die Mädchen auf ihren Auftritt bei der Gala " Error 404 – Future not found?" auf Kampnagel vorbereiten , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Dass jemand aus Hamburg nach Berlin geht und umgekehrt, liegt aus vielerlei Gründen nahe." Jede Großstadt wird geprägt von den Menschen, die es dorthin zieht – eine interaktive Karte auf zeit.de schlüsselt auf, woher die Großstadtbewohner stammen . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN In der Fabrik findet am Sonntag ein Jubiläumskonzert des Kindermusikprojekts "Unter meinem Bett" statt. Das erste Album mit Liedern bekannter Indie-Künstler und Singer/Songwriter zu Themen aus dem Kinderalltag erschien im Jahr 2015. Am Sonntag sind unter anderem Klaeukens, Bernd Begemann und als Special Guest DJ Kekse dabei. "Unter meinem Bett", 30. November, 15 Uhr, Einlass ab 14 Uhr, Fabrik, Barnerstraße 36; Tickets bekommen Sie hier . MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK An einer Fischbude an den Landungsbrücken. Sagt ein Mann zum Verkäufer: "Ich hab gehört, du bist zu Hause!" – "Wenn ich sag, ich bin zu Hause, dann mein ich, ich bin hier!" Gehört von Wiebke Neelsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .